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Produktionsengpässe bremsen E-Auto-Boom - „könnte mehr als doppelt so viel sein“

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Von: Julian Baumann

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Mitarbeiter stehen während einer Showproduktion zur Eröffnung der Produktion des Porsche Taycan, dem ersten rein elektrischen Modell des Sportwagenherstellers, in der Endkontrolle.
Chipkrise und Ukraine-Krieg bremsen den E-Auto-Boom aus. Auch auf den Porsche Taycan müssen Kunden derzeit mehrere Monate warten. © Sebastian Gollnow/dpa

Die Lieferprobleme und Produktionsengpässe haben das Wachstum der E-Auto-Zulassungen im ersten Halbjahr 2022 deutlich verlangsamt, wie eine Analyse ergab.

Stuttgart/Frankfurt - Weltweit setzen sich E-Autos immer deutlicher gegen Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor durch. Der Zuwachs an reinen Stromern wurde durch die zahlreichen Probleme in der Autoindustrie laut der Strategieberatung PricewaterhouseCoopers (PwC) im zweiten Quartal 2022 allerdings deutlich ausgebremst. Mit dem EU-Entscheid, dass ab 2035 nur noch klimafreundliche Neuwagen verkauft werden dürfen, sollte die Transformation zur E-Mobilität eigentlich noch schneller voranschreiten. Autokonzern Mercedes-Benz will ab 2030 beispielsweise nur noch E-Autos bauen und VW erwartet bereits in diesem Jahr, Platzhirsch Tesla bei den Verkäufen überholen zu können.

Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum ist der Anteil an neu zugelassenen E-Autos weltweit zwar auch im zweiten Quartal 2022 deutlich angestiegen, im ersten Quartal lag die Steigerung allerdings deutlich höher, berichtet die Automobilwoche in Bezug auf die Analyse von PwC. Mercedes-Benz hatte bereits im vergangenen Jahr mehr E-Autos verkauft, als jemals zuvor und das Model 3 von Tesla führt weltweit die Zulassungsstatistiken an. Die aktuellen Lieferprobleme und unterbrochenen Lieferketten durch den Ukraine-Krieg sowie die Corona-Lockdowns in China haben beim Absatz der E-Autos aber deutlich ihre Spuren hinterlassen.

Deutsche Autohersteller besonders von Lieferengpässen betroffen

Obwohl die Wirtschaft aktuell von einer Krise in die nächste schlittert, konnten einige große Hersteller diesem Trend trotzen. Mercedes-Benz setzt beispielsweise auf den Verkauf hochpreisiger Modelle und ist damit sehr erfolgreich und auch Audi legte kürzlich durchaus gute Quartalszahlen vor. E-Autos deutscher Hersteller spielten im ersten Halbjahr laut der Auswertung von PwC in Deutschland, Frankreich, Italien und Spanien aber nur eine untergeordnete Rolle. Mit dem VW ID.4 landete das einzige deutsche Fabrikat in den vier wichtigsten europäischen Automärkten nur auf dem achten Platz. Angeführt wird die Liste laut der Automobilwoche vom Fiat 500 electric und dem Tesla Model 3.

Dass deutsche Fabrikate auf den Weltmärkten eine untergeordnete Rolle spielen, hat - neben dem Umstand, dass beispielsweise Mercedes-Benz und BMW inzwischen deutlich auf Qualität statt auf Masse setzen - den Grund, dass der deutsche Markt besonders von den Lieferengpässen betroffen war. „Deutsche Automobilhersteller und somit ihre Kunden waren besonders stark von Lieferengpässen als wirtschaftlicher Folge des Kriegs in der Ukraine betroffen“, erklärte Felix Kuhnert, Partner und Automotive Lead bei PwC Deutschland, laut der Automobilwoche. „Daher waren Produktverfügbarkeit und Auswahloptionen bei Modellen und Farben eingeschränkt und die Lieferzeiten entsprechend lang.“ Kunden von Mercedes, Porsche oder Tesla müssen derzeit lange auf die Auslieferung von E-Autos warten.

Ohne Lieferengpässe könnten laut Experte mehr als doppelt so viele E-Autos verkauft werden

Durch die Lieferprobleme und den Materialengpass werden nicht nur der E-Auto-Verkauf und damit die Zulassungen, sondern auch die Fertigung ausgebremst. Laut Kuhnert seien im bisherigen Jahr nur etwa 1,5 Millionen E-Autos in Europa gefertigt worden. „Bei maximaler Kapazität und ohne Engpässe könnten es mehr als doppelt so viele sein.“ Auch die „Giga Berlin“, das erste Produktionswerk von Tesla in Europa, bleibt bislang deutlich hinter den angepeilten Fertigungsmengen zurück. Tesla konnte sich dafür aber im ersten Halbjahr 2022 sowohl auf dem US-Markt, als auch in China behaupten. Dort machten auch deutsche Hersteller im zweiten Quartal wieder Boden gut, was laut PwC am starken Wachstum des VW-Konzerns lag.

Aktuell trifft demnach eine hohe Nachfrage nach E-Autos auf eine Industrie, die aufgrund von Lieferproblemen und Materialengpässen nicht imstande ist, diese abzuarbeiten. Experten sehen aber bereits erste Verbesserungen der Situation. PwC rechnet laut der Automobilwoche mit einem stärkeren Wachstum im zweiten Halbjahr und mit einer konstant hohen Nachfrage. „Für Deutschland erwarten wir mittel- und langfristig eine konstant steigende Nachfrage nach Elektroautos, die auch durch die erwarteten Kürzungen der staatlichen Förderungen nicht stark gebremst werden dürfte“, so Kuhnert. Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer sagte allerdings, die Kürzung der Förderung „zieht der E-Mobilität den Stecker“.

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