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E-Auto-Boom droht laut Ex-Tesla-Manager eine „Abkühlung“

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Von: Julian Baumann

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Eine Elektrotankstelle von Mercedes-Benz in Mannheim.
Durch die stark gestiegenen Rohstoffpreise könnte sich der derzeitige E-Auto-Boom abkühlen, vermutet der ehemalige Tesla-Manager und heutige Northvolt-CEO Peter Carlsson (Symbolbild). © Arnulf Hettrich/Imago

Ein ehemaliger Tesla-Manager und jetziger CEO eines Batterieherstellers rechnet aufgrund der hohen Energiepreise mit einer „Abkühlung“ des E-Auto-Booms.

Stuttgart/Heide - In der deutschen Autoindustrie ist seit einiger Zeit ein regelrechter E-Auto-Boom zu bemerken. Das liegt mitunter auch an den lukrativen Förderungen des Staats beim Kauf eines batteriebetriebenen Fahrzeugs. Aktuell steigen jedoch die Energiepreise nicht zuletzt durch den Krieg in der Ukraine immer weiter an, weswegen auch die Stromkosten exponentiell in die Höhe schießen. Der ehemalige Tesla-Manager und jetzige CEO des schwedischen Batterieherstellers Northvolt, Peter Carlsson, rechnet deshalb damit, dass der Boom in nächster Zeit deutlich nachlassen wird, wie er dem Handelsblatt erklärte.

Northvolt errichtet in Heide (Schleswig-Holstein) eine Gigafabrik für die Batteriefertigung. Mit den Autobauern VW, BMW und Volvo hat das Unternehmen aus der schwedischen Hauptstadt Stockholm bereits Abnahmeverträge vereinbart. Unter den großen deutschen Autobauern priorisiert jedoch vor allem Mercedes-Benz den Wandel zum E-Auto und das Ende der Verbrenner-Produktion am deutlichsten. Mercedes will ab 2030 ausschließlich E-Autos bauen. Demnach könnte der schwäbische Autokonzern, der auch einen Standort in Hamburg betreibt, ein Neukunde für Northvolt werden.

E-Autos: Nachfrage steigt, aber Batteriehersteller kämpfen mit Kosten

Durch den derzeitigen E-Auto-Boom und die steigende Nachfrage nach batteriebetriebenen Modellen steigt auch der Bedarf an Batterien deutlich an. Durch den massiven Kostenanstieg von wichtigen Ressourcen wie Nickel oder Kobalt zur Herstellung der Batterien, haben aber auch die Hersteller aktuell zu kämpfen. „Der Krieg hat die Rohstoffpreise noch einmal massiv verteuert, sodass auch wir unsere Preise anheben mussten“, sagte Northvolt-CEO Peter Carlsson dem Handelsblatt. „Aber das ist nur ein vorübergehendes Phänomen.“

Dennoch werden die hohen Rohstoffpreise und die deshalb auch steigenden Kosten für E-Auto-Batterien den derzeitigen Boom deutlich ausbremsen, vermutet der Manager. Rohstoffe wie Nickel, Kobalt oder Lithium sind der Hauptbestandteil der Batterien. Für eine herkömmliche Nickel-Kobalt-Mangan-Batterie (NCM) seien die Kosten innerhalb eines Jahres um 29 Prozent gestiegen, berichtet das Handelsblatt. Peter Carlsson rechne deshalb mit einer kurzfristigen „Abkühlung“ des E-Auto-Booms, man sehe aber gleichzeitig auch, „dass die Nachfrage ungebrochen stark ist“. Das schwedische Unternehmen investiert rund vier Milliarden Euro in die Batteriefertigung in Deutschland und erhält auch Unterstützung von der Bundesregierung.

Batteriefertigung in Deutschland: Auch Mercedes-Benz könnte Kunde von Northvolt werden

Die norddeutsche Kleinstadt Heide ist als Standort für die Batteriefabrik von Northvolt deshalb geeignet, weil dort eine gute Anbindung an die norddeutschen und dänischen Offshore-Windparks sowie die Nordlink-Stromverbindung zu Norwegen besteht. Mit Mercedes-Benz in Stuttgart, BMW in München und Audi in Ingolstadt haben die meisten großen Autobauer ihre Hauptsitze zwar in Süddeutschland, was Northvolt-CEO Peter Carlsson aber nicht stört.

Dass Mercedes als Neukunde dazukommen könnte, hält der Manager für möglich. „Mit unseren deutschen Kunden ist die geplante Fabrik in Heide schon gut ausgelastet“, sagte Carlsson. „Aber wir wollen auch zusätzliche Kapazitäten für neue Kunden schaffen und Mercedes hat ja bereits angekündigt, dass man neben der Partnerschaft mit ACC noch weitere Batterieproduzenten sucht.“ Mercedes plant zwar selbst acht Gigafabriken für die Batteriefertigung, bei einer benötigten Kapazität von über 200 Gigawattstunden könnten die Schwaben aber auch weiterhin extern Batterien einkaufen. Die Fabrik von Northvolt in Heide soll eine Kapazität von etwa 60 Gigawattstunden erreichen und im Jahr 2025 mit der Produktion beginnen.

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