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Autozulieferer Mahle stellt ausdauernden E-Motor mit Spitzenleistung vor

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Von: Julian Baumann

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Das Logo des Autozulieferers Mahle ist an der Zentrale des Unternehmens zu sehen, im Vordergrund steht eine Skulptur, die eine Kurbelwelle und Kolben eines Motors darstellt.
Autozulieferer Mahle will sich aus der Krise befreien und zum Vollsortimentsanbieter für die E-Mobilität werden. © Marijan Murat/dpa

Mahle ist nach eigenen Angaben bereit für ein Verbrenner-Verbot. Der Autozulieferer aus Stuttgart stellte einen besonders ausdauernden Motor für E-Autos vor.

Stuttgart - Vom EU-Entscheid über die Zukunft der Verbrenner sind nicht alle Unternehmen der Wirtschaft in Baden-Württemberg überzeugt. Der Zulieferer Mahle, der bislang vorrangig Komponenten für Verbrennungsmotoren produzierte, fühlt sich laut einer Pressemitteilung auf den Ernstfall aber gut vorbereitet. Das Unternehmen mit Sitz in Stuttgart will sich vom Zulieferer von Verbrenner-Komponenten zum Vollsortimentsanbieter im Bereich der elektrischen Antriebe wandeln. Deshalb hat Mahle einen nach eigenen Angaben einzigartigen E-Traktionsmotor entwickelt, der sowohl in Autos und Nutzfahrzeugen, als auch in Baumaschinen und Traktoren zum Einsatz kommen soll.

Der Wandel zur E-Mobilität ist in der starken Autoindustrie im Südwesten deutlich bemerkbar. In Bezug auf ein endgültiges Verbrenner-Aus, wie es vom EU-Parlament weiterhin gefordert wird, gehen die Meinungen allerdings auseinander. Autokonzern Mercedes-Benz begrüßte die Entscheidung und will ohnehin ab 2030 nur noch E-Autos bauen. Bosch-Chef Stefan Hartung sprach sich dagegen für eine Ausnahmeregel zugunsten von synthetischen Kraftstoffen aus, da es Verbrenner weltweit ohnehin weiter geben werde. Mahle will laut der Pressemitteilung mit dem ausdauernden E-Motor für alle Fahrzeugklassen den Weg für eine Ablösung des Verbrennungsmotors frei machen.

Mahle: Autozulieferer stellt E-Motor vor, der mit hoher Leistung unbegrenzt arbeiten kann

Mahle befindet sich seit einiger Zeit in einer Krise, die Wandlung zur E-Mobilität stellt aber nur eines der Probleme dar. Auch im laufenden Jahr schreibt Mahle rote Zahlen und hofft deshalb auf die Hilfe der Autohersteller. „Der Krieg in der Ukraine und die verstärkten Lieferkettenprobleme sowie ein massiver Kostendruck werden 2022 große Belastungen für unser Geschäft bringen, die sich aktuell noch nicht abschätzen lassen“, sagte Finanzchef Michael Frick Ende März. Da das Stuttgarter Unternehmen seit jeher Komponenten wie Kolben, Zylinder und Ventilsteuerungen produzierte, machte Mahle auch die Umstellung auf die E-Mobilität zu schaffen.

Der „SCT E-Motor“ des Autozulieferers Mahle.
Der „SCT E-Motor“ soll laut Mahle den Weg für die Ablösung des Verbrennungsmotors für alle Fahrzeugklassen freimachen. © Mahle

Seit einiger Zeit betätigt sich Mahle aber auch im Geschäftsfeld für Elektroantriebe und entwickelte nun einen elektrischen Motor, der nach Angaben des Unternehmens ein großes Problem der E-Mobilität lösen soll. „Große E-Motoren zu bauen, die kurzfristig hohe Leistungen erbringen, ist einfach“, sagte Martin Berger, Leiter Konzernforschung und -vorausentwicklung bei Mahle. „Was am Markt bisher noch fehlte, um E-Fahrzeuge uneingeschränkt alltagstauglich zu machen, waren ausdauernde und gleichzeitig kompakte Antriebe.” Der sogenannte „SCT E-Motor“ kann nach Unternehmensangaben unbegrenzt lange mit hoher Leistung arbeiten und ist zudem klein, leicht und effizient.

E-Motor von Mahle erreicht bei Messung Spitzenleistung von 90 Prozent

Der „SCT E-Motor“ von Mahle ist so konzipiert, dass er laut Messungen trotz leichter und kompakter Bauweise eine Spitzenleistung von 90 Prozent erreicht. Ursprünglich sei der E-Motor darauf ausgelegt gewesen, 80 Prozent zu erreichen. „Darauf sind wir besonders stolz“, sagte Harald Straky, globaler Entwicklungsleiter Geschäftsbereich Mechatronik und Elektronik bei Mahle. Als Beispiel für den Einsatz des E-Motors gibt das Unternehmen die Fahrt eines elektrischen Lkw über Gebirgspässe oder wiederholte Sprints von E-Autos an. Lkw-Hersteller Daimler Truck erprobt derzeit beispielsweise einen E-Lkw mit 500 Kilometern Reichweite.

Die hohe Spitzenleistung des E-Motors von Mahle wird durch die integrierte Ölkühlung erreicht, die die Nutzung der entstehenden Abwärme im System des Fahrzeugs ermöglicht. Bei der Auslegung des Produktes hat sich der Autozulieferer für einen permanenterregten Motor entschieden, da diese Bauweise kompakte Konstruktionen ermöglicht. Zur Erzeugung des Magnetfelds im Motor kommen Neodym-Magnete zum Einsatz.

Angesichts der derzeitigen Rohstoffknappheit soll der SCT E-Motor aber auch ohne Magneten auskommen können und ist laut Mahle genauso effizient, nimmt allerdings eine geringfügig längere Bauzeit in Anspruch. „Motorseitig ist damit der Weg frei für die Ablösung des Verbrennungsmotors in allen Fahrzeugklassen“, heißt es in der Mitteilung. Vorgestellt werden soll der E-Motor bei der Automesse IAA in Hannover im September. Nach Unstimmigkeiten in Bezug auf die Unternehmensstrategie hatte der bisherige Mahle-CEO Matthias Arleth den Autozulieferer nach nur vier Monaten im Amt wieder verlassen.

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