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Start-up werkelt an einer neuartigen E-Auto-Batterie auf Hanf-Basis

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Von: Julian Baumann

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Eine Hanfplanze (links) und die Batterie eines Ford Focus Electric (rechts).
Ein Start-up will E-Auto-Batterien auf Hanf-Basis produzieren, die den herkömmlichen Lithium-Ionen-Batterien im mehreren Aspekten überlegen sind. © Friso Gentsch/dpa & Imago stock&people (Fotomontage: BW24)

Hanf wird nicht nur als Droge verwendet, sondern auch in der Industrie eingesetzt. Ein Start-up will die Pflanze als Basis für E-Auto-Batterien nutzen.

Stuttgart/Texas - Der Dreh- und Angelpunkt bei der Produktion von E-Autos ist nach wie vor die Batterie. Die meisten Autohersteller verwenden in ihren Modellen Lithium-Ionen-Batterien, die auch beständig weiter entwickelt und angepasst werden. Dennoch gibt es bei der Art von Batteriezellen ein großes Problem. Laut einer Studie reicht ein Rohstoff für die Batterien nur noch für 11 Jahre. Lithium, Kobalt und Nickel sind Rohstoffe, die nicht unendlich abgebaut werden können, weswegen bereits emsig daran geforscht wird, die Kathode der Zellen mit einem erneuerbaren Rohstoff zu ersetzen.

Passend zur derzeitigen Debatte um die Legalisierung von Cannabis in Deutschland hat ein Start-up aus dem US-Bundesstaat Texas eine Methode entwickelt, Hanf als Grundlage für E-Auto-Batterien zu verwenden. Laut Son Nguyen, Gründer des Start-ups Bemp Research Corp., sind die Hanf-Batterien den herkömmlichen Lithium-Ionen-Batterien in Bezug auf die Energiedichte, die Sicherheit und vor allem bei den Kosten und der Umweltfreundlichkeit überlegen, wie er im Gespräch mit dem Portal EnergyTech erklärte. Ein anderes Start-up will dagegen E-Auto-Batterien auf Basis von Holz bauen.

E-Auto-Batterien setzen auf leichte Materialien anstelle von Schwermetallen wie Nickel und Kobalt

Hanf, lateinischer Name Cannabis, ist eine der ältesten Nutzpflanzen der Welt und wird neben dem Einsatz als Rauschmittel auch in der Industrie eingesetzt. Aus den Fasern der Stängel werden beispielsweise Seile gemacht, aus den Samen Speiseöl und die Blätter und Blüten können zu ätherischen Ölen weiterverarbeitet werden. Das Start-up Bemp Research Corp. will aus Hanf dagegen die Grundlage für neuartige E-Auto-Batterien gewinnen. „Hanf wurde aufgrund seiner Haltbarkeit, Porosität und geringen Kosten als eines der Kernmaterialien ausgewählt“, erklärte Son Nguyen.

Die neuartigen E-Auto-Batterien taufte das Start-up auf den nicht gerade handlichen Namen LiS/B4C-Hanf-Batterien. Die Abkürzung LiS steht für Lithium-Schwefel, B4C für Borcarbid. „Unsere Technologie verwendet leichte und reichlich vorhandene Materialien wie Schwefel, Bor und karbonisierten Hanf anstelle von Schwermetallen wie Nickel und Kobalt“, erklärte Nguyen gegenüber EnergyTech. „LiS/B4C-Hanf-Batterien sind den Lithium-Ionen-Batterien in Bezug auf gravimetrische Energiedichte, Sicherheit und vor allem Kosten und Umweltfreundlichkeit überlegen.“ Erste Prototypen der E-Auto-Batterien seien bereits von einer Forschergruppe um Nguyen selbst an der Universität von Wisconsin-Milwaukee entwickelt worden.

E-Auto-Batterien auf Hanfbasis sollen weniger entflammbar sein

Der große Vorteil der LiS/B4C-Hanf Batterien ist, dass Schwefel, Bor und Hanf in ausreichenden Mengen vorhanden ist, ganz ohne den zuletzt immer knapper gewordenen Rohstoff Lithium kommen die Batterien von Bemp Research Corp. aber doch nicht aus. Laut dem Gründer ist die Technologie den herkömmlichen Lithium-Ionen-Batterien dennoch überlegen. „Sie sind sicherer, denn wenn die Batterie beschädigt wird, reagiert der Schwefel sofort mit dem Lithium und bildet eine Passivschicht, sodass es nicht brennt“, erklärte er. Die hohe Entflammbarkeit der Batterien ist ein oft genannter Kritikpunkt. Laut einer Studie fangen Verbrenner und Hybride aber öfter Feuer als E-Autos.

Zudem sei der Vorteil eben, dass die Batterien ganz ohne Kobalt und Nickel auskommen und Lithium der einzige Rohstoff ist, der über Recycling gewonnen werden muss. Laut dem Gründer können die Batterien in circa 20 Minuten voll aufgeladen werden und halten für rund 100.000 Meilen (rund 161.000 Kilometer), bevor sie recycelt werden müssten. Das nächste Ziel des Start-ups sei es, größere Batteriezellen zu entwickeln und noch vor 2026 mit einer Massenproduktion zu beginnen. Zunächst sollen die Hanf-Batterien in Drohnen und elektrischen Nutzfahrzeugen wie Bussen und Lastwagen zum Einsatz kommen.

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