1. bw24
  2. Auto
  3. E-Autos

„Zeitbombe für Autobauer“: Plug-in-Hybriden droht massiver Wertverlust

Erstellt:

Von: Julian Baumann

Kommentare

Ein roter Mercedes-AMG CLA 45 S mit Plug-in-Hybrid-Antrieb fährt auf einer Straße.
Für viele Plug-in-Hybride fällt im kommenden Jahr die Förderung weg. Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer befürchtet einen massiven Wertverlust der Modelle (Symbolbild). © Daimler AG - Global Communications

E-Motor und Verbrenner: Plug-in-Hybride gelten als „das Beste beider Welten“. Ein Autoexperte warnt aber vor einem entscheidenden Nachteil der Modelle.

Stuttgart - Die großen deutschen Autobauer Mercedes-Benz, BMW und VW setzen inzwischen stark auf E-Autos. Aktuell sind aber noch deutlich mehr Verbrenner und Plug-in-Hybride als reine Stromer auf den Straßen unterwegs. Bevor Mercedes-Benz zunächst mit den elektrischen SUV EQA und EQC und dann im großen Stil mit der Luxuslimousine EQS auf E-Autos setzte, konzentrierte sich der Stuttgarter Traditionskonzern stark auf Plug-in-Hybride. Die aktuelle Mercedes-C-Klasse verfügt beispielsweise über einen Elektro- und einen Verbrenner-Motor.

Auf dem Weg zu einer emissionsfreien Mobilität gelten die Plug-in-Hybride als Zwischenlösung zwischen den altgedienten Verbrennermodellen und den E-Autos. „In der Stadt fahren sie rein elektrisch, auf langen Strecken profitieren sie von der Reichweite des Verbrenners“, heißt es beispielsweise bei Mercedes-Benz. Autopapst Ferdinand Dudenhöffer, Direktor des Center Automotive Research (CAR) in Duisburg, warnte gegenüber dem Handelsblatt aber vor einem entscheidenden Nachteil der Plug-in-Hybride.

E-Mobilität: Plug-in-Hybride werden vom Staat gefördert, haben aber deutlichen Nachteil

Der Fokus auf batteriebetriebene Fahrzeuge in der Autoindustrie soll die Produktion klimaneutral machen und somit zum Umweltschutz beitragen. Wer sich aktuell für ein E-Auto oder einen Plug-in-Hybrid entscheidet, erhält vom Staat eine Kaufprämie. Gerade die Plug-in-Hybride, die eben noch immer auch auf Verbrennermotoren setzen, sind aber in Bezug auf den Umweltschutz umstritten. Der von den Herstellern beworbene Effekt durch niedrigen Verbrauch und geringe CO2-Emissionen lässt sich in der Praxis nämlich kaum erreichen. Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer sieht bei den Modellen allerdings noch ein ganz anderes Problem.

Die Produktion von Plug-in-Hybriden könne zu einer „potentiellen Zeitbombe für die Autobauer“ werden, sagte Dudenhöffer dem Handelsblatt. Laut einer Studie des CAR dürften sich die teilelektrischen Modelle spätestens mit Inkrafttreten der umfangreichen Limitierungen bei der Förderung ab 2023 nur noch mit hohen Abschlägen wiederverkaufen lassen. E-Auto-Käufer bekommen für bestimmte Modelle ab 2023 nämlich keine Prämie mehr. Das Geschäft mit Plug-in-Hybriden könne für Mercedes-Benz, BMW und Co. in den kommenden Jahren zu einem erheblichen Risiko werden, warnt der Autoexperte.

CAR-Studie berechnet Wertverlust von 27 Prozent für Plug-in-Hybride in zwei Jahren

Dass Automodelle mit allen Antriebsarten im Laufe der Zeit durch Abnutzung, steigendem Kilometerstand und Co. an Wert verlieren, ist bekannt. Um zu bestimmten, wie sich die Autos mit unterschiedlichen Antriebsarten in diesem Punkt unterscheiden, hat das CAR die 30 meistverkauften Benzin- und Dieselmodelle sowie die jeweils 15 meistverkauften E-Autos und Plug-in-Hybride ausgewählt. Als Untersuchungskriterien wurden ein Leasingvertrag über zwei Jahre und eine Gesamtfahrleistung von 30.000 Kilometern angenommen. Das Ergebnis zeigt, dass reine E-Autos nach 24 Monaten noch einen Wert von 79 Prozent haben, die Plug-in-Hybride verlieren dagegen im gleichen Zeitraum 27 Prozent des Neuwagenverkaufswerts.

Gegenüber dem Handelsblatt betonte Ferdinand Dudenhöffer, dass bei dieser Berechnung noch die die Förderprämie für Plug-in-Hybride einkalkuliert sei, die jedoch bald auslaufe. Ab 2023 will die Bundesregierung nur noch teilelektrische Fahrzeuge fördern, die nachweislich zum Umweltschutz beitragen. Um weiter vom Staat gefördert zu werden, müssen die Modelle demnach eine rein elektrische Reichweite von mindestens 80 Kilometer erreichen, was auf gut die Hälfte der aktuell angebotenen Plug-in-Hybride nicht zutrifft.

Dudenhöffer vermutet, dass das Wachstum der Plug-in-Hybride zugunsten der reinen E-Autos damit spürbar abflacht. „Spätestens wenn die Ampel 2023 die staatliche Förderung für Plug-in-Hybride nahezu einstellt – und damit ist zu rechnen –, werden Plug-ins ein ähnliches Schicksal wie der Diesel erleiden“, sagte er dem Handelsblatt.

Auch interessant

Kommentare