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Erste Reederei verbietet E-Autos an Bord ihrer Schiffe

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Von: Julian Baumann

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Im vergangenen Jahr ging ein Autofrachter mit Luxusautos an Bord nach einem Feuer an Deck unter. Nun hat die erste Reederei reagiert und E-Autos an Bord verboten.

Stuttgart/Fosnavåg - Deutsche Automodelle von Mercedes-Benz, BMW oder VW werden nicht nur weltweit produziert, sondern auch in nahezu alle Länder der Erde expandiert. Bei einer Lieferung über den Ozean kommen große Autofrachter zum Einsatz, die tausende Fahrzeuge gleichzeitig befördern können. Im vergangenen Jahr machte ein Vorfall mit einem großen Frachter weltweit Schlagzeilen. Das Frachtschiff „Felicity Ace“ trieb mit sündhaft teuren Luxusautos brennend auf dem Atlantik. An Bord waren laut übereinstimmenden Meldungen rund 4.000 Fahrzeuge des VW-Konzerns – darunter auch von Porsche, Bentley und Audi. Die Mannschaft des Frachters konnte frühzeitig vom brennenden Schiff gerettet werden.

Nachdem die „Felicity Ace“ am 16. Februar 2022 brennend auf dem Atlantik entdeckt wurde, war die Ursache für das Feuer an Bord zunächst Gegenstand von Spekulationen. Wenig später hieß es dann, E-Autos könnten Schuld am Brand des Frachters gewesen sein. Laut einem Bericht des Schiffsnachrichtendienstes Trade Winds hat nun eine erste europäische Reederei aus Sicherheitsgründen E-Autos an Bord ihrer Schiffe verboten. Für ein besonderes Ausrufezeichen sorgt der Umstand, dass es sich bei der Reederei um ein norwegisches Unternehmen handelt. Das skandinavische Land gilt in Europa als Vorzeigeland der E-Mobilität.

E-Auto-Verbot: Erste europäische Reederei zieht nach Brand auf „Felicity Ace“ Konsequenzen

Der Brand und anschließende Untergang der „Felicity Ace“ sorgte im vergangenen Jahr auch deshalb für Schlagzeilen, weil sich sowohl ein Rettungsversuch als auch ein Bergungsversuch sehr schwierig gestalteten. Auf dem brennenden Frachter sorgten E-Autos beim Löschen für Probleme. Eben deshalb entschied sich offenbar auch die Reederei Havila im norwegischen Fosnavåg zum Schritt, elektrische Fahrzeuge an Bord nicht mehr zu erlauben. „Der Brand von Elektro-, Hybrid- oder Wasserstoffautos erfordert spezielle Maßnahmen und gefährdet die Mitarbeiter und das Schiff“, sagte Reederei-Chef Bent Martini. Deshalb seien an Bord der Schiffe von Havila nur noch Autos mit konventionellen Antrieben erlaubt, die im Brandfall besser zu löschen seien.

Auf diesem von der portugiesischen Marine zur Verfügung gestellten Bild ist ein brennender Frachter auf dem Atlantik südlich der Azoren zu sehen.
Im vergangenen Jahr fing das Frachtschiff „Felicity Ace“ mit tausenden Luxusautos an Bord Feuer und versank. Nun zieht die erste Reederei Konsequenzen. © Marinha Portugal/dpa

Immer wieder werden verheerende Brände auf die angeblich höhere Entflammbarkeit von E-Autos zurückgeführt. So beispielsweise auch beim Brand eines Busdepots in Stuttgart im Jahr 2021. Durch die chemischen Reaktionen ist ein brennender Stromer zwar eine große Herausforderung für die Feuerwehr, Verbrenner und Hybride brennen laut einer Studie aber öfter als reine E-Autos. „Ich kann mir gut vorstellen, dass ein solcher Vorfall versicherungstechnische Probleme mit sich bringt“, sagte Johannes Zeller vom Hafen Stuttgart in Bezug auf den Brand auf der „Felicity Ace“ gegenüber BW24. „Ich glaube aber nicht, dass ein einzelner Vorfall die weltweite E-Auto-Produktion beeinträchtigen wird.“

Reederei will kein Risiko eingehen – Hafen Stuttgart sieht in Frachterbrand keinen Präzedenzfall

Die norwegische Reederei Havila verzichtet nach eigenen Angaben aus reiner Vorsicht vorübergehend auf den Transport von elektrischen Autos. „Wir nehmen Sicherheit sehr ernst und das ist natürlich ein Risiko, das wir auf keinen Fall eingehen wollen“, sagte Chef Bent Martini. Ob man Brände auf Frachtschiffen kategorisch ausschließen kann, indem man bestimmte Ware schlichtweg nicht mehr befördert, ist aber eine andere Frage. „Ich bin erstaunt über eine solche Meldung“, so Johannes Zeller gegenüber unserer Redaktion. „Brennen kann so gut wie alles, bei uns brennen manchmal auch Schrottplätze.“

Die Hafen Stuttgart GmbH ist am Neckarhafen der Landeshauptstadt Stuttgart für die Koordination der Abläufe zuständig und befördert nicht selbst Waren per Schiff. Dennoch glaubt Zeller nicht, dass ein einzelner Vorfall – wie der Brand und der anschließende Untergang der „Filicity Ace“ – die Art und Weise, wie Fracht auf dem Seeweg transportiert wird, grundlegend verändern wird. Trade Winds zufolge haben Versicherungsgesellschaften den Eigentümern von speziellen Frachtschiffen aber empfohlen, mehr Geld zu investieren, um solche Vorfälle in Zukunft zu vermeiden.

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