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Ulmer Forscher bauen extremes Lasten-E-Bike - Netz spottet

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Von: Julian Baumann

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Der Ulmer Ingenieur Suvrath Pai bei einer Testfahrt mit einem der Demonstratoren.
Die Ulmer Forscher sehen für ihr elektrisches Lastenkraftrad vielfältige Einsatzmöglichkeiten. Die Nutzer im Netz sind weniger überzeugt. © Elvira Eberhardt/Universität Ulm

Forscher der Universität Ulm haben das nach eigenen Angaben erste elektrische Lastenkraftrad mit Schnellladesystem entwickelt. Das Netz hält davon nicht gerade viel.

Ulm - E-Autos sind bei weitem nicht die einzigen Fortbewegungsmittel, die sich zunehmend gegen die altgedienten Antriebsarten durchsetzen. Daimler Truck stellte im vergangenen Monat einen ersten E-Lkw für den Fernverkehr vor und auch elektrisch betriebene Fahrräder erfreuen sich immer größerer Beliebtheit, werden aber auch deutlich kritisiert. Forscher der Universität Ulm haben nach einer Entwicklungszeit von rund vier Jahren eine Art Hybrid zwischen Fahrrad und Nutzfahrzeug vorgestellt. Das elektrisch betriebene Lastenkraftrad ist laut einer Mitteilung das „weltweit erste“ mit einer Schnellladefunktion und Rekuperation.

Lastenkrafträder, also Fahrräder, die zum Transport von Lasten oder Personen dienen, sollen gerade in Großstädten bei kürzeren Einkaufsfahrten das Auto ersetzen. Die Grünen machten die Lastenräder im vergangenen Jahr zum Wahlkampfthema, aber ausgerechnet im damals noch grün-regierten Stuttgart hatten es die Fahrzeuge schwer. Die Forscher der Universität im schwäbischen Ulm sehen für ihr elektrisches Lastenrad weitreichende Einsatzmöglichkeiten, die Nutzer im Netz sind davon allerdings wenig überzeugt.

Lasten-E-Bike von Ulmer Forschern soll an herkömmlichen Ladesäulen geladen werden können

Um schwere Lasten oder auch mehrere Personen transportieren zu können, reicht Muskelkraft in vielen Fällen nicht aus. Die gängigen Lastenkrafträder werden deshalb mit einem Motor ausgestattet, der inzwischen immer öfter elektrisch betrieben wird. Das vom Institut für Mess-, Regel- und Mikrotechnik der Uni Ulm in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR-FK) entwickelte Lasten-E-Bike soll laut der Mitteilung eine Geschwindigkeit von bis zu 45 Kilometern pro Stunde erreichen und eine Last von rund 100 Kilogramm transportieren können. Die Last wird dabei zwischen Fahrer und Hinterrad platziert.

Was das elektrische Lastenrad der Forscher der Uni Ulm weltweit einzigartig machen soll, sind das Schnellladesystem und die Rekuperation, die man bereits von gängigen E-Auto-Modellen kennt. „Ein hochwertiges Batteriesystem mit aktivem Heiz- und Kühlsystem macht es möglich, die Batterie an einer herkömmlichen öffentlichen AC-Ladesäule innerhalb von 30 Minuten auf bis zu 80 Prozent aufzuladen“, sagte Bastian Mayer vom DLR-FK. „Das spart viel Zeit.“ Zudem ist das Lastenkraftrad mit ein Allradantrieb ausgerüstet, was sowohl die Fahrsicherheit als auch die Energieeffizienz verbessern soll.

Das Team der Uni Ulm sieht für ihr elektrisches Lastenkraftrad vielfältige Einsatzmöglichkeiten. „Emissionsfreie Kurierfahrten durch die engen Straßen einer Altstadt, umweltfreundlicher Abtransport von Grünschnitt im Stadtpark oder die platzsparende Anlieferung von gekühlten Lebensmitteln zum Marktplatz – all das könnte bald möglich sein mit dem neuen elektrischen Lastenkraftrad“, erklärte Michael Buchholz, Forschungsgruppenleiter am Institut für Mess-, Regel- und Mikrotechnik der Universität Ulm. Im Netz sind die Nutzer von dem elektrischen Transportgefährt allerdings weniger überzeugt.

User im Netz spotten über Lasten-E-Bike: „Verschwenden unsere Zeit für blödsinnige Fahrradprojekte“

Auf Facebook fragen sich einige User beispielsweise, welche Neuerungen das elektrische Lastenrad bringen soll. „Jetzt noch ein Dach darüber und eventuell ein zwei Räder mehr für Stabilität und häufigere Einsatzoptionen, ach halt Stopp, das gibt’s ja schon und nennt sich Auto!“, schreibt einer ironisch. „Elon (Musk, Anm.d.Red.) schießt selbst landende Raketen ins All und wir verschwenden unsere Zeit für blödsinnige Fahrradprojekte, die niemanden außerhalb der städtischen Bubble interessieren“, kritisiert ein weiterer. Zudem bemängeln einige Nutzer auch die Tragelast des elektrischen Lastenkraftrades, da gerade in der Industrie Lieferungen oftmals deutlich schwerer sind als 100 Kilogramm.

„Bitte im Winter im Stadtverkehr ausprobieren und Praxistauglichkeit bei der Lieferung von Alltagswaren erproben“, fordert ein Nutzer. „Alltagstauglichkeit beweisen, nicht große Worte erzählen!“ Ein weiterer User kritisiert ebenfalls die Traglast und die vergleichsweise lange Entwicklungszeit. „So ein Ding baut mein Nachbar, der Kai-Uwe, zwischen zwei Bier an einen Samstagnachmittag in seiner Garage auch zusammen.“ Laut der Mitteilung der Uni Ulm zeigte sich das baden-württembergische Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Tourismus von dem elektrischen Lastenfahrrad aber überzeugt und hat das Projekt mit rund einer Million Euro gefördert.

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