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Die „Zukunft der Elektromobilität“ hängt an der Kaufbereitschaft der Kunden, sagt der Bosch-Chef

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Von: Julian Baumann

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Stefan Hartung, Vorsitzende der Geschäftsführung von Bosch, aufgenommen vor einem Firmenlogo im Werk Stuttgart-Feuerbach.
Bosch-Chef Stefan Hartung nennt die Kundenakzeptanz als wichtige Voraussetzung für die Zukunft der E-Mobilität. © Bernd Weißbrod/dpa

Der Erfolg der E-Mobilität hängt von verschiedenen Faktoren ab. Laut Bosch-Chef Stefan Hartung spielt die Bereitschaft der Kunden eine ganz besondere Rolle.

Stuttgart - In der weltweiten Autoindustrie ist ein deutlicher Wandel bemerkbar. Traditionskonzerne wie Mercedes-Benz, VW oder auch General Motors und Ford setzen immer deutlicher auf batteriebetriebene Modelle und geben die Verbrenner-Produktion nach und nach auf. Zudem treten dem Branchenprimus Tesla folgend auch immer mehr E-Auto-Start-ups auf den Plan. Auf den Straßen sind die Stromer bereits weltweit angekommen, viele Autofahrer stehen der vermeintlich neuen Technologie allerdings noch immer skeptisch gegenüber. Der Chef des weltgrößten Autozulieferers, Bosch aus Stuttgart, ist jedoch der Meinung, dass gerade die Akzeptanz der Kunden entscheidend sei.

Neben den Autoherstellern sind auch die Zulieferer vom Wandel in der Branche betroffen. Die großen schwäbischen Autozulieferer Bosch, ZF und Mahle rüsten sich für das E-Auto-Zeitalter. Die Umstellung der Produktion ist eine Sache, doch bei anderen Weichenstellungen hapert es derzeit noch immer. Mercedes-Chef Ola Källenius nannte den Ausbau der Ladeinfrastruktur als wichtigste Voraussetzung, laut Bosch-Chef Stefan Hartung hängt der Erfolg der E-Mobilität aber auch maßgeblich von den Konsumenten ab, wie er im Interview mit der Süddeutschen Zeitung (SZ) erklärte.

Bosch-Chef zum Durchbruch der E-Mobilität: „Entscheidend ist die Politik - und vor allem der Konsument“

Die EU-Staaten haben sich final darauf geeinigt, ab 2035 nur noch emissionsfreie Neuwagen zu erlauben. Aktuell bereiten die extrem hohen Energiepreise der Branche allerdings Sorgen. Autoexperte Stefan Bratzel sagte, die Strompreisexplosion könne den Umstieg auf E-Autos gefährden. Statt den Prozess aufgrund der hohen Kosten zu verlangsamen, beschleunigen die Hersteller die Transformation aktuell noch. „Es ist ein Kraftakt, die Produktion auf Elektromobilität umzustellen, das kann man nicht einfach zurückdrehen“, erklärte Bosch-Chef Stefan Hartung der SZ. „Und wenn wir die Fabrik einmal umgerüstet haben, bauen wir sehr schnell sehr viele Autos.“

Für einen fristgerechten Umstieg müssen laut dem Vorstandsvorsitzenden des Stuttgarter Technologiekonzerns aber auch die Weichen entsprechend gestellt werden. „Wir müssen auch die nötige Infrastruktur für Elektromobilität einschließlich Wasserstoff schaffen: Ladesäulen, Leitungen, Netze, Wasserstofftankstellen - und das flächendeckend“, so Hartung. Damit der Zeitplan eingehalten werden könne, müsse auch dieser Ausbau schnell vonstattengehen. „Entscheidend für die Elektromobilität ist die Politik - und vor allem der Konsument.“ Der Konsument kaufe nicht notwendigerweise das, was er braucht, sondern das, was er will. „Die Kundenakzeptanz entscheidet über die Zukunft der Elektromobilität“, machte der Bosch-Chef deutlich.

Bosch-Chef Stefan Hartung: E-Mobilität ist Transformation der Konsumenten, nicht der Industrie

Auf der Seite der Autohersteller wächst das Angebot an elektrischen Modellen immer weiter an. Letztendlich müssen die Autofahrer aber auch bereit sein, von einem Verbrenner auf ein E-Auto umzusteigen. Demnach gehört mehr zum Erfolg der E-Mobilität, als das bloße Bereitstellen eines Angebots. „Dazu zählt auch eine Infrastruktur, die mit dem Hochlauf der Elektromobilität Schritt halten kann“, hatte Mercedes-Strategiechefin Carolin Strauß im Gespräch mit BW24 erklärt. „Denn der Wechsel zur Elektromobilität muss für den Kunden attraktiv sein, und das möglichst weltweit.“ Auch Bosch-Chef Hartung ist der Meinung, dass der Wandel zur Elektromobilität in erster Linie eine Transformation der Konsumenten sei, und nicht der Industrie.

Dass die Autofahrer die Transformation verzögern, sieht der Chef des weltgrößten Autozulieferers zwar nicht. „Allerdings sehen wir, dass die Menschen ihre Autos länger fahren als früher“, sagte Stefan Hartung der SZ. „Wir haben also ältere Verbrenner noch länger auf der Straße. Das ist nicht klimafreundlich.“ Der Bosch-Chef hatte bereits zuvor erklärt, dass es Autos mit Verbrenner noch lange geben werde. Deshalb hatte er auch die im EU-Entscheid verankerte Klausel für die E-Fuels befürwortet.

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