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„Große Probleme der E-Mobilität lösen“: Erstes Solarauto startet in Serienproduktion

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Von: Julian Baumann

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Lightyear-CEO und Mitgründer Lex Hoefsloot bei der Prämiere des Solarautos „Lightyear 0“.
Lightyear-CEO Lex Hoefsloot will mit dem ersten serienreifen Solarauto beide Probleme der E-Mobilität lösen: Begrenzte Reichweite und mangelnde Ladeinfrastruktur. © Lightyear/Pressebild

Solarbetriebene Fahrzeuge werden oft belächelt, könnten laut dem Gründer eines Start-ups aber Probleme der E-Mobilität lösen. Sein Unternehmen will im November die ersten Sonnenautos ausliefern.

Stuttgart/Eindhoven - Die Autoindustrie ist im Wandel und neben etablierten Herstellern wie Mercedes-Benz oder Tesla wollen auch immer mehr Start-ups ihren Beitrag für eine emissionsfreie Zukunft leisten. Die Technische Universität im niederländischen Eindhoven scheint dabei eine wahre Fundgrube für vielversprechende Entwicklungen zu sein. Studenten der TU entwickelten beispielsweise ein E-Auto, das die Luft beim Fahren reinigt. Doch auch an möglichen Alternativen zur E-Mobilität wird auf dem Campus im Süden der Niederlande offenbar getüftelt.

Ein weiteres Studententeam der TU Eindhoven entwickelte ein solarbetriebenes Wohnmobil, das eine Reichweite von bis zu 730 Kilometern schaffen soll. Während das angesprochene E-Auto „Zem“ und auch das solarbetriebene Wohnmobil „Stella Vita“ noch Prototypen sind, ist das Start-up Lightyear, das im Jahr 2016 ebenfalls von Studenten der TU Eindhoven gegründet wurde, deutlich weiter. Bereits im November will das Unternehmen mit der Serienproduktion des weltweit ersten Solarautos beginnen.

Solarauto-Hersteller Lightyear sieht Sono Motors nicht als Konkurrent - „sitzen im selben Boot“

Die großen Hersteller der weltweiten Autoindustrie setzen inzwischen nahezu vollständig auf E-Autos. Mercedes-Benz will ab 2030 nur noch batteriebetriebene Modelle bauen und VW strebt sogar an, den Branchenprimus Tesla beim Absatz der Stromer zu überholen. Potentielle Alternativen wie die wasserstoffbasierte Brennstoffzelle wurde von vielen Herstellern wieder verworfen, an einem Solarauto hatten die großen Autobauer dagegen lange Zeit überhaupt kein Interesse. Deshalb kommt das erste serienreife Solarauto auch von einem Start-up. „Es ist nicht damit getan, ein paar Fotovoltaikzellen aufs Dach zu montieren“, sagte Lightyear-Mitgründer Lex Hoefsloot im Interview mit der WirtschaftsWoche. „Das ganze Fahrzeug muss von Grund auf neu entwickelt werden.“

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Vor wenigen Monaten präsentierte der deutsche Hersteller Sono Motors ein erstes serienreifes Solar-E-Auto, bei dem die Solartechnik im Mittelpunkt steht und nicht nur als Unterstützung für die Batterie dient. Das Modell „Sion“ soll allerdings erst im Herbst 2023 in die Serienproduktion gehen, während Lightyear einen Produktionsstart bereits in wenigen Wochen anvisiert. Doch selbst wenn Sono Motors das niederländische Start-up noch überholen könnte, bereitet das Mitgründer Lex Heofsloot keine Sorgen. „Lightyear und Sono sitzen im selben Boot – uns eint das Ziel, Solarautos aus der Nische zu bringen“, machte er deutlich. Zumal Lightyear mit dem ersten Serienmodell auch eine ganz andere Herangehensweise plant, als das deutsche Unternehmen.

Solarauto-Start-up Lightyears steiniger Weg zum Serienmodell - „war eine fast schmerzhafte Erfahrung“

Das Start-up Lightyear hat einen ersten Prototyp des Solarautos bereits im Jahr 2019, vor dem Beginn der Corona-Krise, präsentiert, einen Produktionsstart aber immer wieder verschoben. Grund dafür sei aber nicht die Pandemie gewesen, sagte Heofsloot gegenüber der WirtschaftsWoche. „Wir sind ehrlicherweise einfach mit der technischen Entwicklung nicht so schnell vorangekommen wie erhofft“, führt er aus. „Und aus dem finalen Prototyp dann ein sicheres und verlässliches Serienauto zu machen, war eine fast schmerzhafte Erfahrung.“ Es habe unzählige Hindernisse gegeben und vor allem die Beschaffung habe sich schwierig gestaltet. „Viele Komponenten mussten wir auch erst selbst entwickeln – weil es einfach nichts Passendes am Markt gibt.“

Allen Hindernissen zum Trotz steht das serienreife Solarauto nun aber kurz vor der Serienproduktion und fordert sogar das Super-E-Auto EQXX von Mercedes-Benz heraus. Das solarbetriebene Serienauto soll mit einer Reichweite von rund 1.000 Kilometer nämlich ähnlich weit kommen, wie das Forschungsauto des schwäbischen Weltkonzerns. Gerade in puncto Reichweite und auch bei der noch immer nicht ausreichend ausgebauten Ladeinfrastruktur sieht Lex Hoefsloot solarbetriebene Fahrzeuge im Vorteil. „Solarautos können die beiden großen Probleme der Elektromobilität lösen: die geringen Reichweiten und die schlecht ausgebaute Ladeinfrastruktur“, erklärte er. Auf der anderen Seite gibt es aber noch immer die durchaus berechtigte Kritik, dass solarbetriebene Fahrzeuge eben von der Sonne abhängig sind.

Den Massenmarkt strebt das erste serienreife Solarauto mit einem mehr als stolzen Preis von 250.000 Euro und einer Limitierung auf 946 Exemplare allerdings nicht an. „Es ist vor allem als Demonstrator gedacht“, sagte der Mitgründer von Lightyear der WirtschaftsWoche. „Wir wollen lernen, wie man die Produktion aufbaut.“ Für das Jahr 2025 haben die Niederländer aber bereits ein zweites Modell angekündigt, das dann für rund 30.000 Euro auf den Markt kommen soll und damit in etwa dem Preis entspricht, den auch Sono Motors für den „Sion“ anpeilt. Ob die stolze Reichweite des Lightyear 0 die bisherigen Zweifel in Bezug auf Solarautos ausräumen kann, wird sich zeigen.

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