1. bw24
  2. Auto
  3. E-Autos

„Nischenprodukt für Gutverdienende“: ADAC kritisiert Hersteller wegen E-Auto-Strategie 

Erstellt:

Von: Julian Baumann

Kommentare

Der iX M60 von BMW (links) und das EQS-SUV von Mercedes-Benz (rechts).
Der ADAC kritisiert, dass die Hersteller kaum günstige E-Autos anbieten. Stattdessen werden die Modelle immer größer und teurer. © Mercedes-Benz AG/BMW Group (Fotomontage: BW24)

Die deutschen Premiumhersteller setzen bei den E-Auto-Modellen auf große Limousinen und SUVs. Dadurch ist die „Mobilität von morgen“ nicht für jedermann erschwinglich.

Stuttgart - Dass E-Autos immer größer werden, da die Hersteller die Kleinwagen aus dem Sortiment streichen, wird bereits seit Anfang des Jahres hitzig diskutiert. Mercedes-Benz fokussiert sich beispielsweise auch bei der elektrischen Marke Mercedes-EQ auf Limousinen wie den EQS und den EQE und brachte von beiden Modellen SUV-Versionen auf den Markt. Die Schwaben sind dabei jedoch nicht alleine, auch BMW und Volkswagen setzen auf große E-Autos und bieten kleinere Volumenmodelle zunehmend nur noch über Tochter-Unternehmen an. BMW erklärte kürzlich aber, sich nicht vollständig aus dem unteren Marktsegment verabschieden zu wollen.

Mit dem Fokus auf hochpreisige Modelle und der Ausrichtung auf den Elektroantrieb werden E-Autos folglich immer teurer, während Mercedes-Benz, BMW und Co. die günstigeren Basismodelle zunehmend aus dem Sortiment streichen. Ab dem kommenden Jahr bekommen Autokäufer zudem nicht mehr für jedes E-Auto-Modell eine Prämie, langfristig soll die staatliche Förderung sogar ganz entfallen, was die Stromer folglich allein in der Anschaffung noch kostspieliger machen wird. Der ADAC kritisierte zum einen, dass die Hersteller nahezu ausschließlich auf hochpreisige Modelle setzen und zeigte sich auch mit der Reform der E-Auto-Prämie unzufrieden.

ADAC kritisiert Hersteller: „E-Mobilität wird nur erfolgreich sein, wenn sie jedermann zugänglich ist“

Abgesehen von den Tochter-Marken Smart und Mini finden Interessenten bei den Kernmarken von Mercedes-Benz und BMW derzeit kaum erschwingliche Elektrofahrzeuge. „Unserem Eindruck nach sind Fahrzeuge aktuell überteuert“, sagte ADAC-Technikpräsident Karsten Schulze der Automobilwoche zufolge. „Die Elektromobilität wird nur dann erfolgreich sein, wenn sie jedermann zugänglich ist und nicht etwa ein Nischenprodukt für Gutverdienende bleibt.“ Große E-Auto-Modelle wie der EQS von Mercedes-Benz oder der Porsche Taycan sind natürlich Luxusprodukte, an kostengünstigeren Alternativen mangelt es dagegen immer deutlicher.

Selbst der Branchenprimus Tesla, der mit dem Ziel gegründet wurde, E-Autos für jedermann zu produzieren, bietet aktuell nur Modelle im Mittelklasse- und Oberklasse-Bereich an. Dass sich die Premiumhersteller derzeit auch bei den elektrischen Modellen auf hochpreisige Fahrzeuge fokussieren, ist allerdings auch der Chipkrise geschuldet. Die Halbleiterkomponenten sind für die E-Auto-Produktion besonders wichtig, deshalb werden die wenigen vorhandenen Chips in Fahrzeuge verbaut, die auch höhere Gewinne abwerfen. Mercedes-Benz und Co. konnten der Chipkrise dadurch trotzen.

ADAC und VDIK kritisieren Reform der staatlichen E-Auto-Prämie

Durch die staatliche Reform der Prämie beim Kauf eines E-Autos müssen Autokäufer ab dem kommenden Jahr aber noch weiter in die Tasche greifen. Plug-in-Hybride werden ab 2023 überhaupt nicht mehr subventioniert und auch bei reinen Stromern gelten dann strengere Vorgaben. Zudem ist bereits bekannt, dass die Antragstellung für eine Prämie nur für Fahrzeuge möglich ist, die bereits eine Zulassung haben. Karsten Schulze erklärte, die Bundesregierung habe bei der Reform die Chance verpasst, die Förderung verbraucherfreundlich zu gestalten. Laut dem ADAC-Technikpräsidenten sollten die Käufer den staatlichen Zuschuss bereits bei der Bestellung eines E-Autos zugesagt bekommen.

Auch der Autoimporteurverband VDIK kritisierte der Automobilwoche zufolge die staatliche Reform. „Vielen Kunden müssen nun bis zum Jahresende hoffen und bangen, dass ihr bestelltes Elektrofahrzeug rechtzeitig zugelassen werden kann“, sagte Präsident Reinhard Zirpel. Durch die Chipkrise mussten Kunden von Mercedes, Porsche, Tesla und Co. in diesem Jahr lange auf die Auslieferung ihrer E-Autos warten. Sollten E-Autos, die bereits bestellt wurden, aufgrund der Lieferverzögerung bis zum Jahreswechsel nicht zugelassen werden können, könnten Käufer durch die Reform bereits keine Prämie mehr erhalten.

Auch interessant

Kommentare