1. bw24
  2. Auto
  3. E-Autos

Schwäbischer Batteriehersteller zieht Reißleine bei geplanter E-Auto-Batterie-Fabrik - aus Kostengründen

Erstellt:

Von: Julian Baumann

Kommentare

Blick in einen Reinraum für die Produktion von Knopfzellen in der Lithium-Ionen-Fabrik von Varta.
Der Batteriekonzern Varta aus Ellwangen hat aus Kostengründen seine Pläne für eine Batteriefabrik für E-Autos zunächst auf Eis gelegt. © Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Aufgrund der schweren wirtschaftlichen Lage legt das schwäbische Unternehmen Varta den Bau der geplanten Fabrik für E-Auto-Batterien vorerst auf Eis. 

Ellwangen/Nördlingen - Durch die Hochfahrt der E-Auto-Produktion steigt auch die Nachfrage nach Batterien für die Modelle immer weiter an. Die großen deutschen Autokonzerne haben deshalb den Bau eigener Batteriefabriken bekannt gegeben. Mercedes-Benz will acht Gigafabriken für die Batterieproduktion errichten und VW eröffnete vor wenigen Monaten eine große Batteriefabrik in Salzgitter, der viele weitere folgen sollen. Der Traditionskonzern Varta aus dem schwäbischen Ellwangen (Ostalbkreis), der Batterien für unterschiedlichste Anwendungsbereiche fertig, muss für seine geplante Batteriefabrik in Nördlingen (Bayern) nun vorerst die Reißleine ziehen.

Ende vergangenen Jahres hatte Varta im bayrischen Nördlingen eine Pilotanlage für neue Hochleistungsbatterien für die E-Mobilität und andere Einsatzgebiete in Betrieb genommen, eine Massenproduktion war bislang bis 2023 in Planung. Aus Kostengründen muss der Bau einer Fabrik für Lithium-Ionen-Akkus für E-Autos vorerst auf Eis gelegt werden, erklärte ein Vorstandssprecher des Konzerns am Dienstag, 15. November, bei der Vorlage der Quartalszahlen. Die erste Serienfertigung werde aber fortgesetzt, um den Vertrag mit einem Premium-Autohersteller zu erfüllen. Bei diesem soll es sich um den Stuttgarter Sportwagenhersteller Porsche handeln.

Varta will Fabrikneubau erst nach verbindlichen Kundenzusagen fortsetzen

Der Batteriekonzern Varta war im zweiten Coronajahr 2021 durchaus erfolgreich, die Folgen des Ukraine-Krieges trübten jedoch die Aussichten auf 2022. Diese Befürchtungen haben sich offenbar bewahrheitet. Wie das Unternehmen in einer Pressemitteilung zur Vorlage der Quartalszahlen mitteilte, ist der Umsatz in den ersten neun Monaten des Geschäftsjahrs zum Vorjahresvergleichszeitraum um 8,3 Prozent von 622,3 Millionen auf 570,7 Millionen Euro zurückgegangen. Die globalen Krisen, wie die hohen Energie- und Rohstoffpreise, die pandemiebedingten Produktionsunterbrechungen und die anhaltende Chipkrise würden das Unternehmen auch weiterhin stark belasten.

In Reaktion auf die anhaltenden globalen Probleme habe der Varta-Vorstand ein Maßnahmenpaket zur Kostensenkung und Profitabilitätssteigerung gestartet. „Die aktuell schwierige Wirtschaftssituation beeinträchtigt vor allem die Nachfrage nach Lithium-Ionen-Batterien im Bereich Lithium-Ion CoinPower“, heißt es in der Mitteilung. „Das Unternehmen setzt in dem besonders betroffenen Bereich CoinPower temporär Kurzarbeit am Produktionsstandort Nördlingen ein.“ Der zunächst auf Eis gelegte Fabrikneubau soll laut dem Konzern erst nach verbindlichen Kundenzusagen fortgesetzt werden. „Wir ergreifen jetzt Maßnahmen zur Kostensenkung, um uns zukunftssicher aufzustellen“, sagte Varta-CFO Armin Hessenberger. „Unser Ziel dabei ist es, strukturell weiterhin flexibel zu bleiben.“

Varta erwartet im Geschäftsjahr 2022 „angesichts der vielfältigen Risiken“ deutlichen Umsatzrückgang

Autohersteller wie Mercedes-Benz und BMW konnten dem Chipmangel und den Lieferproblemen durch den Verkauf hochpreisiger Modelle trotzen. Zulieferer haben diese Möglichkeit in den meisten Fällen nicht. „Unsere Kunden sind zeitweise von eigenen Produktionsunterbrechungen betroffen und können so keine Produkte oder nur verringerte Mengen von uns abnehmen“, heißt es in der Mitteilung von Varta. „Dies wird durch die andauernde Pandemie, die Auswirkungen des Krieges in der Ukraine, die eingeschränkte Verfügbarkeit von Halbleitern, aber auch durch den Rückgang der Konsumausgaben verursacht.“ Die Produktionsengpässe bremsten bereits den E-Auto-Boom merklich aus.

Der Konzern aus Ellwangen sei durch den Ukraine-Krieg indirekt sehr stark betroffen, da die Rohstoff- und Energiepreise stark angestiegen sind und es noch nicht abschätzbar sei, wie lange diese gestiegenen Preise anhalten oder sogar noch steigen werden. Deshalb ist es auch nicht abzusehen, wann Varta den Bau der geplanten Batteriefabrik für E-Autos wieder aufnehmen kann. Für das sich allmählich dem Ende zuneigende Geschäftsjahr 2022 erwartet der Konzern insgesamt einen deutlichen Umsatzrückrang. „In Anbetracht der vielfältigen Risiken und Unsicherheiten erwartet das Unternehmen für das Geschäftsjahr 2022 einen Konzernumsatz von 805 bis 820 Millionen Euro.“ Im Jahr 2021 lag der Umsatz von Varta bei 902,9 Millionen Euro.

Auch interessant

Kommentare