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„Chinas Elon Musk“ nimmt Deutschland ins Visier: E-Autobauer Nio startet Verkauf mit besonderem Modell

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Von: Julian Baumann

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Drei E-Automodelle des chinesischen Herstellers Nio stehen bei der Präsentation in Berlin auf einer Bühne.
Das chinesische Start-up Nio nimmt Deutschland ins Visier und will drei E-Automodelle anbieten - allerdings nicht zum Verkauf. © Nio

Das chinesische E-Auto-Start-up Nio will mit drei Modellen in den deutschen Markt einsteigen und sagt damit Mercedes, VW und auch Tesla den Kampf an.

Berlin/Shanghai - Seit vielen Jahrzehnten waren Traditionskonzerne wie Mercedes-Benz, BMW oder auch Ford und Toyota auf dem weltweiten Automarkt vorherrschend. Inzwischen konzentrieren sich auch die etablierten Hersteller auf die Produktion von E-Autos und müssen dabei auch immer mehr mit neuen Start-ups konkurrieren. Das chinesische Unternehmen Nio kündigte bereits im Mai vergangenen Jahres ein E-Auto mit einer Reichweite von 1.000 Kilometern an und erklärte, damit im Jahr 2022 auch auf dem deutschen Markt starten zu wollen.

Das chinesische Start-up mit Sitz in der Wirtschaftsmetropole Shanghai machte erstmals mit einem spektakulären Börsenwert weltweit auf sich aufmerksam, der sogar den von Mercedes-Benz oder BMW überbot. Wenig später ist der Hype um das Unternehmen von Gründer William Li zwar deutlich abgeflacht, Nio setzt nun aber zum großen Sprung nach Europa an. Am Freitag, 30. September, feierte Nio offiziell den Markteintritt in Deutschland und kündigte an, in den kommenden Monaten drei E-Auto-Modelle anbieten zu wollen. Beim Verkaufsmodell geht das chinesische Start-up allerdings einen ungewöhnlichen Weg.

E-Auto-Start-up Nio aus China bietet Modelle in Deutschland nicht zum Kauf an

Aufgrund des einst beeindruckenden Börsenwertes von Nio und den Ambitionen im Bereich der E-Mobilität wird Gründer und CEO William Li in Anspielung auf den Tesla-Boss auch „Chinas Elon Musk“ genannt, lehnt einen solchen Vergleich aber selbst ab. „Tesla war nicht meine Inspiration“, hatte er 2021 im Gespräch mit dem Spiegel erklärt. Im Gegensatz zum Branchenprimus, der seit Ende März seine E-Auto-Modelle auch in Deutschland produziert und direkt von der „Giga Berlin“ in die europäischen Märkte ausliefert, verfolgt Nio einen anderen Weg. Wie William Li nach der Vorstellung in Berlin einem Bericht von CnEVPost zufolge gegenüber chinesischen Medien erklärte, sollen die E-Autos der Marke in Deutschland nicht zum Verkauf, sondern nur zur Miete angeboten werden.

Konkret setzt das chinesische Start-up auf ein Abo-Modell, das auch Unternehmen wie Tesla verwenden. An diesem Vorgehen verwundert allerdings der Umstand, dass Nio auf dem heimischen Markt durchaus Autos zum Kauf anbietet. Dem Spiegel zufolge hat das Unternehmen weltweit bislang rund 239.000 Fahrzeuge verkauft. Im Gegensatz zu China sei das Abo-Modell in Europa aber deutlich weiter verbreitet, weswegen man auf den Märkten die Gelegenheit ergreifen möchte, um Innovationen zu finden, so der Nio-Chef. Neben Deutschland wollen die Chinesen auch nach Schweden, Dänemark und in die Niederlande expandieren. In Norwegen, dem Vorreiter der E-Mobilität auf dem europäischen Kontinent, gibt es die Modelle bereits seit 2021 - auch zum Kauf.

Nio scheut Konkurrenzkampf mit Mercedes und Co. nicht, musste sich Audi aber bereits beugen

Im Ursprungsland des Automobilbaus haben die Nio-Gründer William Li und Lihong Qin am vergangenen Freitag offiziell ihre erste deutsche Niederlassung, genannt „Nio-House“, in Berlin eingeweiht. „Wir wollen im Laufe der nächsten Jahre einer der führenden Anbieter im Premiumsegment werden“, erklärte Qin bei der Veranstaltung. In Deutschland sollen deshalb nicht nur drei E-Automodelle angeboten werden, Nio will dem Spiegel zufolge auch ein Netzwerk an Batterie-Wechsel-Stationen aufbauen. Bislang gibt es in der Bundesrepublik nur eine solche Station des chinesischen Start-ups - auf der A8 zwischen München und Stuttgart. „Bis Ende nächsten Jahres wollen wir 120 Swap-Stationen in Europa haben, vor allem in und zwischen den großen Städten“, sagte Lihong Qin.

Mit der Expansion auf den deutschen Automarkt legt sich Nio nicht nur mit dem E-Auto-Pionier Tesla an, der seit März in Deutschland produziert, sondern auch direkt mit den großen deutschen Autokonzernen Mercedes-Benz, BMW und VW. Davor schreckt William Li allerdings nicht zurück. „Wenn ich es nicht versuche, werde ich die Antwort nie erfahren“, sagte er auf die Frage, ob er gegen die deutschen Premiumanbieter bestehen könne. Einem davon musste sich das chinesische Start-up allerdings bereits beugen.

Das elektrische Luxus-SUV ES7 von Nio kommt in Deutschland als „EL7“ auf den Markt, da Audi bereits vor Monaten vor dem Landgericht München geklagt hatte, dass die Modellnamen ES6 und ES8 bei der reinen Aussprache mit dem S6 und dem S8 der Ingolstädter verwechselt werden könnten und die Chinesen damit Markenrechte verletzten. Da die VW-Tochter wenig später auch beim ES7 eine Klage anstrebte, lenkte Nio schließlich ein und benannte das Flaggschiff auf dem deutschen Markt um. „Wir wollen auf den Ausgang eines möglicherweise langwierigen Rechtsstreits mit unsicherem Ausgang nicht warten und haben deswegen unsere Modelle umbenannt“, erklärte Lihong Quin dem Spiegel.

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