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Hohe Kosten bringen Autozulieferer in Bedrängnis - E-Autos erheblich teurer als 2020

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Von: Julian Baumann

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E-Autos laden an einer Ladestation in Kopenhagen (Dänemark).
Durch die stark erhöhten Rohstoff- und Transportkosten sind E-Autos in der Produktion rund 4.000 Euro teurer als 2020. © IMAGO/Francis Dean/Dean Pictures

Die Rohstoff- und Transportkosten belasten die Autozulieferer zunehmend. Das wirkt sich auch auf die E-Auto-Preise aus, die seit 2020 deutlich gestiegen sind. 

Stuttgart - Die andauernde Chipkrise, ausgelöst durch einen massiven Lieferengpass von Halbleiterkomponenten, belastet die gesamte Autoindustrie seit Monaten. Durch den Krieg in der Ukraine sind die Kosten für Rohstoffe, Energie und Transport noch weiter gestiegen. Autohersteller wie Mercedes-Benz regieren damit, vorrangig hochpreisige Modelle wie die S-Klasse oder das elektrische Pendant EQS zu produzieren. Eine solche Möglichkeit haben die Autozulieferer dagegen nicht.

Durch die stark gestiegenen Rohstoffpreise erhöhen sich letztendlich auch die Kosten für die Endabnehmer. Das macht sich derzeit besonders bei den E-Autos bemerkbar. Berater von AlixPartners haben laut der Wirtschaftswoche berechnet, dass sich die Preise pro E-Auto in Europa seit dem Jahr 2020 um umgerechnet rund 4.000 Euro verteuert haben. Insgesamt haben sich die Rohstoffkosten für ein batteriebetriebenes Fahrzeug dadurch auf fast 7.000 Euro erhöht.

Aluminiumpreise haben sich im zweiten Halbjahr 2021 „um rund 80 Prozent“ erhöht

Die Chipkrise wirkte sich im vergangenen Jahr besonders auf die Autozulieferer aus. Bosch-Chef Stefan Hartung warnte bereits, dass 2022 „ganze Autos nicht gebaut werden“ könnten. Das macht sich aktuell auch bei dem Autozulieferer Mahle aus Stuttgart bemerkbar. Für das ohnehin angeschlagene Unternehmen lagen die Mehrkosten für Rohstoffe und Transport allein im Zeitraum von Juli bis Dezember 2021 bei 300 Millionen Euro, wie Mahle-Interimschef Michael Frick bei der Bilanzpressekonferenz Ende April sagte. Im zweiten Halbjahr 2021 habe sich Aluminium „um rund 80 Prozent“ verteuert, „die Frachtraten verdoppelten sich“, so Frick weiter. Für Mahle ist Aluminium einer der wichtigsten Rohstoffe.

Die Autozulieferer versuchen die hohen Kosten zumindest teilweise an die Hersteller weiterzugeben. Dem sind allerdings Grenzen gesetzt. Bei Mahle heißt es beispielsweise, dass in der Vergangenheit Materialgleitklauseln nur „bei ausgewählten Kunden und Rohstoffen vereinbar“ worden seien. Unter einer Materialgleitklausel versteht man, dass ein Lieferant sich das Recht vorbehält, bei steigenden Materialkosten auch die Preise der Ware anzupassen. Eine solche Klausel gibt es meistens für Metalle, für Logistik-, Fracht- und Energiekosten in der Regel aber nicht. Mahle-Interimschef Michael Frick sei aber „zutiefst davon überzeugt“, dass „in der jetzigen Situation Automobilhersteller und Zulieferer gemeinsam gefordert“ seien, berichtet die Wirtschaftswoche.

Bosch will trotz zahlreicher Herausforderungen „wettbewerbsfähige Preise erzielen“

Selbst die größten Autozulieferer der Welt stehen aufgrund der extremen Kosten vor großen Herausforderungen und können die Milliardenkosten mitunter nicht alleine tragen. Deshalb verhandeln aktuell die direkten Lieferanten mit den Autobauern. „Weltweit arbeiten unsere Teams in Einkauf und Logistik deshalb mit unseren Lieferanten und Kunden an Lösungen, um trotz der zahlreichen Herausforderungen wettbewerbsfähige Preise zu erzielen und Lieferketten aufrechtzuerhalten“, heißt es laut der Wirtschaftswoche bei Bosch. Und auch Continental will „die aktuellen Herausforderungen mit unseren Kunden und Zulieferern partnerschaftlich lösen.“

Durch die anhaltende Chipkrise, dem Ukraine-Krieg und erneuten Corona-Lockdowns in China ist ein Ende der Preisspirale allerdings noch nicht abzusehen. Die Kosten für die Produktion eines E-Autos sind im Vergleich zu 2020 um rund 4.000 Euro gestiegen und werden laut Berater Elmar Kades von AlixPartners auch nicht mehr auf das damalige Niveau zurückgehen. „Was die Rohstoffe betrifft, werden Zulieferer versuchen, die nächsten Verträge anders zu gestalten – und das wird teurer“, sagte er laut der Wirtschaftswoche.

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