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Renault-Entwicklungschef: Alles auf E-Autos zu setzen, „wäre wirklich riskant“

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Von: Julian Baumann

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Ein Elektroauto vom Typ Renault Zoe wird an einer Ladesäule aufgeladen.
Laut einem Renault-Vorstand ist es ein hohes Risiko, alles auf E-Autos zu setzen. © Carsten Rehder/dpa

Die großen Autobauer weltweit fokussieren sich immer deutlicher auf E-Autos. Laut dem Entwicklungschef von Renault ist eine vollkommene Abkehr vom Verbrenner aber ein Risiko.

Stuttgart/Paris - Die ersten elektrisch betriebenen Autos wurden bereits um Jahr 1900 entwickelt, einige Jahrzehnte später jedoch von den damals deutlich leistungsstärkeren Verbrenner-Motoren abgelöst. Seit einiger Zeit ist in der weltweiten Autoproduktion der umgekehrte Fall zu bemerken, auch wenn sich noch nicht alle großen Konzerne vollständig vom Verbrenner lösen wollen. Mercedes-Benz hat ein Verbrenner-Ende besiegelt und will ab 2030 nur noch E-Autos bauen, bei VW und BMW wird trotz des deutlichen Fokus auf batteriebetriebene Fahrzeuge noch gezögert. VW-Tochter Porsche forscht beispielsweise an synthetischen Kraftstoffen und will damit den Verbrenner retten.

Der Fokus auf E-Autos ist zum einen dem Umweltgedanken geschuldet und zum anderen auch dem damit einhergehenden Druck der Politik auf eine CO2-neutrale Produktion. Die Grünen in Deutschland forderten sogar ein noch früheres Verbrenner-Ende, als die EU. Vor Gericht erhielt die Partei aber eine Schlappe: Mercedes, BMW und VW dürfen noch bis 2035 Autos mit Verbrenner-Motor verkaufen. Der Entwicklungschef des französischen Autobauers Renault rechnet aber damit, dass Autos mit fossilem Antrieb auch nach 2035 noch gebraucht werden, wie er gegenüber Auto Motor und Sport sagte.

Renault-Vorstand sieht Verbrenner in bestimmten Bereichen als unverzichtbar

In den vergangenen Jahren haben E-Autos große Entwicklungsschritte gemacht und können inzwischen in Sachen Leistung mit den Verbrenner-Modellen mithalten. Mercedes stellte kürzlich mit dem Super-E-Auto EQXX einen Reichweitenrekord auf. Das Forschungsfahrzeug fuhr über 1.000 Kilometer, mit nur einer einzigen Batterieladung. Renault-Vertriebschef Gilles Le Borgne sieht Verbrenner-Motoren, vor allem in Plug-in-Hybriden und Kleinwagen aber weiterhin als unverzichtbar an. „Generell werden wir alles dafür tun, dass uns zumindest der Plug-in-Hybrid auch nach 2035 erhalten bleibt, obwohl die EU-Kommission die Absicht verfolgt, ab dann den Verbrennungsmotor zu verbieten“, sagte das Vorstandsmitglied des Pariser Autokonzerns dem Magazin Auto Motor und Sport.

Plug-in-Hybride gelten mit einem elektrischem und einem fossilen Antrieb als Zwischenlösung zwischen den Verbrennern und den reinen E-Autos. Durch das Verbrenner-Verbot 2035 könnten aber auch solche Modelle nicht mehr verkauft werden. Gilles Le Borgne schlägt deshalb vor, Fahrer von Hybrid-Modellen technisch dazu zu bringen, größere Strecken rein elektrisch zu fahren. Eine Technik könne bei Hybridmodellen den Fahrer darauf hinweisen, rechtzeitig die Batterie zu laden, wie Verbrenner den Fahrer darauf hinweisen, rechtzeitig die Harnstofflösung nachzufüllen. „Kommen Sie beim Diesel der Aufforderung nicht nach, startet das Fahrzeug nicht mehr“, so der Renault-Vorstand. „Das ginge ja prinzipiell auch beim PHEV (Plug-in-Hybrid, Anm.d.Red.), und das haben wir auch schon der EU-Kommission vorgeschlagen.“

„Alles auf die Karte Elektromobilität zu setzen, wäre wirklich riskant“, sagt der Renault-Entwicklungschef

Mercedes-Benz will in Zukunft nur noch auf E-Autos setzen und der große US-Konkurrent Tesla hat sich von Beginn an ausschließlich der Herstellung batteriebetriebener Modelle verschrieben. Auch Renault produziert beispielsweise mit dem elektrischen Zoe beliebte E-Autos. Laut dem Entwicklungschef müsse sich die Branche aber auch Alternativen zum Elektroantrieb offenhalten. „Wenn wir der breiten Masse die Möglichkeit individueller Mobilität erhalten wollen, dann müssen wir verschiedene Antriebstechnologien vorhalten“, sagte Gilles de Borgne. „Alles auf die Karte Elektromobilität zu setzen, wäre wirklich riskant.“

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