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Mercedes-Benz setzt Ausrufezeichen und trotzt langen E-Auto-Lieferzeiten

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Von: Julian Baumann

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Die elektrische Luxus-Limousine EQS von Mercedes-Benz bei einer Testfahrt in der Schweiz.
Mit der Luxus-Limousine EQS trotzt Mercedes-Benz den langen E-Auto-Lieferzeiten. Diese sind laut einer Analyse insgesamt erneut deutlich angestiegen. © Mercedes-Benz AG - Global Communication

Laut einer Analyse sind die Lieferzeiten für E-Autos seit Oktober 2021 erneut deutlich angestiegen. Mercedes-Benz trotzt mit dem Flaggschiff EQS den Problemen.

Stuttgart - Die Chipkrise und die Lieferengpässe bereiten der weltweiten Autoindustrie auch im Oktober 2022 weiterhin Probleme. Mercedes-Benz konnte zwar im dritten Quartal deutlich mehr Autos verkaufen, liegt im bisherigen Gesamtjahr aber weiterhin unter den Zahlen von 2021. Porsche hatte vor wenigen Tagen ein leichtes Absatz-Plus verkündet, der Porsche Taycan hatte jedoch ein deutliches Absatz-Minus zu verzeichnen, obwohl der Auftragsbestand ungebrochen groß ist. Grund dafür ist, dass gerade E-Autos von den derzeitigen Lieferproblemen besonders betroffen sind. Laut einer Analyse sind die Lieferzeiten für batterieelektrische Fahrzeuge seit Oktober 2021 nochmals angestiegen.

Der Mangel an Halbleiterkomponenten dauert bereits seit 2020 an und scheint noch lange nicht überstanden zu sein. Laut einer Studie soll die Chipkrise noch bis mindestens 2025 andauern. Im Zuge der Krise konnten weltweit viele Autos und auch große Nutzfahrzeuge nicht fertig produziert werden. Daimler Truck konnte beispielsweise im September 2021 hunderte Fahrzeuge nicht ausliefern. Durch den Ukraine-Krieg und die unterbrochenen Lieferketten hat sich die Lage noch verschärft, wie auch die Analyse des Autovergleichsportals Carwow im Auftrag der Automobilwoche zeigt.

Mercedes-Benz trotzt langen E-Auto-Wartezeiten mit Flaggschiff EQS - VW hat deutlich mehr Probleme

Als Reaktion auf den Chipmangel haben sich die Premiumhersteller auf die Produktion hochpreisiger Modelle konzentriert und fuhren dadurch trotz Chipkrise hohe Gewinne ein. Die Folgen des Ukraine-Krieges dämpfen diese Erfolge allerdings mitunter deutlich und eine Entspannung ist derzeit nur im Luxussegment zu bemerken. Mercedes-Benz hatte im Mai die erweiterte Luxus-Strategie des Konzerns verkündet und trotzt damit weiterhin den Krisen. Durch den Fokus auf hochpreisige Modelle ist das Elektro-Flaggschiff EQS bereits in zwei Monaten lieferbar und auch beim EQC konnte Mercedes die Lieferzeit von neun Monaten im Oktober 2021 auf fünf Monate senken.

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Mercedes-Benz kann mit der kurzen Lieferzeit für seine Elektro-Luxus-Limousine laut Carwow ein richtiges Ausrufezeichen setzen, die anderen deutschen Autokonzerne haben deutlich größere Schwierigkeiten. Der Automobilwoche zufolge zeigt die Analyse, dass Kunden für Modelle der ID-Familie von VW aktuell rund ein Jahr lang warten müssen. Für den erst in diesem Jahr auf den Markt gekommenen ID Buzz beträgt die Wartezeit sogar 17 Monate. Zudem sitze der Wolfsburger Autokonzern derzeit auf 1,8 Millionen offenen Bestellungen allein in Westeuropa.

VW-Tochter Audi hat für die e-Tron-Familie sogar einen Bestellstopp verhängt. „Aufgrund der äußerst guten Nachfrage ist das Produktionsvolumen für den Audi e-tron für das Jahr 2022 ausgeschöpft“, teilten die Ingolstädter auf Anfrage der Automobilwoche mit. „Mit der anstehenden Produktaufwertung des Audi e-tron im vierten Quartal wird das Angebot wieder voll verfügbar sein.“ Der Fokus auf die teureren Varianten zahlt sich aber auch bei Audi aus, die Wartezeiten für die e-tron GT und RS e-tron GT konnten deutlich verkürzt werden.

Tesla, Ford und Co.: Auch US-Unternehmen und asiatische Hersteller mit Auslieferungsverzögerung

Der US-Autobauer Tesla blieb lange Zeit von den Auswirkungen der Chipkrise weitgehend verschont, inzwischen beklagen aber auch deutsche Tesla-Kunden eine Auslieferungsverzögerung bis 2023. Laut der Analyse haben sich die Wartezeiten für E-Auto-Modelle des Branchenprimus seit Oktober 2021 ebenfalls deutlich verlängert. Das Model Y Baujahr 2021 war vor einem Jahr innerhalb von zwei Monaten lieferbar, nun beträgt die Wartezeit rund 5 Monate. Auf die Modelle Model X und Model S mussten Kunden im vergangenen Jahr bereits rund ein Jahr warten, inzwischen gilt für beide laut Carwow sogar ein Bestellstopp.

Neben Tesla spürt offenbar auch Ford die Auswirkungen des Krieges in Osteuropa. Demnach ist der Mustang Mach-E Baujahr 2020 aktuell ebenfalls nicht erhältlich. Auffällig ist laut der Automobilwoche zudem, dass inzwischen auch die chinesischen Hersteller, die derzeit verstärkt mit E-Auto-Modellen auf den europäischen Markt drängen, mit Problemen zu kämpfen haben. Im Vergleich zur Situation im Oktober 2021 müssen Kunden auf den Ioniq von Hyundai oder den Polestar 2 doppelt so lange warten.

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