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Energie-Verband bezeichnet angeblichen Ladesäulenmangel für E-Autos als „völlig falsches Bild“

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Von: Julian Baumann

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Ein weißer Porsche Taycan der ersten Generation lädt an einer Ladesäule des Anbieters Ionity.
Laut dem Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft kann der Ausbau der Ladeinfrastruktur mit dem Hochlauf der E-Auto-Produktion mithalten. © Porsche AG

Ein Hauptkriterium für den endgültigen Durchbruch der E-Autos ist der Ausbau der Ladeinfrastruktur. Ein Experte ist der Meinung, es gebe bereits genug Ladesäulen.

Stuttgart - Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) ist der Meinung, die Berichte über einen angeblichen Mangel an Ladesäulen für E-Autos würden ein völlig falsches Bild der Situation zeichnen. Diese Aussage klingt zunächst befremdlich. Schließlich hieß es vor wenigen Monaten noch, die Ladeinfrastruktur in Deutschland sei ein Trauerspiel. Auch die großen Autohersteller bezeichneten den Ausbau der Infrastruktur bereits als ein Hauptkriterium für den endgültigen Durchbruch der E-Autos. Zur Umstellung „zählt auch eine Infrastruktur, die mit dem Hochlauf der Elektromobilität Schritt halten kann“, erklärte Mercedes-Strategiechefin Carolin Strauß im Interview mit BW24.

Mit dem EU-Entscheid, ab 2035 nur noch klimaneutrale Neuwagen zu erlauben, wird die Umstellung zur E-Mobilität aber wohl deutlich schneller voranschreiten. Bereits im Jahr 2030 sollen allein in Deutschland rund 15 Millionen E-Autos fahren, auch Mercedes-Benz will ab diesem Jahr nur noch batteriebetriebene Modelle bauen. Für diese Anzahl ist aber eben auch ein entsprechendes Ladenetz eine Voraussetzung. Laut Jan Strobel vom BDEW ist die Infrastruktur aber bereits jetzt gut ausgebaut und könne mit dem Zuwachs der E-Autos mithalten, wie die Tagesschau berichtet.

Laden von E-Autos: Laut Energie-Verband kommt es auf die Leistungsfähigkeit der Säulen an

In Bezug auf den Ausbau der Ladeinfrastruktur für E-Autos gibt es verschiedene Ansichten. In Baden-Württemberg gebe es zu wenig Ladesäulen, hieß es im Mai. Der Energieversorger EnBW hat allerdings in mehreren großen Städten, darunter Stuttgart, Ludwigsburg und Karlsruhe, große Ladeparks errichtet. Der EnBW-Chef warnte sogar bereits vor zu vielen Ladesäulen. „Wir brauchen nicht unbedingt an jeder Ecke eine Stromtankstelle“, erklärte Frank Mastiaux. Dieser Meinung ist offenbar auch Jan Strobel vom BDEW. „Wenn ständig über einen angeblichen Ladesäulenmangel gesprochen wird, verfestigt sich ein völlig falsches Bild“, erklärte er der Tagesschau zufolge. „Die Eine-Million-Ladepunkte-Diskussion ist aus unserer Sicht die falsche Diskussion. Sie lenkt von den wirklich wichtigen Themen ab.“

Die Marke der Eine-Million-Ladepunkte geht aus einer Berechnung der Automobilindustrie hervor. Demnach gebe es im Jahr 2030 gerade einmal rund 210.000 Ladesäulen in Deutschland und damit rund 800.000 zu wenig. Laut Jan Strobel sei aber nicht die Anzahl der Ladepunkte entscheidend, sondern die Leistungsfähigkeit der Säulen. Diese nimmt derzeit immer weiter zu und auch die Ladezeiten werden immer geringer, wodurch man insgesamt weniger Ladepunkte brauche, so die Logik. „Es geht um Kilowattstunden und um Leistung. Wir zählen ja auch nicht die Anzahl der Münzen im Portemonnaie, sondern deren Wert.“

Mercedes, Tesla, VW und Co.: Große Autohersteller investieren in Ladeinfrastruktur

Aktuell scheint es in den meisten Städten und Gemeinden zwar noch an Ladesäulen zu fehlen, der Ausbau geht aber immer schneller voran. Unternehmen wie die Discounter-Kette Lidl oder die Möbelkette Ikea bieten beispielsweise kostenloses Laden auf den Parkplätzen der Filialen an. Bei Lidl ist das allerdings nur während des Einkaufs und nur mit der Lidl-App möglich, da Ladeschnorrer das Angebot ausnutzten.

Die großen Unternehmen der Autoindustrie investieren dagegen selbst in den Ausbau des Ladenetzes. E-Autobauer Tesla hat mit den Supercharger-Stationen eigene Ladesäulen entwickelt, die auch immer mehr in Deutschland zu finden sind. Elon Musk will die Tesla-Ladestationen zudem für E-Autos aller Marken öffnen. Am Unternehmen Ionity, das ein Netz von Ladestationen für E-Autos entlang europäischer Autobahnen betreibt, sind mit Mercedes-Benz, BMW, VW inklusive der Töchter Audi und Porsche, Ford und Hyundai einige der wichtigsten Autohersteller der Welt beteiligt.

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