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E-Autos: Deutsche Hersteller haben laut Experten erhebliche Nachteile gegenüber Konkurrenz

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Von: Julian Baumann

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Produktion des Mercedes-AMG EQS in der „Factory 56“ in Sindelfingen.
Laut dem Vorsitzenden des Aufsichtsrats von Continental haben Mercedes und Co. in Bezug auf E-Autos Standortnachteile. © Mercedes-Benz AG – Communications

Deutsche Autobauer wie Mercedes-Benz setzen auf das E-Auto. Im Konkurrenzkampf haben die heimischen Hersteller laut einem Experten aber deutliche Nachteile.

Stuttgart/Hannover - Die großen Autobauer Mercedes-Benz, Volkswagen und BMW sind weltweit für die deutsche Ingenieurskunst bekannt. Durch den immer stärkeren Fokus auf den Bau von E-Autos müssen sich aber auch die altgedienten Konzerne mit aufstrebenden Unternehmen wie Tesla, Nio und Co. messen. Die Mercedes-Benz AG will ab 2030 nur noch batteriebetriebene Autos bauen und leitete im vergangenen Jahr mit dem EQS eine neue Ära ein. Die Transformation zur E-Mobilität betrifft aber nicht nur die Autobauer, sondern auch die Automobilzulieferer wie Bosch aus Stuttgart oder Continental aus Hannover.

Laut dem Vorsitzenden des Aufsichtsrats von Continental haben deutsche Autobauer und Zulieferer in Bezug auf E-Autos deutliche Nachteile gegenüber der internationalen Konkurrenz. Mercedes-Benz, BMW und Co. würden zwar weiterhin ihre Branchen dominieren, spielen an der Börse aber nahezu keine Rolle, sagte Wolfgang Reitzle im Interview mit dem Manager Magazin. Als Grund für diese Situation sieht der Continental-Manager vor allem die deutlichen Standortnachteile.

E-Autos: Hohe Löhne und Energiekosten sind laut Experte Nachteile für deutsche Autobauer

Dass die großen Autobauer Deutschlands bereits ganze Produktionsschritte ins Ausland verlagert haben, ist wenig verwunderlich. In China und den USA verkaufen Mercedes-Benz und Co. nicht nur mehr Fahrzeuge als auf dem europäischen Markt, auch die Produktionskosten sind geringer. Deutschland verfolge im Vergleich zu den USA ein anderes Zielsystem, sagte Wolfgang Reitzle dem Manager Magazin. „Während ein Vorstand in den USA ganz gezielt den Gewinn maximiert, sind die Finanzkennzahlen bei uns nicht allein maßgeblich.“

Laut dem Aufsichtsratsvorsitzenden von Continental führt eben dieses Zielsystem der deutschen Konzerne zu einem deutlichen Standortnachteil. „Den gibt es bedauerlicherweise in vielen Bereichen schon“, macht Reitzle deutlich. „Wir leisten uns sehr hohe Löhne und Energiekosten, der Staat profitiert von sehr hohen Unternehmensteuern; unsere Infrastruktur ist noch gut, aber langsam im Verfall.“

Dass ausgerechnet der Börsenriese Tesla in Grünheide bei Berlin bald mit der Produktion von E-Autos beginnen werde, sei eine Ausnahme. „Tesla will so den europäischen und vor allem den deutschen Markt von innen aufrollen“, erklärt Reitzle. „Aber ansonsten kommen nur noch Unternehmen nach Deutschland, die spezielle, hochkompetente Mitarbeiter gerade für die Entwicklung suchen.“

E-Autos und die Energiepolitik: „Auch die Grünen werden realistisch genug sein“

Weltbekannte Unternehmen wie Mercedes-Benz, Porsche und Bosch in Stuttgart oder BMW, Audi und Siemens in München gelten als Wohlstandsmotor. Deshalb sei es zunächst auch ein Vorteil, wenn Microsoft sein internationales Zentrum für IoT-Technologie in München ansiedelt, sagte Wolfgang Reitzle dem Manager Magazin. „Und trotzdem: Wir haben in den letzten acht Jahren Regierung unter Angela Merkel nur noch den Sozialstaat ausgebaut – und zu wenig für den künftigen Wohlstand getan.“ Es gebe zwar gute Ansätze in der Politik, es sei jedoch auch viel verpasst worden, so der Aufsichtsratsvorsitzende von Continental weiter.

Obwohl Reitzle laut dem Manager Magazin nicht als Befürworter der grünen Energiepolitik gilt, hofft er nach eigener Aussage auf die Ampel-Koalition. Bei der SPD und vor allem der FDP gebe es genug Politiker, die die Koalition frisch und zukunftsorientiert angehen. „Und auch die Grünen werden realistisch genug sein, Elektroautos nicht dauerhaft mit Milliardensummen zu subventionieren, wenn sie keinen Beitrag zur Klimabilanz leisten“, so Wolfgang Reitzle.

Hohe Subventionen für E-Autos: „Das hat nichts mit Marktwirtschaft zu tun“

Die Autoindustrie, zu der eben auch Continental gehört, fordert als Beitrag zur Klimabilanz strenge Subventionen. „Die Unternehmen müssen viele Elektroautos verkaufen, weil sie sonst die politisch bewusst scharf gesetzten CO2-Ziele nicht erfüllen“, erklärt Wolfgang Reitzle. „Doch diese Autos haben Nachteile bei der Reichweite, es gibt zu wenig Ladesäulen, sie sind für viele Kunden nicht alltagstauglich.“ Dennoch wurden im vergangenen Jahr fast doppelt so viele E-Autos in Deutschland verkauft, als im Jahr zuvor.

Das wundert Reitzle nach eigenen Angaben nicht. „Der Staat fördert Autos mit bis zu 6000 Euro, der Hersteller gibt 3000 Euro dazu, inklusive Steuervorteilen kommen so über die Laufzeit rund 20.000 Euro Subvention zusammen“, sagte er dem Manager Magazin. „Das hat nichts mit vernünftiger Anschubfinanzierung für eine Zukunftstechnologie zu tun, auch nicht mit Marktwirtschaft.“ Dass die Zukunft des Autos elektrisch sein wird, bestreitet der Aufsichtsratsvorsitzende von Continental dagegen nicht. „Insofern muss forciert an der E-Mobilität gearbeitet werden“, sagte er. Das werde aber noch einige Zeit in Anspruch nehmen. „Diese extrem verkürzen zu wollen, wird dem Standort Deutschland schaden.“

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