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Solar-E-Auto aus München steht offenbar vor dem Aus - Start-up startet letzte Rettungsaktion

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Von: Julian Baumann

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Ein Prototyp des Solar-E-Autos „Sion“ von Sono Motors fährt in einer Berglandschaft.
Steht der Sion bereits vor dem Aus? Das Münchner Start-up Sono Motors startet einen letzten Versuch, das Solar-E-Auto zu retten. © Sono Motors

Das Start-up Sono Motors aus München hat erst vor wenigen Monaten das erste serienreife Solar-E-Auto der Welt präsentiert. Nun soll das engagierte Projekt aber vor dem Aus stehen.

Stuttgart/München - Mit dem engagierten Projekt, ein E-Auto auf den Markt zu bringen, dass sich mit hunderten kleinen Solarzellen quasi selbst mit Strom versorgen kann, zog das Unternehmen Sono Motors aus der bayerischen Landeshauptstadt München einige Aufmerksamkeit auf sich. Auch der Start an der US-Technologiebörse Nasdaq verlief für Sono Motors durchaus erfreulich. Inzwischen läuft es für das Start-up allerdings alles andere als rund. Bei der Vorstellung des „Sion“ im Juli wurde ein Produktionsstart in der zweiten Hälfte 2023 angesetzt, nun steht das Projekt laut einer Mitteilung des Unternehmens aber vor dem endgültigen Aus.

Es ist nicht das erste Mal, dass dem Münchner Start-up Sono Motors mit ihrem Projekt, den Automarkt mit einem revolutionären Solar-E-Auto zu revolutionieren, das Geld ausgeht. Inzwischen sehen aber offenbar auch die Geldgeber schwarz. „Wir haben es nicht geschafft, den Investoren zu erklären, warum der Sion das Potenzial zum ersten erschwinglichen Solar-Elektroauto der Welt hat“, schrieben die Gründer Jona Christians und Laurin Hahn in einem Statement. „Bevor wir es jedoch wagen, die Sion-Entwicklung einzustellen, wollen wir unserer Community von über 21.000 Sion-Reservierern eine letzte Chance geben, das Sion-Programm am Leben zu halten und unsere Finanzierungslücke teilweise zu schließen.“

Sono Motors startet „Reservierungs-Kampagne“: Kunden sollen Zukunft des „Sion“ sichern

Deshalb startete Sono Motors eine „Reservierungs-Kampagne“ für 3.500 Modelle des Sion, die 50 Tage lang andauern soll. Anfangs sollen Vorbesteller einen Rabatt von bis zu 3.000 Euro auf das Solar-E-Auto erhalten - was einem Endpreis von 27.000 Euro entspricht. Sollten bis zum Ablauf der Kampagne - also Ende Januar 2023 - nicht 3.500 Kunden für den Sion gefunden werden, ist das Projekt wohl endgültig gescheitert. Da das Start-up in der Vergangenheit mit zeitweise einer halben Milliarde Euro an der Börse notiert war und auch sonst finanzielle Mittel erhielt, stellt sich die Frage, wie dem Unternehmen erneut das Geld ausgehen konnte.

Gegen die Kritik, schlecht gewirtschaftet zu haben, wehrte sich Laurin Hahn aber vehement. „Wir schuften hart, um den Sion auf die Straße zu bringen“, schrieb er am 9. Dezember auf Twitter. „Und gehen sehr effizient und sparsam mit (eurem) Geld um.“ Um seinen Standpunkt zu untermauern, veröffentlichte der Gründer von Sono Motors auf Twitter per Screenshots seine Gehälter aus den Jahren 2016 - dem Jahr der Firmengründung - bis 2022. Von 2016 bis einschließlich März 2018 habe er sich überhaupt kein Gehalt ausgezahlt, erklärt der Firmengründer. Von April 2018 bis 2020 habe seine Vergütung 2.600 Euro brutto im Monat, also 32.000 Euro pro Jahr betragen.

Sono Motors will sich bei Scheitern der Kampagne wieder auf Kerngeschäft konzentrieren

Im Jahr des Börsengangs, 2021, stieg das Gehalt von Laurin Hahn deutlich an, wie den Screenshots zu entnehmen ist. Das Monatsgehalt belief sich demnach auf 4.400 Euro oder 54.000 Euro pro Jahr. Im vergangenen Jahr ist zusätzlich eine große Bonuszahlung über 254.000 Euro vermerkt, die laut Laurin Hahn dem erfolgreichen Börsengang und Anwaltskosten geschuldet war, die die Gründer selbst hatten bezahlen müssen. Die Summe gibt er mit einem nicht näher definierten sechsstelligen Betrag an. Im aktuellen Jahr beläuft sich das Gehalt - ohne Bonus - ebenfalls auf 4.400 Euro pro Monat.

Manche User fragen sich auf Twitter aber, wie sich die Gründer in den Jahren, in denen sie sich offenbar kein Gehalt ausgezahlt haben, finanziert hatten. „Ich habe am Wochenende zusätzlich gejobbt“, erklärt Laurin Hahn daraufhin. Die Transparenz des Gründers ändert dennoch nichts an der verzweifelten Lage des Solarautos aus München. Sollte das Projekt letztendlich aber tatsächlich scheitern, will sich das Unternehmen nach eigenen Angaben wieder auf das Kerngeschäft fokussieren. „Dieses Mal geht es also nicht um die Zukunft von Sono Motors, sondern ‘nur’ um die Zukunft des Sion“, heißt es in der Mitteilung.

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