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Banken machen Druck auf Mahle: Kriselnder Autozulieferer muss Strategie für die Zukunft vorlegen

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Von: Julian Baumann

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Das Logo des Autozulieferers Mahle ist an der Zentrale des Unternehmens zu sehen, im Vordergrund steht eine Skulptur, die eine Kurbelwelle und Kolben eines Motors darstellt.
Der Druck auf den Automobilzulieferer Mahle wächst. Auch die Geldgeber fordern eine klare Strategie bei der Transformation zur E-Mobilität. © Marijan Murat/dpa

Für Mahle scheint die Transformation zur E-Mobilität eine besonders große Herausforderung zu sein. Die Banken üben zunehmend Druck auf den Autozulieferer aus.

Stuttgart - Die großen schwäbischen Autozulieferer Bosch, ZF und Mahle rüsten sich derzeit für das E-Auto-Zeitalter. Aktuell erschweren die hohen Energie- und Rohstoffpreise und auch die anhaltende Chipkrise den Prozess allerdings deutlich. Bei Mahle aus Stuttgart scheint die Transformation allerdings eine besonders große Herausforderung zu sein. Die Folgen der Corona-Krise hatten dem Unternehmen bereits massiv zugesetzt und der Wandel der Industrie tut derzeit sein Übriges. Zu Beginn des Jahres wurde mit Matthias Arleth ein neuer Mahle-Chef vorgestellt, der den Zulieferer aus der Krise ziehen sollte.

Dieser Hoffnungsschimmer für das angeschlagene Traditionsunternehmen hielt jedoch nicht lange. Nur vier Monate später schmiss Matthias Arleth seinen Job als Mahle-CEO hin, als Grund wurden Uneingigkeiten in Bezug auf die strategische Ausrichtung des Konzerns genannt. Für die Situation des Stuttgarter Autozulieferers war das nicht zuträglich, zumal Mahle allein in den vergangenen vier Jahren ganze drei Chefs vergrault hatte. Laut einem Bericht des Manager Magazins werden inzwischen auch die Geldgeber des Konzerns immer unruhiger und verlangen eine konkrete Strategie für die Zukunft.

Mahle in zunehmend kritischer Situation: „Ob der Aufsichtsrat das verstanden hat? Ich weiß es nicht“

Um aus der gefühlten Dauerkrise herauszukommen, haben die Stuttgarter zwar einige Hebel in Bewegung gesetzt - Mahle setzt beispielsweise auf die Batteriediagnose bei E-Autos - große Früchte trug das Ganze aber bislang nicht. Die finanzgebenden Institute, allen voran die Landesbank Baden-Württemberg sowie Commerzbank und Deutsche Bank, üben immer mehr Druck auf den angeschlagenen Autozulieferer aus. Zudem sehnen sich auch die Angestellten und das Management nach einer klaren Linie und nach Stabilität auf dem Chefposten sehnen.

Der Neue an der Spitze von Mahle, Arnd Franz, soll dem Manager Magazin zufolge bei der Vorlage der Zahlen aber auch nicht gerade entzückt gewesen sein. Aufsichtsratsvorsitzender und de facto Mahle-Alleinherrscher Heinz Juncker hatte dem neuen CEO die Lage des Unternehmens offenbar nicht so deutlich dargestellt. „Der Geschäftsführung ist die kritische Situation bewusst“, heißt es von der Unternehmensspitze. „Aber ob der Aufsichtsrat das verstanden hat? Ich weiß es nicht.“ Juncker soll sogar einen Zukunftsvorschlag von Interims-CEO Michael Frick blockiert haben.

Pläne für Mahle-Neuausrichtung abgeblockt: Finanzvorstand wechselt ab Dezember zur Konkurrenz

Finanzvorstand Michael Frick, der über den Sommer den Chefposten bei Mahle innehatte, wollte das Verbrenner- und das Zukunftsgeschäft deutlich voneinander abtrennen. Mahle hängt als einer der wichtigsten Hersteller von Kolben, Zylindern und Ventilsteuerungen noch immer mehr als deutlich am Verbrenner und kann den Switch wohl nicht ohne Weiteres bewerkstelligen. Diesen Bereich wollte der Interims-CEO laut dem Manager Magazin kontinuierlich schrumpfen und im Gegenzug deutlich in Zukunftstechnologien wie die Kühlung von E-Auto-Batterien oder Elektrokompressoren investieren. Mahle hatte Anfang Juli einen besonders ausdauernden E-Auto-Motor präsentiert.

Über die bloße Theorie ging der Plan des Interims-CEO allerdings nicht hinaus und das Abblocken durch Heinz Juncker trieb den Finanzvorstand von Mahle offenbar direkt in die Arme der Konkurrenz. Michael Frick wird ab Dezember die Position des Finanzvorstands beim schwäbischen Konkurrenten ZF Friedrichshafen übernehmen. Der Stiftungskonzern vom Bodensee hat zwar ebenfalls mit der Transformation zu kämpfen, schlägt sich aber deutlich besser. Auch Bundeskanzler Olaf Scholz erklärte nach einem Besuch bei der ZF: „Man geht mit großer Zuversicht wieder weg“.

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