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Ex-Bosch-Manager entwickelt erstes türkisches E-Auto, das in Serienproduktion gehen soll

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Von: Julian Baumann

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Gürcan Karakas, CEO des türkischen Autoherstellers TOGG, spricht auf dem TEKNOFEST in Istanbul mit Reportern.
Gürcan Karakas war 27 Jahre lang bei Bosch angestellt und leitet nun den türkischen Autohersteller TOGG. © Altan Gocher/GocherImagery/Imago

Ein ehemaliger Manager des Autozulieferers Bosch entwickelt in der Türkei E-Autos. Das erste Modell des Herstellers TOGG soll schon bald in die Serienproduktion gehen.

Stuttgart/Istanbul - Nach dem Beschluss der EU-Staaten sind in Europa ab 2035 nur noch klimafreundliche Neuwagen erlaubt. In Deutschland setzen die großen Autokonzerne Mercedes-Benz, Volkswagen und BMW auf E-Autos, BMW will daneben auch die Entwicklung der Brennstoffzelle vorantreiben. Doch nicht nur in Deutschland ist die E-Mobilität auf dem Vormarsch, auch die anderen bekannten europäischen Autohersteller priorisieren batteriebetriebene Modelle. Sogar Ferrari will ab 2025 bereit für das E-Auto-Zeitalter sein.

Ein ehemaliger Manager des Autozulieferers Bosch entwickelt in der Türkei E-Autos und will die ersten Modelle der Turkey‘s Automobile Initiative Group (TOGG) schon bald in Serie auf den Markt bringen, wie das Handelsblatt berichtet. „Niemand rechnet mit einem Elektroauto aus der Türkei“, sagte Gürcan Karakas bereits Ende 2020 gegenüber der Wirtschaftszeitung. Schon damals habe er sich aber fest vorgenommen, die Erwartungen zu übertreffen. In der Türkei ist der Porsche Taycan das beliebteste E-Auto. Die Modelle von TOGG sollen auch auf dem deutschen Markt angeboten werden.

E-Autos aus der Türkei: Ex-Bosch-Manager soll Traum vom eigenen Fabrikat wahr machen

In der Türkei werden seit Jahrzehnten vor allem Autokomponenten und Nutzfahrzeuge für ausländische Unternehmen wie dem Bushersteller MAN oder Daimler Truck gefertigt. Der Traum von eigenen Automodellen war bislang nicht von Erfolg gekrönt. Dem Handelsblatt zufolge haben sich sechs türkische Unternehmen im Jahr 2019 zusammengeschlossen und mehr als drei Milliarden Euro für die Entwicklung bereitgestellt. Als CEO des neu geschaffenen Konzerns wurde Gürcan Karakas ernannt, der zuvor 27 Jahre lang bei Bosch angestellt war.

Ein Prototyp des E-SUV von TOGG beim TEKNOFEST, einem Mobilitäts- und Technologiefestival in Istanbul.
Der türkische Autokonzern TOGG will schon bald mit der Serienproduktion eines ersten Elektro-SUV beginnen. © Altan Gocher/GocherImagery/Imago

Schon früh erhielt der neu geschaffene Autohersteller TOGG Unterstützung von der Regierung in Ankara, die dem Konsortium beispielsweise einen Teil der Steuern erließ. Nun hat das Unternehmen einen großen Schritt in Richtung Serienfertigung eines ersten elektrischen Modells gemacht, das laut dem Bericht ein E-SUV werden soll. Die ersten Testwagen seien bereits vom Band gelaufen, sagte Karakas dem Handelsblatt. Zudem entsteht derzeit eine große Produktionsanlage in Istanbul. „Anfang November werden wir die Prozesse perfektioniert haben und dann in dieser Form einfrieren“, so der TOGG-Chef. „Dann haben wir die Serienreife unserer Fertigungsanlage.“

E-SUV von TOGG möglicherweise bereits für unter 25.000 Euro zu haben

Für die Türkei, die mit wirtschaftlichen Turbulenzen zu kämpfen hat, ist das erste E-Auto-Modell ein engagiertes Projekt. TOGG macht mit den Plänen aber offenbar ernst. Nach Abschluss der technischen Qualifikations- und Zertifizierungstests mit Blick auf europäische Normen soll der E-SUV im zweiten Quartal 2023 auf den Markt kommen. Insgesamt will das Unternehmen bis 2030 eine Million Fahrzeuge produzieren und auch nach Deutschland exportieren. Ein Preis für das E-SUV steht zwar noch nicht fest, durchgedrungen ist aber, dass es schon für unter 25.000 Euro zu haben sein könnte.

Zu Beginn des derzeitigen E-Auto-Booms haben die Hersteller meist nur ihre Verbrenner-Modelle mit einem Elektromotor ausgestattet. Auch die SUV EQA und EQC von Mercedes-Benz basierten auf umgerüsteten Verbrenner-Architekturen. Erst für das Flaggschiff EQS setzten die Stuttgarter auf eine vollkommen neue E-Auto-Architektur. Der ehemalige Bosch-Manager will bei dem ersten E-Auto-Modell aus der Türkei allerdings nichts dem Zufall überlassen. „Wir bauen nicht nur ein Auto, sondern ein Smart Device“, sagte Gürcan Karakas dem Handelsblatt. „Wir arbeiten von Anfang an mit App-Entwicklern auf Augenhöhe.“

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