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Psychologie-Professor über Hass auf E-Autos: „Unwohlsein gegenüber dem Fremden“

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Von: Julian Baumann

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Ein Tesla lädt an einer Ladesäule für Elektroautos an der Uni Hannover.
E-Auto-Fahrer sind teilweise noch immer Anfeindungen ausgesetzt. Ein Psychologe erklärt warum (Symbolbild). © Julian Stratenschulte/dpa

E-Autos gelten als Zukunft der Mobilität, doch einige Autofahrer stehen dem noch immer skeptisch gegenüber. Ein Psychologie-Professor erklärte, warum diese Skepsis stellenweise in Anfeindungen umschlägt.

Stuttgart/Bamberg - In der Autoindustrie liegt der Fokus inzwischen mehr als deutlich auf der Produktion von E-Autos. Mercedes-Benz will ab 2030 beispielsweise nur noch E-Autos verkaufen und auch die Modelle von Tesla werden in Deutschland immer beliebter. Einige Autofahrer sind aber noch immer skeptisch und halten an dem altgedienten Verbrennungsmotor fest.

Zudem gibt es aber auch Menschen, deren Ablehnung von E-Autos in regelrechte Anfeindungen gegen die Fahrer umschlägt. Gegenüber dem Portal efahrer.chip.de hat ein Psychologie-Professor der Otto-Friedrich-Universität im bayerischen Bamberg erklärt, warum es zu einem derartigen Hass gegen die vergleichsweise neue Technologie kommt.

„Wehmut zum Abschied der Verbrennungsmotoren“, führt zu Ablehnung der E-Mobilität

Veränderungen sind für manche Menschen wohl schwieriger, als für andere. Der Umstieg von der gedruckten Zeitung zu Online-Artikeln, der Wandel vom Arbeiten im Büro zum Homeoffice oder eben auch die deutlich voranschreitende Transformation vom Verbrennungsmotor zum E-Auto. Wenn sich diese Umgewöhnung in direkte Ablehnung oder sogar direkten Hass umwandelt, wird es problematisch. Das musste auch ein Autofahrer spüren, der mit Getränkedosen und Steinen beworfen wurde, weil er ein E-Auto von Tesla fuhr.

Laut Claus-Christian Carbon, Psychologie-Professor aus Bamberg, gibt es in Bezug auf die E-Mobilität sowohl Unmut als auch Faszination für die Technik. „Zum einen gibt es eine echte Wehmut zum Abschied der Verbrennungsmotoren — wir dürfen nicht vergessen: maßgebliche Erfindungen im Bereich der Verbrennungstechnik sind in Deutschland entstanden: vom Diesel- über Otto- bis hin zum Wankelmotor“, erklärte er gegenüber efahrer.chip.de. „Wenn das alles nun weg sein soll, ist das ein echter Abschied.“ Die Faszination für die E-Mobilität sieht der Psychologe dagegen in den Vorteilen der E-Autos, wie der Geräuscharmut und dem CO₂-neutralen Antrieb, begründet.

Unmut gegen E-Autos: Psychologe sieht „Unwohlsein gegenüber dem Fremden“ als Grund

Den regelrechten Hass gegen die E-Mobilität begründet der Psychologie-Professor mit dem Unwohlsein gegenüber Innovationen. „Menschen haben auf Automobile in der Ära der Pferde eingehauen, die Aggression und das Unwohlsein gegenüber dem Innovativen, dem Ungewohnten und schlichtweg dem Fremden hat uns nie so richtig verlassen“, erklärte Carbon. „Aber: es sind Einzelfälle, und mit der Gewährung und der neuen Normalität wird auch die Auffälligkeit von Elektrofahrzeugen zurückgehen und damit auch der Anlass, sich überhaupt darüber aufregen zu können.“

Die Anfeindungen gegenüber E-Autos zeigt sich vereinzelt nicht nur an Aggressionen gegen die Fahrer, sondern auch beispielsweise an Vandalismus gegen die Ladesäulen. Ein Pick-up-Fahrer parkte etwa eine Tesla-Ladestation zu und schoss mit einem Aufkleber gegen E-Autos. Claus-Christian Carbon geht davon aus, dass in einigen Jahren viele Autofahrer aber Vorbehalte gegen die klassischen Verbrenner haben werden. „Hass, aber so viel auch jetzt schon, ist niemals etwas, was produktiv ist. Eine gesunde Auseinandersetzung sieht anders aus“, sagte er.

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