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E-Auto-Fahrer soll nach Nutzung von Gratis-Ladesäule 1.000 Euro zahlen - „rechtlich fragwürdig“

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Von: Julian Baumann

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Ein Auto zapft Strom aus einer Ladesäule für E-Autos.
Ein E-Autofahrer soll nach der mehrfachen Nutzung einer Gratis-Ladesäule 1.000 Euro bezahlen. So gratis war die Säule anscheinend dann doch nicht. (Symbolfoto) © Harald Tittel/dpa

Ein E-Auto-Fahrer soll nach der Nutzung einer kostenlosen Ladesäule eine Summe von 1.000 Euro für den Strom zahlen. Ist das rechtens? Die Community ist sich uneinig.

Stuttgart/Offenbach - Mit dem Hochlauf der E-Auto-Produktion steigt auch der Bedarf an Lademöglichkeiten immer weiter an. Wer sein Fahrzeug an einer Supercharger-Station von Tesla oder an einer Ladesäule von Ionity laden möchte, muss für die geladenen Kilowattstunden zahlen. Aufgrund der aktuell extrem hohen Energiepreise haben viele Anbieter ihre Preise deutlich erhöht. Kostenlose Lademöglichkeiten boten zu Beginn des derzeitigen E-Auto-Booms beispielsweise Discounter oder Möbelhäuser auf den Parkplätzen. Inzwischen bitten aber auch Lidl und Kaufland die Kunden beim E-Auto-Laden zur Kasse.

Auch viele Stadtwerke haben eigene Ladesäulen für E-Autos errichtet. In Stuttgart gibt es im gesamten Stadtgebiet rund 200 Ladesäulen und insgesamt 400 Ladepunkte. Da Strom grundsätzlich, wie auch Benzin oder Diesel, nicht kostenlos verfügbar ist, muss die Kilowattstunde an den Säulen bezahlt werden. Laut der Ausführung eines Nutzers in einer E-Auto-Gruppe auf Facebook hatte er sein Fahrzeug aber an einer Säule geladen, die das zuständige Stadtwerk kostenlos zur Verfügung stellt. Er erhielt nachträglich allerdings eine Rechnung über insgesamt 1.000 Euro.

E-Auto-Fahrer erhält Mail von Energieanbieter, „die mir über 1.000 Euro in Rechnung stellen“

Der Erklärung des Nutzers in der Facebook-Gruppe „Elektroauto D-A-CH-FL“ zufolge, hatte er sein E-Auto seit dem 15. Dezember 2021 immer wieder an der vermeintlich kostenlosen Ladesäule geladen. „Ich habe eben mit Entsetzen eine Mail von MAINGAU erhalten, die mir über 1.000 € in Rechnung stellen für Ladungen seit 15.12.2021“, schreibt er. „Der Witz: Die Ladesäule, die dort benannt ist, wird von den Stadtwerken kostenfrei zur Verfügung gestellt. Die MAINGAU-Karte diente nur zur Freischaltung.“ Ob die Ladesäule tatsächlich kostenlos zur Verfügung gestellt wird, konnte zunächst nicht überprüft werden, da der Nutzer in seiner Ausführung keine Stadt angibt.

Die Aussage zur „Maingau-Karte“ bezieht sich aber offenbar auf den Energieversorger Maingau Energie mit Sitz im südhessischen Obersthausen (Kreis Offenbach). Laut der Website des Unternehmens können E-Auto-Fahrer mit der Maingau-Karte in ganz Europa an mehr als 310.000 Ladepunkten zu „günstigen Konditionen“ aufladen. Zudem wirbt der Anbieter auch damit, dass man mit dem Ladestromtarif der Maingau die Kosten für das Laden eines E-Autos stets im Blick behalten könne. Dem würde der aufgebrachte Facebook-Nutzer wohl widersprechen.

„Ich finde einerseits frech, nachträglich alle Ladungen, die vorher nicht einmal in der MAINGAU-App zu sehen waren (ich war also nicht ‚gewarnt‘, dass das tatsächlich dort abgerechnet werden könnte), zu berechnen“, schreibt er. „Andererseits rechtlich fragwürdig, dass man sich über die Aussage des Ladesäulenbetreibers hinwegsetzt und diese Ladevorgänge abrechnet.“ Mit dem Ladesäulenbetreiber ist demnach das betreffende Stadtwerk gemeint, das laut Aussage des Nutzers auch telefonisch die kostenfreie Nutzung der Säule bestätigt hatte.

E-Auto-Gruppe auf Facebook: User haben wenig Verständnis für geschildertes Problem

Dem E-Autofahrer wurde nach eigenen Angaben auch die „Blockade“ der Ladesäule von Maingau in Rechnung gestellt, obwohl die Parkdauer per Hinweisschild geregelt sei. „Über Nacht darf man beispielsweise stehen, wird mir von MAINGAU aber abgerechnet.“ Wie genau die Summe von 1.000 Euro zustande kam, ist anhand der Ausführung zwar nicht ersichtlich, der Nutzer sieht eine Bezahlung aber offenbar nicht ein. „Ich persönlich sehe nicht ein, diese Rechnung abbuchen zu lassen. Nicht, weil ich nichts fürs Geld bekommen habe, sondern weil ich plötzlich 1.000 € berappen soll, ohne dass das vorher überhaupt ersichtlich war“, führt er aus. „Und ja, 1.000 € auf einen Schlag tun weh!“

Die Nutzer der Facebook-Gruppe haben allerdings wenig Verständnis für die Ausführung. „Wie jetzt? Es gibt Ladestationen wo man kostenlos Strom laden kann?“, fragt beispielsweise eine Userin. Ein anderer führt aus, dass es keine Rolle spiele, ob der Betreiber die Nutzung der Ladesäule kostenlos zur Verfügung stelle. „Die Gebühren des Ladekarten-Anbieters zählen und sonst nichts“, macht er deutlich. Während einer erklärt, dass das Laden wohl nur mit einer Karte der Stadtwerke kostenfrei sei, hat ein anderer User überhaupt kein Verständnis. „Du blockierst massenhaft ne Ladesäule, meldest Dich mit Maingau dort an (was zeigt deren App für Kosten an?) und willst von uns nen Segen dafür? Nö“, schreibt er.

Aus den Kommentaren unter dem Beitrag werden letztendlich allerdings einige Details klarer. Nebenbei erwähnt der Nutzer, dass er ein Model 3 von Tesla fährt und dass es sich bei dem betreffenden Stadtwerk offenbar um das in Lübeck handelt. Wie ein anderes Mitglied der Gruppe erklärt, sind deren Ladesäulen seit Dezember 2021 kostenpflichtig, was den Abbuchungsbeginn ab dem 15. Dezember erklären wurde. Auf der Seite der Stadtwerke Lübeck heißt es, dass der Tarif zum Laden eines E-Autos von den Konditionen des jeweiligen Vertragspartners abhängig sei, das Laden ohne Vertrag aber 39 Cent pro Kilowattstunde betrage.

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