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„Was soll der Schwachsinn“: Vorschlag einer Strafsteuer für Verbrenner trifft auf Unverständnis

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Von: Julian Baumann

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Auspuff mit Abgasen eines Verbrennungsmotors Dieselmotors.
Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer schlägt eine Erhöhung der Mehrwertsteuer für Verbrenner vor. Das trifft auf Kritik. © Franziska Kraufmann/dpa

Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer schlägt eine höhere Mehrwertsteuer für Benzin- und Dieselmodelle vor. Das trifft bei Autoverbänden und im Netz auf Unverständnis.

Stuttgart - Wer aktuell ein E-Auto von Mercedes-Benz, Tesla, BMW oder einem anderen Autobauer kauft, bekommt in Deutschland einen staatlichen Zuschuss. Die Ampel-Koalition plant in Bezug auf die E-Auto-Prämie aber eine Gesetzesänderung. Ab 2023 bekommen E-Auto-Fahrer nicht mehr für alle Modelle einen Zuschuss. Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer, Direktor vom Center Automotive Research (CAR) in Duisburg, fordert eine höhere Mehrwertsteuer beim Kauf von Benzin- oder Dieselmodellen. Dieser Vorschlag trifft allerdings auf deutliche Kritik.

Laut dem Koalitionsvertrag der Ampelkoalition könnte die E-Auto-Prämie bereits im Jahr 2025 vollständig entfallen. Dann könnte nach dem Vorschlag von Ferdinand Dudenhöffer die Mehrwertsteuer für Verbrenner angehoben werden, um weiterhin einen Anreiz zu bieten, auf ein E-Auto umzusteigen. Mehrere Autoclubs in Deutschland kritisieren den Vorschlag, wie auto-motor-und-sport.de berichtet. Der Verkehrsclub Deutschland bringt eine Alternative zu der höheren Steuer ins Spiel. Auch in den sozialen Medien trifft der Vorschlag auf Unverständnis.

Automobilclubs: „Erhöhung der Mehrwertsteuer für Verbrenner wäre sozial unausgewogen“

Der Vorschlag von Autopapst Ferdinand Dudenhöffer, über den zuerst der Spiegel berichtet hatte, sieht vor, die derzeitige Mehrwertsteuer von Verbrennern von 19 auf 26 Prozent zu erhöhen. Laut dem Experten würde die Steuer dann bei rund 2.500 Euro pro Verbrenner liegen. Der Verband der Automobilindustrie (VDA) sieht für eine solche Steuer keinen Grund. Man müsse weiterhin incentivieren (einen Anreiz schaffen, Anm.d.Red) statt diskriminieren, sagte ein Sprecher auf Anfrage von auto-motor-und-sport.de. „Eine Erhöhung der Mehrwertsteuer für Verbrenner wäre sozial unausgewogen, da sie Haushalte mit kleineren und mittleren Einkommen überproportional treffen würde.“

Auch der ADAC äußert sich kritisch zu einer Erhöhung der Mehrwertsteuer für Verbrenner-Modelle.  „Es gibt keinen Grund, zusätzlich eine Strafsteuer für den Kauf von Pkw mit Diesel- oder Benzinmotor einzuführen, zumal diese in der Zukunft auch mit Biokraftstoffen und E-Fuels klimaneutral betrieben werden können“, sagte ein Unternehmenssprecher. Auf Facebook kritisieren User den Vorschlag ebenfalls. „Was soll der Schwachsinn, als der TDI (Bezeichnung für Dieselantriebe der Volkswagengruppe Anm.d.Red.) auf den Markt kam haben wir Vergünstigungen als Kaufanreiz bekommen und nun so ein Mist“, schreibt ein Nutzer.

Verkehrsclub Deutschland schlägt Alternative vor: Zusätzliche CO2- statt höhere Mehrwertsteuer

Durch den Vorschlag von Autopapst Dudenhöffer soll ein Verbrenner-Ende erreicht werden, berichtet auch 24auto*. Demnach sollen die erhöhten Mehrwertsteuern für Verbrenner nach der Abschaffung einer E-Auto-Prämie einen Anreiz für den Umstieg auf ein batteriebetriebenes Modell bieten. Der Verkehrsclub Deutschland schlägt zu diesem Zweck allerdings ein anderes Vorgehen vor. Statt einer erhöhten Mehrwertsteuer könnte der Kauf eines Benzin- oder Dieselmodells mit einer zusätzlichen CO2-Steuer belegt werden, so der Vorschlag laut auto-motor-und-sport.de. Diese soll je nach CO2-Ausstoß des jeweiligen Autos unterschiedlich hoch ausfallen. Die Einnahmen könnten wiederum über eine Förderung an die E-Auto-Käufer weitergegeben werden.

Auf Facebook finden sich ebenfalls Kommentare, die eine Erhöhung der Mehrwertsteuer für Verbrenner nicht als Anreiz ansehen, sondern Alternativen fordern. „Mit Strafen arbeitet man in Diktaturen“, schreibt ein User. „Mit Anreizen arbeitet man in Demokratien.“ Ein Nutzer sieht dagegen einen synthetischen Kraftstoff für sinnvoll, an dem auch Porsche arbeitet. „Es gibt E-Fuels“, schreibt er. „Die sind serienreif und können mit der vorhandenen Technik genutzt werden.“ Nach aktuellem Stand kann sich aber kein Autofahrer den Kraftstoff leisten. E-Fuels statt Benzin könnten Autofahren in Deutschland zum Luxus machen. *24auto ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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