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Studie offenbart katastrophale Verbrauchs-Bilanz von Plug-in-Hybriden - Diesel sparsamer

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Von: Julian Baumann

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Modell eines Plug-in-Hybrid-Elektroautos des Herstellers Nissan wird auf der „Automobile Barcelona“ ausgestellt.
Laut einer Studie haben neuere Plug-in-Hybride einen deutlich höheren Kraftstoffverbrauch als reine Verbrenner. © Paco Freire/dpa/SOPA Images via ZUMA Press Wire

Plug-in-Hybride gelten als Zwischenlösung auf dem Weg zur E-Mobilität. Laut einer Studie sollen neuere Modelle aber umweltschädlicher als Verbrenner sein.

Stuttgart - Auf dem Weg in eine emissionsfreie Autoproduktion gelten die Plug-in-Hybride, Fahrzeuge mit einem Verbrennungs- und einem Elektromotor, als Brückentechnologie. In den Städten kann durch den E-Motor rein elektrisch gefahren werden, für längere Strecken wird der Verbrenner eingeschaltet. Autobauer Mercedes-Benz bietet Hybridantriebe in nahezu allen Klassen an, von der Mercedes A-Klasse Limousine, über die Mercedes E-Klasse Limousine bis hin zu großen SUV-Modellen wie dem GLA. Ab 2030 will der Stuttgarter Traditionskonzern aber bereit für eine vollelektrische Fahrzeugflotte sein.

Trotz der fortschreitenden Transformation zur E-Mobilität sind einige Autofahrer noch immer skeptisch. Hybrid-Modelle eignen sich demnach auch dafür, eine rein elektrische Fahrweise zumindest auf kürzeren Strecken auszuprobieren. Gerade in Großstädten wie Stuttgart oder München sollten die Plug-in-Hybride demnach auch zur Reduzierung der Schadstoffe beitragen. Eine Studie des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung ISA und der International Council on Clean Transportation (ICCT) behauptet nun aber, dass neuere Hybrid-Fahrzeuge einen höheren Kraftstoffverbrauch hätten, als ältere Modelle, berichtet Focus Online.

Studie offenbart Verbrauchsbilanz von Hybrid-Autos - „zuletzt sogar angestiegen“

Im Bereich der Hybrid-Autos müssen zwei Unterscheidungen gemacht werden: Beim Hybridantrieb lädt der Verbrennungsmotor den Akku während der Fahrt durch einen Generator auf. Eine rein elektrische Reichweite der Autos bleibt deshalb sehr gering. Bei den Plug-in-Hybriden können die Fahrzeuge, wie auch reine E-Autos, zusätzlich per Stecker an Ladepunkten geladen werden. Für die Studie wurden rund 9.000 Plug-in-Hybride aus ganz Europa untersucht. „Das Kernergebnis zeigt: Die Kraftstoffverbräuche der Fahrzeuge liegen im Schnitt deutlich über den offiziellen Testzyklen – und sind zuletzt sogar angestiegen“, so das Fazit.

Die Idealvorstellung für die Plug-in-Hybrid-Autos ist es, den Kraftstoffverbrauch möglichst gering zu halten und vorrangig auf den Elektromotor zu setzen. Das wird offenbar aber von den Autofahrern nicht so umgesetzt. Das Fatale an den Ergebnissen der Studie ist, dass die Verbrennungsmotoren eines Hybrid-Autos offenbar mehr Benzin verbrauchen, als reine Verbrenner. Die Forscher ermittelten, dass der Realverbrauch bei privat genutzten Modellen dreimal so hoch liegt, als von den Herstellern angegeben; bei Dienstwagen sei er sogar fünfmal so hoch. „Damit ist die Abweichung zwischen offiziellen Angaben und realen Erfahrungswerten bei Plug-in-Hybridfahrzeugen sehr viel größer als bei Fahrzeugen mit konventionellem Verbrennungsmotor“, schreiben die Autoren der Studie.

Hybridautos: Forderungen nach Anpassung der staatlichen Zuschüsse werden laut

Ein hoher Kraftstoffverbrauch der Plug-in-Hybride fällt vor allem dann ins Gewicht, wenn die Fahrer größtenteils mit dem Verbrennungsmotor unterwegs sind. Laut der Studie ist der durchschnittliche Hybrid-Fahrer tatsächlich nur etwa 45 bis 49 Prozent der Fahrzeit rein elektrisch unterwegs, bei Dienstwagen liegt der Anteil sogar nur bei 11 bis 15 Prozent. Als Schlussfolgerung der Studie fordert ICCT-Direktor Peter Mock Focus Online zufolge deshalb, „Förderinstrumente wie Kaufprämien und reduzierte Dienstwagenbesteuerung an den Nachweis eines elektrischen Fahranteils von etwa 80 Prozent oder einen Verbrauch von etwa 2 Litern pro 100 km im realen Betrieb“ zu knüpfen.

Die Bundesregierung hatte bereits eine Reform der staatlichen Zuschüsse beim Kauf eines elektrischen Fahrzeugs angekündigt. Ab 2023 bekommen E-Auto-Fahrer nicht mehr für alle Modelle Prämien. Durch das kürzlich von der EU-Kommission beschlossene Verbrenner-Verbot ab 2035 dürften Plug-in-Hybride aber ohnehin vor dem Aus stehen. In Bezug auf die Entscheidung gab es allerdings bereits Kritik. Renault-Entwicklungschef Le Borgne sagte, alles auf E-Autos zu setzen sei riskant und auch dem Autozulieferer ZF Friedrichshafen macht das Sterben der Hybridautos ordentlich zu schaffen.

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