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VW-Chef Diess: „Wer einmal elektrisch gefahren ist, will nie mehr zurück“ zum Verbrenner

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Von: Julian Baumann

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Herbert Diess, Vorstandsvorsitzender des Volkswagen-Konzerns, spricht bei der Veranstaltung „Elektro Tage 2022“ in Wien.
VW-Chef Herbert Diess glaubt an die Dominanz der E-Mobilität. In Europa werde eine Umstellung aber noch bis 2035 andauern. © Michael Indra/IMAGO

VW-Chef Herbert Diess ist davon überzeugt, dass E-Autos die Zukunft der Mobilität sein werden. Brennstoffzelle und E-Fuels steht er skeptisch gegenüber.

Stuttgart/Wolfsburg - In der Nacht vom 26. auf den 27. Juni sind die 27 EU-Mitgliedsstaaten in der Debatte um ein Verbrenner-Aus zu einer Einigung gekommen. Demnach dürfen ab 2035 nur noch klimaneutrale Neuwagen verkauft werden. Porsche will ungeachtet der Entscheidung weiterhin auf E-Fuels setzen und sieht die synthetischen Kraftstoffe nach wie vor als „sinnvolle Ergänzung zur E-Mobilität“ an, wie ein Sprecher gegenüber BW24 erklärte. Mutterkonzern Volkswagen will die Produktion der E-Autos deutlich ausbauen und erwartet, bald sogar den Branchenprimus Tesla bei den Verkäufen überholen zu können.

„Weltweit sind wir bei der E-Mobilität auf Platz zwei“, sagte VW-Chef Herbert Diess im Interview mit Kleine Zeitung. Im laufenden Jahr werde bei dem Autokonzern aus Wolfsburg noch so einiges passieren. „Es laufen in mehreren Werken neue E-Autos an, von Europa über USA bis nach China. In den nächsten zwei, drei Jahren wird das ein enges Rennen mit Tesla.“ Der mächtige Chef des zweitgrößten Autoherstellers der Welt ist davon überzeugt, dass Autofahrer, die mal ein E-Auto gefahren sind, nicht mehr zurück zum Verbrenner wollen.

VW-Chef Herbert Diess: Mobilität steuert „klar in Richtung E-Mobilität“

Während Mercedes-Benz ein Ende der Verbrenner-Produktion ab 2030 bereits beschlossen hat, war VW in Bezug auf die Transformation bislang zögerlicher. Auch von Experten wurde vermutet, dass der Wolfsburger Konzern, aufgrund seiner Größe, mit mehreren weltbekannte Automarken, deutlich länger für eine solche Umstellung brauchen werde. VW-Chef Diess glaubt ebenfalls nicht, dass der Umstieg schneller passieren wird, als von der EU-Kommission gefordert. „Nein, das wird in Europa schon bis 2035 dauern“, sagte er gegenüber Kleine Zeitung. „Schneller geht es nicht, weil der Aufbau der Batteriefabriken – für zwei Autowerke braucht man eine Batteriefabrik –, der Ausbau von Ladenetzen und die Gewinnung von grünem Strom einfach Zeit brauchen.“

Der elektrische Sportwagen Audi e-tron GT lädt an einer Säule von Ionity (gestellte Szene).
Der VW-Konzern, zu dem auch Audi und Porsche gehören, ist laut CEO Herbert Diess von dem Siegeszug der E-Autos überzeugt. © Audi AG

Von der letztendlichen Dominanz der E-Autos gegenüber den altgedienten Verbrennern scheint der VW-Chef allerdings überzeugt zu sein. „Kundinnen und Kunden, die einmal elektrisch gefahren sind, wollen nicht mehr zum Verbrenner zurück“, machte er deutlich. Eben durch die Entscheidung der 27 EU-Mitgliedsstaaten werde dieser Prozess noch weiter beschleunigt werden. „Das bietet einen zusätzlichen Anreiz, die Energie fürs Fahren selber zu erzeugen, zu geringeren Kosten“, so Diess weiter. „Heute liegen wir zwischen 5 und 10 Cent, da fahren Sie 100 Kilometer für 1,50 Euro, das ist jetzt schon günstiger als mit jedem Verbrenner.“

VW-Chef sieht E-Fuels als „noch ineffizienter als die Brennstoffzelle“ an - obwohl Porsche daran arbeitet

Als Alternative zur E-Mobilität wird oftmals neben synthetischen Kraftstoffen auch die wasserstoffbasierte Brennstoffzelle genannt. Bei VW sieht man die beiden Möglichkeiten allerdings nicht als wirkliche Alternativen an. „Beim Wasserstoff muss man erst den Strom in Wasserstoff umwandeln“, erklärte Herbert Diess. „Schon da sinkt der Wirkungsgrad um die Hälfte.“ Diese Ansicht wird nicht nur in Wolfsburg, sondern auch in Stuttgart vertreten. „Die Gesamtbilanz ist aktuell deutlich schlechter als das, was wir auf der batterieelektrischen Seite sehen“, sagte Mercedes-Strategiechefin Carolin Strauß im Interview mit BW24 in Bezug auf die Brennstoffzelle.

Dasselbe gelte auch für die synthetischen Kraftstoffe, an denen Porsche seit einiger Zeit intensiv arbeitet. Porsche will mit den E-Fuels den Verbrenner retten. Gemäß der bisherigen Entscheidung der EU-Länder ist dieses Vorgehen weiterhin möglich, das EU-Parlament pocht dagegen noch immer auf ein vollständiges Verbrenner-Verbot, was auch das Ende für die E-Fuels bedeuten würde. Selbst im VW-Konzern, zu dem der Stuttgarter Sportwagenbauer seit 2009 gehört, ist man in Bezug auf synthetische Kraftstoffe skeptisch.

„Für uns wäre das Einfachste, wir müssten gar nichts machen“, sagte Herbert Diess gegenüber Kleine Zeitung. Dann müsse man auch nichts investieren und könne warten, bis die synthetischen Kraftstoffe marktreif seien. „Das Problem ist, dass das noch ineffizienter ist als die Brennstoffzelle“, so der VW-Chef. Er revidierte allerdings, dass die wertvollste VW-Tochter mit den E-Fuels keine Erfolge verzeichnen könne. „Für den Porsche-Fahrer oder den Oldtimer-Liebhaber kann das funktionieren.“

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