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Renault-Chef zur E-Auto-Strategie der EU - „Ansatz ist nicht sonderlich logisch“

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Von: Julian Baumann

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Luca de Meo, Vorstandschef von Renault, präsentiert am Messestand von Renault vor Beginn der Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA Mobility) den „Megane E-Tech“.
Renault will ab 2030 in Europa vollelektrisch sein. Den Ansatz der EU sieht CEO Luca de Meo dennoch als „nicht sinnvoll“. © Sven Hoppe/dpa

Renault setzt nach anfänglichem Zögern auf E-Autos, allerdings zunächst nur in Europa. Das Verbrenner-Ende ist laut CEO Luca de Meo dennoch verfrüht.

Stuttgart/Boulogne-Billancourt - In der Europäischen Union läuft die Zeit der Verbrennungsmotoren langsam aus. Die EU-Staaten haben sich darauf geeinigt, ab 2035 nur noch klimafreundliche Fahrzeuge zu erlauben. Während Mercedes-Benz und VW ihre Fahrzeugflotte vollständig elektrifizieren wollen, startete BMW zusätzlich eine Wasserstoff-Offensive. Der Renault-Entwicklungschef sagte im Frühjahr, alles auf E-Autos zu setzen, sei „wirklich riskant“. Inzwischen hat sich der französische Autobauer aber entschlossen, ebenfalls auf Elektro umzustellen - wenn auch zunächst nur auf dem europäischen Markt.

Die Zukunft des europäischen Autobaus wird zwangsläufig elektrisch sein. Selbst Ferrari will bis 2025 erreichen, was Porsche bereits gelungen ist. Durch die extremen Energiepreise und den Wegfall der staatlichen Förderungen werden die batteriebetriebenen Modelle aber zwangsläufiger auch immer kostspieliger werden. Zudem mangelt es in Europa noch immer an einer ausreichend ausgebauten Ladeinfrastruktur. Renault will nach anfänglichem Zögern dennoch bereit sein, bereits 2030 voll auf Elektro umzusteigen, sieht sich für die Marke Dacia aber nach Alternativen um, wie CEO Luca de Meo im Gespräch mit der Welt sagte.

Renault-CEO: „Elektroautos sind teurer als Verbrenner“ - Konzern will dennoch bis 2030 bereit sein

Durch technische Neuerungen, stärkere und emissionsärmere Motoren und immer mehr Hightech-Software werden Neuwagen immer teurer. In den vergangenen fünf Jahren sind die Neuwagenpreise um bis zu 44 Prozent gestiegen, wie aus einer ADAC-Berechnung hervorgeht. „Diese Herausforderung wird noch größer, wenn die Leute elektrische Autos kaufen sollen“, erklärte Renault-Chef Luca de Meo gegenüber Welt. „Elektroautos sind teurer als Verbrenner.“ Der französische Autohersteller mit Sitz in Boulogne-Billancourt bei Paris will dennoch früher auf Elektro umstellen, als von der EU-Kommission vorgegeben. „Unsere Idee ist, Renault in acht Jahren voll elektrisch zu machen“, so de Meo.

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Damit wollen die Franzosen im selben Jahr vollelektrisch werden wie Mercedes-Benz, die im Jahr 2030 ausschließlich batteriebetriebene Autos anbieten wollen. Renault war in Bezug auf ein Verbrenner-Ende allerdings lange skeptisch. „Wir waren dagegen, weil der Ausstieg zu schnell kommt und der Ansatz zu eindimensional ist“, machte der CEO deutlich. Inzwischen sei die Debatte aber in eine andere Richtung gegangen. „Jetzt bereiten wir uns in Europa darauf vor.“ Der Rest der Welt gehe jedoch nicht in die gleiche Richtung, weswegen sich Renault auf den Märkten außerhalb Europas nach Alternativen umschaut. Auch Porsche forscht noch immer an einer Alternative zum E-Auto und will mit den E-Fuels den Verbrenner retten.

Renault hat für Märkte außerhalb Europas einen Plan B

Renault bietet mit dem Dacia Spring Luca de Meo zufolge bereits das günstigste E-Auto in Europa an. „Und wir werden den elektrischen Renault 5 und den R4 auf den Markt bringen. Damit kommen wir in Preisregionen, die sich sehr viele Leute leisten können“, sagte er der Welt. Die Marke Dacia soll allerdings nicht so schnell komplett auf Elektro umgestellt werden. „Wir wollen unsere Erfahrungen nutzen, mit Hybriden, Gasantrieb, Brennstoffzellen, vielleicht auch E-Fuels. Selbst Wasserstoff-Verbrennungsmotoren sehen wir uns an“, erläuterte de Meo. Diese Technologien seien außerhalb Europas nicht nur für Dacia bestimmt. „Außerhalb Europas, etwa in Indien oder Brasilien, nutzen wir sie auch für Renault, wir haben einen Plan B.“

Einen solchen Plan B für Automärkte, in denen andere Anforderungen gelten als in Europa, halten sich mehrere große Autohersteller offen. Auch Mercedes-Benz hatte bislang explizit angekündigt, ab 2030 überall da vollelektrisch sein zu wollen, wo es die Marktbedingungen zulassen. „Der europäische Ansatz ist nicht besonders logisch, weil er die CO₂-Emissionen nur vom Tank zum Rad misst“, führt der Renault-Chef aus. Der richtige Weg sei, alles vom Bergbau über die Produktion und die Nutzungsphase bis zum Recycling einzuberechnen. „Das ist eine komplexe Rechnung, aber wenn man eine Methode dafür findet, wird man sehen, dass manche Verbrenner-Technologien noch wettbewerbsfähig sind gegenüber dem E-Auto.“

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