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Mercedes-Strategie nichts für BMW?: „Falsch, sich aus unterem Marktsegment zu verabschieden“

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Von: Julian Baumann

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Elektroautos von BMW stehen in Saint-Tropez (Frankreich) bei einer Segelregatta aus.
BMW will sich wie Rivale Mercedes-Benz auf hochpreisige E-Autos fokussieren, gibt die unteren Marktsegmente im Gegensatz zu den Stuttgartern aber nicht auf. © IMAGO/Sebastian Geisler

Mercedes-Benz dünnt das elektrische Einstiegssegment im Rahmen der Luxusstrategie deutlich aus. Erzrivale BMW hat offenbar andere Vorstellungen.

Stuttgart/München - Im Mai erklärte Mercedes-Benz, fortan noch mehr auf Luxus setzen und drei Modelle streichen zu wollen. Der Fokus des Traditionskonzerns aus Stuttgart soll in Zukunft zum einen im batterieelektrischen- und zum anderen im hochpreisigen Luxussegment liegen. „Der Einstieg in die Marke wird in Zukunft ein anderer sein“, hatte Mercedes-Chef Ola Källenius im Mai erklärt. Konkret sollen die Modelle im Einstiegsbereich, dem Entry-Luxury-Segment, von derzeit sieben auf vier reduziert werden. Kürzlich präsentierte Mercedes-Benz die überarbeitete A- und B-Klasse, die wohl keine neuen elektrischen Pendants bekommen werden.

Auch der Erzrivale BMW aus München will sich stärker auf den Luxusbereich konzentrieren, im Gegensatz zu Mercedes-Benz in Zukunft aber auch weiterhin günstige E-Autos anbieten. „Wir werden das untere Marktsegment nicht verlassen“, sagte BMW-Chef Oliver Zipse bei einer Veranstaltung des Stuttgarter Autozulieferers Bosch in Berlin laut der Nachrichtenagentur Reuters. Die Münchener hatten erst kürzlich den elektrischen Kleinwagen i3 auslaufen lassen, während Mercedes-Benz als Einstiegsmodell in die E-Auto-Marke EQ eine elektrische C-Klasse angekündigt hat.

Mercedes-Benz setzt auf hochpreisige E-Autos - BMW-CEO sieht unteres Marktsegment als Kerngeschäft

Die Ankündigung, dass Mercedes-Benz fortan nur noch Autos ab der gehobenen Mittelklasse produzieren will, stieß bereits auf Kritik. Einige Fans der Marke befürchten, sich in Zukunft keinen „Benz“ mehr leisten zu können. Dem Traditionskonzern gibt der Erfolg allerdings recht. Durch die Luxus-Strategie trotzte Mercedes-Benz auch im dritten Quartal Chipkrise und Lieferproblemen. BMW will künftig zwar ebenfalls vor allem große und hochpreisige E-Auto-Modelle anbieten, die unteren Marktsegmente im Gegensatz zu den Rivalen aus Stuttgart aber weiterhin bedienen. „Auch wenn man sich als Premiumhersteller versteht, ist es falsch, sich aus dem unteren Marktsegment zu verabschieden – das wird in Zukunft der Kern des Geschäfts sein“, sagte Oliver Zipse.

Die Luxusausrichtung von Mercedes-Benz schlägt sich auch deutlich im E-Auto-Portfolio des Traditionskonzerns nieder. Neben den Limousinen EQS und EQE haben die Schwaben auch große SUV-Versionen der Leitmodelle auf den Markt gebracht. Als Einstiegssegment in die EQ-Marke soll die angekündigte elektrische C-Klasse EQC dienen. Bei BMW dient nach dem Aus des ersten elektrischen Serienmodells die elektrische Version des kleinen SUV iX1 als Einstieg, die unteren Segmente sollen vorerst aber hauptsächlich von Tochter MINI bedient werden. Mercedes-Tochter Smart bietet zwar ebenfalls kleine E-Autos an, die Modelle werden offiziell aber nicht zur EQ-Marke gezählt. Zudem hat Smart mit dem Smart #1 den Bereich der Kleinwagen verlassen und setzt auf ein elektrisches SUV.

Mercedes-Benz, VW und BMW: Münchener haben noch keinen genauen Fahrplan für Verbrenner-Ende

Von den drei großen deutschen Autokonzernen, Mercedes-Benz, VW und BMW, wehren sich die Münchener am ehesten gegen einen vollständigen E-Auto-Kurs. Oliver Zipse treibt die Elektro-Offensive zwar ebenfalls voran, setzt neben der Batterieelektrik aber auch auf Wasserstoff. Mercedes-Benz hat angekündigt, ab 2030 nur noch E-Autos verkaufen zu wollen und VW hat das Jahr 2033 für das Verbrenner-Ende bekannt gegeben. BMW wehrt sich bislang gegen einen strikten Fahrplan für den Ausstieg, auch wenn die EU-Entscheidung, ab 2035 nur noch klimafreundliche Neuwagen zu erlauben, die Transformation auch in München beschleunigen dürfte.

Der Fokus auf hochpreisige Modelle in Stuttgart und München zahlt sich bislang aus. Mercedes-Benz und BMW hatten im ersten Quartal aufgrund des Ukraine-Krieges, der Chipkrise und der anhaltenden Corona-Pandemie noch deutlich weniger Autos verkauft. Durch den Hochlauf der E-Auto-Produktion profitieren aber auch die beiden süddeutschen Traditionskonzerne. Die Konkurrenz im Bereich der elektrischen Fahrzeuge wird allerdings immer größer. Weil auch asiatische E-Auto-Start-ups nach Europa drängen, sollten Mercedes-Benz und BMW „beunruhigt sein“, erklärte ein Experte.

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