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Feuerwehr wird mit einzigartigem Schulungsangebot auf Kampf gegen brennende E-Autos vorbereitet

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Von: Julian Baumann

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Ein mit Atemschutzgerät ausgerüsteter Feuerwehrmann vor einem Versuchsobjekt des Unternehmens „Q4Flo“.
Das Unternehmen „Q4Flo“ aus Maulbronn schult Feuerwehren in ganz Deutschland im Umgang mit brennenden E-Autos. © Q4Flo

E-Auto-Brände stellen die Feuerwehr vor völlig neue Herausforderungen. Das Unternehmen „Q4Flo“ aus Maulbronn bereitet die Einsatzkräfte darauf vor - mit einem einzigartigen Schulungsangebot.

Maulbronn - Auf den deutschen Straßen sind immer mehr E-Autos von Herstellern wie Mercedes-Benz oder Tesla unterwegs. Dadurch steigt auch die Anzahl an Unfällen mit batteriebetriebenen Modellen an. Hybride und Verbrenner fangen laut einer Studie zwar häufiger Feuer als E-Autos, E-Auto-Brände stellen die Feuerwehren in Baden-Württemberg aber vor völlig neue Herausforderungen. Die bisherigen Lehrgänge und Schulungen der Feuerwehren müssen demnach an die neuen Begebenheiten angepasst werden. Das Unternehmen „Q4Flo“ aus Maulbronn (Enzkreis) hat ein einzigartiges Schulungsangebot erstellt, um Feuerwehrmitglieder und Führungskräfte umfassend vorzubereiten.

Im Gespräch mit BW24 erklärt Daniel Rothmaier, Gesellschafter bei „Q4Flo“ und diplomierter Maschinenbauingenieur die Entstehung des Schulungsangebotes, die Herausforderungen für die Feuerwehren und die Gefahren, die vor allem von den chemischen Substanzen in den E-Auto-Batterien herrühren. „Ganz wichtig ist es zu verstehen, dass die Gefahr von der chemischen Batterie ausgeht“, sagt Rothmaier. „Das vergessen viele.“

E-Auto-Brände: Umgang mit Lithium-Ionen-Batterie von besonderer Bedeutung

Mit dem immer stärker werdenden Fokus auf die E-Mobilität in der Autoindustrie nehmen auch die Fälle an E-Auto-Bränden weiter zu. Ein besonders fatales Beispiel ereignete sich am 30. September vergangenen Jahres in Stuttgart. Ein E-Bus verursachte einen Großbrand in einem Stuttgarter Busdepot. Über 200 Feuerwehrleute der Landeshauptstadt waren im Einsatz, um den Brand unter Kontrolle zu bringen. Mit dem zunehmenden Anteil an batteriebetriebenen Fahrzeugen im Straßenverkehr ist der Umgang mit den Lithium-Ionen-Batterien im Brandfall von besonderer Bedeutung. Dieser Aufgabe hat sich das Unternehmen „Q4Flo“ verschrieben.

„Zu der Idee ist es gekommen, weil wir in unserem täglichen Beruf auch Weiterbildungen zum Thema Batterietechnik hatten“, erzählt Daniel Rothmaier, der neben Christian Kern der Gesellschafter von „Q4Flo“ ist, gegenüber BW24. „Da haben wir uns überlegt, wen es neben uns noch betreffen könnte und dass man mit dem Wissen den Feuerwehren helfen könnte.“ Gerade der Umgang mit der Elektrotechnik und der Elektrochemie ist für viele Mitglieder der Feuerwehren noch Neuland. „Da tut sich jeder schwer“, weiß Rothmaier, der auch selbst in der Entwicklung von automotiven Batteriesystemen aktiv ist.

