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„Umweltfreundlichstes E-Auto der Welt“ in Stuttgart enthüllt

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Von: Julian Baumann

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Nicole Hoffmeister-Kraut (CDU), Wirtschaftsministerin von Baden-Württemberg, Tjark Siefkers, Direktor DLR-Institut für Fahrzeugkonzepte und Martin Marx, Vorstandmitglied von HWA (von links nach rechts) enthüllen den Prototyp ZEDU-1.
Am Mittwoch (28. September) wurde auf dem Stuttgarter Karlsplatz der ZEDU-1 enthüllt. Laut dem DLR ist es das „umweltfreundlichste Straßenfahrzeug der Welt“. © Frank Eppler/DLR

Am Mittwoch wurde in Stuttgart der E-Auto-Prototyp ZEDU-1 vom DLR in Zusammenarbeit mit dem Autohersteller HWA enthüllt. Das Fahrzeug soll im Betrieb vollkommen emissionsfrei sein.

Stuttgart - Spätestens seit dem EU-Entscheid, ab 2035 nur noch klimafreundliche Neuwagen zu erlauben, setzen die großen Autohersteller weltweit auf emissionsarme Antriebe. Vor allem die E-Mobilität gilt als klimafreundliche Alternative zum verpönten Verbrenner. Doch nicht nur etablierte Hersteller wie Mercedes-Benz oder BMW werkeln an der stetigen Verbesserung ihrer elektrischen Modelle, auch aus der Wissenschaft kommen immer wieder revolutionäre Ansätze. Studierende aus Stuttgart sind beispielsweise mit einem selbstgebauten E-Rennwagen auf Weltrekordkurs und Studenten aus Eindhoven entwickelten ein E-Auto, dass die Luft beim Fahren reinigt.

Am Mittwoch, 28. September, wurde in Stuttgart der Prototyp ZEDU-1 vorgestellt, der von dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) und dem Autohersteller HWA entwickelt wurde. BW24 konnte am Nachmittag auf dem Stuttgarter Karlsplatz einen Blick auf den enthüllten Prototyp werfen, der eine Runde um das Reiterstandbild von Kaiser Wilhelm I. im Zentrum des Platzes drehte und unter Applaus der Menschenmenge zum Stehen kam. Laut einer Pressemitteilung des DLR vermeidet das E-Auto weitgehend den Ausstoß von Feinstaub und Mikroplastik und ist damit „das umweltfreundlichste Straßenfahrzeug der Welt.“

E-Auto-Prototyp ZEDU-1: Nahezu vollständige Emissionvermeidung durch Rekuperation

Das große Ziel des Prototyps zeigt sich bereits am Namen des E-Autos. Der Zero Emission Drive Unit der Generation 1 - kurz ZEDU-1 - reduziert laut der Mitteilung weitestgehend den Ausstoß von Feinstaub und Mikroplastik, der durch den Abrieb von Reifen und Bremsen entsteht. Das wird im E-Auto vom DLR und dem Unternehmen HWA, das im Übrigen aus der heutigen Mercedes-Tochter Mercedes-AMG hervorgegangen ist, durch Rekuperation ermöglicht. Konkret wurde die klassische Scheibenbremse im Radkasten durch eine Lamellenbremse ersetzt, die in die geschlossene Elektromotor-Getriebe-Einheit integriert ist. „Was wir jetzt schon sagen können, ist, dass wir den Bremsabrieb komplett vermeiden können“, zeigt sich das Team überzeugt.

Der Prototyp ZEDU-1 auf der Teststrecke.
Der E-Auto-Prototyp ZEDU-1 vermeidet durch Rekuperation nahezu vollständig den Ausstoß von Emissionen. © DLR

„Für uns stehen die Gesundheit der Menschen und eine unbelastete Umwelt im Vordergrund. Das Projekt ZEDU-1 konzentriert sich auf die Komponenten, die bislang eher wenig Beachtung gefunden haben und nun von der EU-Kommission nach und nach durch gesetzgebende Maßnahmen in ihren Emissionen geregelt werden: nämlich Bremsen und Reifen“, erklärte Tjark Siefkes, Direktor des DLR-Instituts für Fahrzeugkonzepte, in Stuttgart bei der Vorstellung des ZEDU-1. „Mit dem heute vorgestellten Prototyp ZEDU-1 zeigen wir Lösungen, wie wir in Zukunft auf der Straße so gut wie emissionsfrei unterwegs sein können.“

ZEDU-1: DLR und HWA wollen Prototyp nach erfolgreichen Tests in Serie bringen

Die Entwicklung des Prototyps wurde laut der Mitteilung vom Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Tourismus Baden-Württemberg mit einer Investition von sechs Millionen Euro gefördert. Deshalb war bei der ersten öffentlichen Vorstellung am 28. September auch Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut (CDU) vor Ort. „Ich freue mich, dass das Forschungsvorhaben ‚Zero Emission Drive Unit – Generation 1‘ erfolgreich einen Prototyp entwickelt hat, der die Feinstaub-Emissionen als wichtigste Ursachen mobilitätsbedingter Umweltbelastungen angeht und damit den Grundstein für eine nahezu emissionsfreie Mobilität der Zukunft auf der Straße legt“, so die Ministerin.

Bereits im Sommer ist der E-Auto-Prototyp zum einen auf dem Gelände des Prüfzentrums Boxberg und auf dem institutseigenen Rollenprüfstand in Stuttgart umfassenden Tests unterzogen worden. „In diesem Fahrzeug sind alle Komponenten neu entwickelt, der Antrieb in Form einer Elektromotor-Bremseinheit genauso wie die Einhausungen der Reifen und die aerodynamisch angepassten Komponenten am Fahrzeug“, sagte Projektleiter Franz Philipps vom DLR-Institut für Fahrzeugkonzepte. Die Aerodynamik spielt bei den batteriebetriebenen Fahrzeugen eine besonders große Rolle. Das E-Auto-Flaggschiff EQS von Mercedes-Benz galt bei seiner Weltpremiere als aerodynamischstes Straßenauto der Welt.

Mit der öffentlichen Vorstellung des ZEDU-1 auf dem Karlsplatz in Stuttgart hat das Projektteam einen ersten Meilenstein erreicht. Auch mit den Tests sind die Verantwortlichen laut der Pressemitteilung zufrieden. „Beim Reifenabrieb haben unsere Messungen gezeigt, dass wir bis zu einer Geschwindigkeit von 50 Kilometern pro Stunde den Reifenabrieb komplett vermeiden und bei höheren Geschwindigkeiten um 70 bis 80 Prozent reduzieren können“, heißt es. „Nächste Schritte sind, die Technologie gemeinsam mit der Industrie weiterzuentwickeln, um sie erfolgreich in Serie bringen zu können.“

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