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Berechnung zeigt: Chipkrise ist noch lange nicht vorbei

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Von: Julian Baumann

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Ein Güterzug mit neuen Elektrofahrzeugen aus einem Autowerk steht neben dem Werksgelände.
Einer Berechnung zufolge fehlt es durch die Chipkrise weltweit derzeit noch an über 59.000 Fahrzeugen, die nicht ausgeliefert werden können. © Hendrik Schmidt/dpa

Einer Berechnung zufolge ist die Chipkrise in der Autoindustrie noch lange nicht überstanden. Weltweit fehlen demnach bereits 3,1 Millionen Fahrzeuge.

Stuttgart - Die Chipkrise, ausgelöst durch Lieferengpässen von Halbleiterkomponenten, macht der weltweiten Autoindustrie seit vielen Monaten zu schaffen. Mercedes-Chef Ola Källenius sagte bereits im vergangenen Jahr, dass fehlende Chips auch 2022 noch ein Problem darstellen werden. Damit hatte der CEO von Mercedes-Benz recht, denn der Ukraine-Krieg, der seit dem 24. Februar andauert, verstärkte die Lieferprobleme zusätzlich. Chipkrise und Ukraine-Krieg bremsten im Frühjahr die internationalen Automärkte aus.

Bei Mercedes, Porsche oder auch Tesla führte die Chipkrise dazu, dass Besteller teilweise sehr lange auf die Auslieferung ihrer E-Autos warten mussten. Experten erwarteten bereits, dass sich der Lieferengpass im Laufe des Jahres zunehmend erholen wird. Wie eine Berechnung des US-Beratungsinstituts AutoForecast Solutions für Automotive News nun ergab, wird die Chipkrise aber wohl noch bis Ende des Jahres andauern.

Chipkrise in der Autoindustrie macht sich in Nordamerika und Asien besonders bemerkbar

Durch die Lieferengpässe von Halbleiterkomponenten stand in den vergangenen Monaten bei vielen Fahrzeugherstellern temporär die Produktion still. Bei Daimler Truck standen zweitweise massenhaft neue Fahrzeuge bereit, die nicht ausgeliefert werden konnten. Inzwischen konnte der Produktionsrückstand nach und nach wieder aufgeholt werden, den Berechnungen von AutoForecast Solutions zufolge fehlt es weltweit aber noch immer an über 59.000 Fahrzeugen, die bereits bei den großen Herstellern bestellt, aber aufgrund des Chipmangels nicht ausgeliefert werden können.

In Europa konnten die Hersteller die Chipkrise weitgehend abfedern. Mercedes-Benz baut die vorhandenen Komponenten bevorzugt in hochpreisige Modelle ein und konnte den Problemen dadurch trotzen. Deshalb fahren die Autobauer trotz Chipkrise mehr Gewinne ein, wie eine Studie ergab. Auch die Berechnungen zeigen, dass die Lage in Europa zumindest noch überschaubar ist. Demnach fehlen dort aktuell noch 7.700 Fahrzeuge, in Nordamerika dagegen 29.900 und in Asien 21.500.

Berechnung zeigen 3,1 Millionen fehlende Fahrzeuge bis Ende August

Auf den asiatischen Automärkten, zu denen mit China auch der weltweit größte gehört, hat laut Automotive News vor allem Honda mit extremen Problemen zu kämpfen. „Honda versucht jetzt, Alternativen für die Produkte zu finden, mit denen man bisher aus China beliefert wurde“, erklärte AutoForecast Solutions-Vizepräsident Sam Fiorani. „Das ist ein großer Teil der aktuellen Probleme in Japan, es besteht eine hohe Abhängigkeit von China, was die Lieferketten angeht. Die Lieferungen aus China sind aber aktuell nicht mehr so verlässlich wie früher.“

Gerade der auch für Mercedes-Benz und Co. sehr wichtige chinesische Automarkt hatte in den ersten Monaten des Jahres massiv mit Problemen zu kämpfen. Durch die steigende Nachfrage nach E-Autos erholt sich Chinas Automarkt seit Juli immer weiter. Insgesamt macht sich die Halbleiterkrise aber noch immer deutlich bemerkbar. Die Analysten von AutoForecast Solutions gingen laut Automotive News von global 3,9 Millionen fehlenden Fahrzeugen im Jahr 2022 aus. Allein bis Ende August ergaben die Berechnungen allerdings bereits 3,1 Millionen fehlende Fahrzeuge und eine Besserung der Lage wird von Experten erst Mitte kommenden Jahres erwartet.

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