„Q4Flo“ bietet Schulungen und Praxisseminare für Feuerwehren und Führungskräfte

Der Name „Q4Flo“ des Unternehmens aus dem Nordschwarzwald steht laut der offiziellen Seite für „Qualifizierung für den Florian“. St. Florian ist der Schutzpatron der Feuerwehr. Gerade in kleineren Gemeinden gibt es oftmals nur eine geringe Anzahl an hauptberuflichen Einsatzkräften. Demnach kommt die Freiwillige Feuerwehr zum Einsatz, deren Mitglieder hauptberuflich völlig unterschiedlichen Tätigkeiten nachgehen. „Deshalb bieten wir ein einzigartiges praxisorientiertes Programm an, um alle abzuholen“, sagt Daniel Rothmaier. „Wir bieten die Webseminare Teil 1 und 2 für Führungskräfte an, bei denen feuerwehrspezifisch die Gefahren und Herausforderungen bei einem E-Auto-Brand erklärt werden.“

Diese feuerwehrspezifischen und praxisorientierten Webseminare hat das Unternehmen bereits für Einsatzkräfte aus über 50 Landkreisen im Bundesgebiet durchgeführt. „Zudem bieten wir ein Praxisseminar an, dass wir am 8. März erstmals bei der Feuerwehr Oberriexingen (Landkreis Ludwigsburg) gemacht haben“, sagt Daniel Rothmaier im Gespräch mit BW24. „Am 1. April starten wir weitere Schulungen im Kreis Ludwigsburg und wollen etwa fünf bis zehn Termine anbieten.“ Bei diesen Übungen vor Ort können die Feuerwehren den Umgang mit einem brennenden E-Auto an einem Versuchsobjekt lernen.

„Als Versuchsmodell verwenden wir immer dasselbe Automodell, einen Skoda Fabia mit Verbrenner-Motor“, so Rothmaier. Dieses Auto wird „mit allen Komponenten eines E-Autos ausgestattet - beispielsweise mit einer Dummy-Batterie.“ Insgesamt können bei diesen Praxisseminaren von „Q4Flo“ 12 verschiedene Szenarien durchgespielt werden. „Da wird es sehr laut und es wird riechen“, erklärt der Gesellschafter. Demnach werden bei der Übung alle Sinne angesprochen, die auch bei einem wirklichen Autobrand angesprochen werden. „Ziel der Schulungen ist es, das Verständnis für die Gefahrenlage zu schärfen.“

E-Auto-Brände sind für Einsatzkräfte nicht gefährlicher - „es stellen sich nur andere Gefahren“

In jüngerer Vergangenheit zeigten mehrere Vorfälle mit brennenden E-Autos, dass ein solcher Einsatz oftmals mit einem hohen Aufwand für die Einsatzkräfte verbunden ist. Durch die Entzündung der E-Auto-Batterie entstehen lang anhaltende chemische Reaktionen, denen weder mit Wasser noch mit Löschschaum beizukommen ist. „Der Aufwand ist für die Feuerwehren bei einem E-Auto-Brand deutlich höher“, sagt Daniel Rothmaier. „Ein Einsatz geht oftmals über mehrere Stunden und es werden tausende Liter Wasser benötigt, um die thermische Ausbreitung zu verhindern.“

In manchen Fällen ist die letzte Möglichkeit ein brennendes E-Auto zu löschen, das Fahrzeug in einem speziellen Container vollständig mit Wasser zu fluten und die chemischen Substanzen so zu determinieren. Das ist aber nicht in jedem Fall notwendig. „Grundsätzlich wenden wir bei Bränden von Elektrofahrzeugen unsere normalen Einsatztaktiken und Löschmittel an“, sagt ein Sprecher der Feuerwehr Stuttgart auf Anfrage von BW24. „Hierbei ist eine erhöhte Wiederentzündungsgefahr zu beachten und wir benötigen teilweise mehr Wasser wie bei einem ‚normalen‘ PKW-Brand.“ Grundsätzlich sei ein Einsatz bei einem E-Auto-Brand für die Mitglieder der Feuerwehren aber nicht gefährlicher, erklärt Daniel Rothmaier. „Es stellen sich nur andere Gefahren.“

Mit dem einzigartigen Schulungsangebot will das Unternehmen „Q4Flo“ die Feuerwehren für diese neuen Gefahren sensibilisieren, den Umgang mit chemischen Substanzen schulen und den Einsatzkräften die Vorbehalte und Ängste nehmen, die oftmals in Verbindung mit verunfallten E-Autos kursieren. „Wenn man richtig vorbereitet ist, ist die Gefahr bei einem solchen Einsatz nicht höher“, sagt Daniel Rothmaier. Die Feuerwehr Stuttgart hat den Umgang mit E-Autos im Brandfall bereits in die Ausbildung aufgenommen.

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