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Schweden führt Deutschland vor: 100.000 E-Auto-Ladepunkte alleine in der Hauptstadt

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Von: Julian Baumann

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Elektrofahrzeug-Ladestationen stehen auf einem Parkplatz.
Schweden will die Anzahl an öffentlichen Ladepunkten bis 2030 auf 250.000 erhöhen - allein in Stockholm sind bis zu 100.000 geplant (Symbolbild). © Marijan Murat/dpa

In Schweden soll die Infrastruktur für E-Autos deutlich erweitert werden, dabei gibt es bereits jetzt deutlich mehr Ladepunkte als in Deutschland.

Stuttgart/Stockholm - Mit dem Hochlauf der E-Auto-Produktion bei Mercedes-Benz, BMW und Co. steigt auch die Anzahl zugelassener Stromer in Deutschland immer weiter an. Zudem produziert auch der Branchenprimus Tesla seit Ende März in der Bundesrepublik und liefert von der „Giga Berlin“ in Brandenburg die Model Y für ganz Europa aus. Die steigende Anzahl an E-Autos und die immer weiter fortschreitende Transformation weg vom Verbrennungsmotor ist auch von politischer und wirtschaftlicher Seite durchaus gewünscht, ein Problem besteht jedoch weiterhin.

Der Ausbau der Ladeinfrastruktur in Deutschland sei ein Trauerspiel, bemängelten Politiker Ende vergangenen Jahres. Im Südwesten sieht das Ganze zwar deutlich besser aus, in Bezug auf die zugelassenen E-Autos gibt es aber auch in Baden-Württemberg zu wenig Ladepunkte. In Schweden wächst die Zahl an zugelassenen E-Autos ebenfalls immer weiter an, das skandinavische Land will jedoch entsprechend reagieren und die Ladeinfrastruktur massiv ausbauen. Dabei ist das Netz an Ladesäulen in Schweden bereits jetzt deutlich weiter ausgebaut als in Deutschland, berichtet das Handelsblatt.

E-Mobilität in Schweden: 2.700 Ladepunkte in Stockholm - bis zu 100.000 bis 2030 geplant

Die skandinavischen Länder sind bei Themen wie Schulbildung den anderen europäischen Staaten weit voraus, in Sachen E-Mobilität war aber vor allem Schweden bis zuletzt noch zögerlich. Nun soll der Umstieg aber mit hoher Geschwindigkeit forciert werden. Um Autofahrer von einem Umstieg vom Verbrenner auf ein batteriebetriebenes Modell zu überzeugen, braucht es eine ausreichende Infrastruktur. „Gibt es keine Lademöglichkeiten, tun sie das nicht“, sagte Daniel Helldén, der für Verkehrsfragen zuständige Stadtrat von Stockholm. Auch Mercedes-Chef Ola Källenius nannte die Infrastruktur als zentrale Bedingung für den Durchbruch der E-Autos.

In Schweden hat man das Problem erkannt und mit dem Ausbau des Ladenetzes für E-Autos begonnen. Laut dem Handelsblatt gibt es in der schwedischen Hauptstadt Stockholm derzeit 2.700 Ladepunkte. Das klingt für eine Metropole mit rund einer Million Einwohner zunächst nach nicht viel. Im direkten Vergleich gab es in Berlin Ende Juni 2022 aber nur 1.850 öffentliche Ladepunkte, obwohl die deutsche Hauptstadt beinahe viermal so viele Einwohner wie ihr schwedisches Pendant hat.

Die Stadtplaner in Stockholm haben allerdings noch einiges vor. In den kommenden drei Jahren wollen sie weitere 2.700 Lademöglichkeiten anbieten, bis Ende des Jahrzehnts soll es in der schwedischen Hauptstadt sogar 50.000 oder 100.000 Ladepunkte geben. In Deutschland gibt es dagegen laut der Bundesnetzagentur Stand 1. August 2022 im gesamten Land 55.570 Normalladepunkte und 10.231 Schnellladepunkte. Ein Energie-Verband bezeichnete den angeblichen Ladesäulenmangel kürzlich aber als „völlig falsches Bild“.

Schweden will bis 2030 insgesamt 250.000 Ladepunkte für E-Autos haben

Schweden will allerdings nicht nur in der Hauptstadt die Infrastruktur für E-Autos massiv ausbauen. Im ganzen Land sollen die Ladepunkte von derzeit rund 28.000 innerhalb der kommenden acht Jahre auf 250.000 erhöht werden. „Es ist wichtig, dass der Ausbau der Ladeinfrastruktur Schritt hält mit der steigenden Anzahl aufladbarer Autos“, sagte Mattias Bergman, Chef von Mobility Sweden, dem Branchenverband der Fahrzeughersteller und -importeure, laut dem Handelsblatt. Während Norwegen europaweit als Vorreiter gilt, dort lag der Anteil an E-Autos 2021 bei über 64 Prozent, verlief der Verkauf batteriebetriebener Modelle in Schweden zunächst schleppend.

Angekurbelt haben die Skandinavier den Verkauf von E-Autos, wie auch Deutschland, mit staatlichen Zuschüssen. Schweden zahlt aktuell eine Prämie von 6.500 Euro für reine E-Autos. Diese Subvention soll ab dem kommenden Jahr allerdings nur noch für Modelle unter 65.000 Euro ausgezahlt werden. Auch in Deutschland erhalten E-Auto-Fahrer ab 2023 nicht mehr für alle Modelle eine Prämie. In Schweden hatte die Förderung aber offenbar Erfolg, denn der Anteil an E-Autos und Plug-in-Hybriden liegt mittlerweile bei knapp 46 Prozent.

Diesen Effekt haben die Prämien allerdings nicht in jedem Fall. Weil die E-Auto-Prämie missbraucht wird, ist jeder vierte Tesla bereits wieder aus Deutschland verschwunden. Grund dafür ist, dass die Stromer nach Einstreichen der Prämie oftmals innerhalb kürzester Zeit gewinnbringend ins Ausland weiterverkauft werden.

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