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„Deutlich höhere Belastung des Stromnetzes“: E-Auto-Projekt bringt wichtige Erkenntnisse

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Von: Julian Baumann

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E-Autos (Tesla Model 3 und BMW i3) von Netze BW stehen in einer Straße in Wangen im Allgäu.
Ein Feldversuch in Wangen im Allgäu zeigte, dass ein cleveres Lademanagement von E-Autos die Gefahr eines Netzkollaps deutlich reduzieren kann. © Netze BW

Netze BW hat in Wangen im Allgäu einen Feldversuch mit E-Autos durchgeführt. Die Ergebnisse zeigen wichtige Erkenntnisse für die Stromnetze in Deutschland.

Wangen im Allgäu - Im Rahmen eines Projektes wollte die Netze BW GmbH, eine Tochter-Gesellschaft des Energieversorgers EnBW, herausfinden, wie sich der Hochlauf der E-Mobilität auf das Stromnetz auswirkt. Für den Zeitraum von sechs Monaten verwendeten acht Haushalte der schwäbischen Stadt Wangen im Allgäu (Kreis Ravensburg) für jegliche Fahrten ein E-Auto, das ihnen von Netze BW zur Verfügung gestellt wurde: einen VW E-Golf, einen BMW i3 oder ein Tesla Model 3.

Der Hochlauf der E-Mobilität ist in vollem Gange. Große Hersteller wie Mercedes-Benz und VW setzen immer mehr auf E-Autos und auch US-Unternehmen Tesla produziert seit Ende März in Deutschland. Der Vorteil batteriebetriebener Fahrzeugen ist, dass Strom im Gegensatz zu Benzin oder Diesel theoretisch unendlich herstellbar ist. Mit mehr E-Autos auf den Straßen steigt aber auch der Strombedarf. Das Projekt in Wangen zeigte, dass der Hochlauf der E-Mobilität große Herausforderungen mit sich bringt.

E-Auto-Versuch zeigt erhöhte Belastung des Stromnetzes - Lademanagement soll gegensteuern

Im Rahmen von „NETZlabor Intelligentes Heimladen“ führte Netze BW in mehreren Städten im Südwesten ähnliche Projekte mit E-Autos durch. Wangen im Allgäu hat sich für den Feldversuch aber besonders angeboten. „Das spezifische Merkmal in Wangen: Ein Stromkreis im ländlichen Raum mit einer Kombination aus installierten Wärmestrom- und Einspeiseanlagen“, heißt es in einer Pressemitteilung der Netze BW. Bei dem Versuch waren laut Projektleiter Sven Zahorka zwei Fragen von besonderer Bedeutung:

Um Erkenntnisse über diese Fragen zu erlangen, setzten die Netze BW in Wangen im Allgäu intelligente Messsysteme, sogenannte digitale Stromzähler ein, die mit zusätzlichen Steuerboxen versehen wurden. Dadurch konnte aufgezeigt werden, wie eine größere Anzahl an E-Autos in ein bestehendes Netz integriert werden kann.

Laut den nun veröffentlichten Ergebnissen des Projektes bezogen alle ausgegebenen E-Autos über den Zeitraum von sechs Monaten insgesamt 2.600 Stunden lang Strom. Im Durchschnitt habe die Ladezeit etwa drei Stunden betragen und bis zu vier E-Autos hätten gleichzeitig geladen. „Wir haben vor allem in den Abendstunden und unter der Woche eine deutlich höhere Belastung des Stromnetzes festgestellt“, erklärte Sven Zahorka. „Durch intelligentes Lademanagement konnte die Netzbelastung jedoch erheblich reduziert werden.“ Dadurch sei der Ladevorgang zwar etwa 30 Minuten länger, die E-Autos am Morgen aber mit vollem Akku einsatzbereit gewesen.

Feldversuch bringt Erkenntnisse - Ladenetz sollte dennoch weiter ausgebaut werden

Eben weil die E-Autos in dem Feldversuch in Wangen über Nacht geladen wurden, waren die um 30 Minuten längeren Ladezeiten für die Teilnehmer kein Hindernis. Zu einem ähnlichen Ergebnis kam auch ein Versuch der Netze BW in Tamm (Kreis Ludwigsburg) im vergangenen Jahr. „Für Netzbetreiber bedeutet das: Ein intelligentes Lademanagement ermöglicht es, mehr Ladeinfrastruktur für E-Fahrzeuge in ihre bestehenden Stromnetze schneller integrieren zu können“, heißt es in der Mitteilung.

Nichtsdestotrotz müsse das Ladenetz für E-Autos weiter ausgebaut werden. Dafür schaffe der Einsatz der in Wangen getesteten steuerbaren Ladetechnik den Unternehmen wertvolle Zeit. Ein Experte ist allerdings der Meinung, in Deutschland gebe es bereits genug E-Auto-Ladesäulen. Wie viel Strom ein E-Auto verbraucht, hängt neben der Kapazität des jeweiligen Modells auch vom Fahrverhalten ab. Die acht Haushalte in Wangen legten mit ihrem VW E-Golf, BMW i3 oder Tesla Model 3 pro Monat durchschnittlich 1.415 Kilometer zurück. Laut der Mitteilung überlegen viele der Teilnehmer nun, sich als nächstes Modell ein E-Auto zuzulegen.

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