1. bw24
  2. Auto

Chipkrise wird laut Studie länger andauern, als befürchtet: „Sehen keine Verbesserung der Lage“

Erstellt:

Von: Julian Baumann

Kommentare

Mitarbeiter von VW arbeiten am ID.4.
Laut einer Studie wird die Chipkrise noch bis mindestens 2025 Probleme bereiten. Die Produktion von E-Autos ist aufgrund des erhöhten Bedarfs an Halbleitern besonders betroffen. © Sina Schuldt/dpa

Hoffnungen der Autoindustrie, dass die Halbleiterproblematik bald vorbei sein könnte, werden sich offenbar nicht erfüllen. Laut einer Studie dauert die Chipkrise noch bis mindestens 2025 an.

Stuttgart - Die Chipkrise, ausgelöst durch den Lieferengpass von wichtigen Halbleiterkomponenten, bremst die weltweite Automobilwirtschaft bereits seit Anfang 2021 massiv aus. Bosch-Chef Stefan Hartung warnte, dass 2022 „ganze Autos nicht gebaut werden“ könnten. Diese Vorhersage hat sich in Teilen bewahrheitet, Kunden von Mercedes, Porsche oder Tesla müssen derzeit lange auf die Auslieferung ihrer E-Autos warten, da die anhaltende Chipkrise noch durch unterbrochene Lieferketten durch den Ukraine-Krieg verschärft wurde. Auch Mercedes-Chef Ola Källenius hatte gewarnt, dass die fehlenden Chips auch 2022 ein Problem sein werden.

Erst vor wenigen Wochen zeigte eine Berechnung, dass die Chipkrise noch lange nicht vorbei ist. Zum damaligen Zeitpunkt fehlte es aufgrund der mangelnden Halbleiterkomponenten an 3,1 Millionen Fahrzeugen. Führungskräfte der deutschen Autoindustrie, wie dem Manager Magazin zufolge beispielsweise der Einkaufschef von Volkswagen, gingen bislang allerdings davon aus, dass die Krise bis Ende des Jahres deutlich abgeschwächt sein werde. Eine aktuelle Studie der Porsche-Tochter Porsche Consulting macht diese Hoffnung zunichte. Demnach werde die Halbleiterkrise noch bis mindestens 2025 Probleme bereiten.

Chipkrise dauert laut Studie noch bis 2025 an - „keine kurzfristige Verbesserung der Versorgungslage“

Der Lieferengpass von Halbleiterkomponenten führt seit Monaten dazu, dass Hersteller ihre Produkte nicht oder nur teilweise produzieren können. Neben den Autobauern sind davon auch Hersteller von Smartphones, Computer, medizinischen Geräten und andere Branchen betroffen. Für die Autoindustrie ist die Krise allerdings besonders fatal, da sie zeitgleich mit der weltweiten Transformation zur E-Mobilität stattfindet und E-Autos deutlich mehr Mikroprozessoren benötigen als herkömmliche Verbrenner. In den aktuellen vollelektrischen Neuwagen sind rund 5.000 bis 7.000 Chipkomponenten verbaut.

Unser Auto-Newsletter versorgt Sie einmal wöchentlich mit allen wichtigen News rund um Mercedes-Benz, Porsche, Tesla und E-Autos. Hier geht es zur Anmeldung.

Da es seit vielen Monaten eben an diesen Komponenten mangelt, steht die weltweite Autoindustrie vor Problemen. Deutsche Besteller beklagten auch bei Tesla bereits eine Auslieferungsverzögerung bis 2023 und ein Ende der Krise ist noch nicht in Sicht. „Aktuelle Versorgungsprognosen über den Halbleiter-Weltmarkt zeigen, dass Engpässe bis 2025 absehbar sind“, heißt es im Vorwort zu der Studie. „Wir sehen im Chipmarkt keine kurzfristige Verbesserung der Versorgungslage“, machte Sohil Hashemi, Senior Manager von Porsche Consulting, laut dem Manager Magazin deutlich.

Lieferengpässe künftig vermeiden: Unternehmen wie Bosch produzieren Halbleiter in Deutschland

Mit dem Fokus auf hochpreisige Modelle konnten die Premiumhersteller die Krise zumindest abfedern. Mercedes-Benz baut die wenigen vorhandenen Halbleiterkomponenten vorrangig in hochpreisige Modelle wie die S-Klasse oder den EQS ein. Dadurch konnten die Autohersteller trotz Chipkrise hohe Gewinne einfahren. Deutlich problematischer ist die Lage bei Volumenherstellern wie Volkswagen. Am Stammwerk in Wolfsburg, der größten Fabrikanlage der Welt, sind im ersten Halbjahr 2022 gerade mal 190.000 Autos vom Band gelaufen. Einkalkuliert hatte der Autokonzern, die Halbleiterproblematik einberechnet, etwa 570.000 produzierte Fahrzeuge für das Gesamtjahr.

Um den anhaltenden Lieferproblemen entgegenzuwirken, ist die Produktion eigener Halbleiterkomponenten in Deutschland ein möglicher Lösungsansatz. Der größte Autozulieferer der Welt, Bosch, eröffnete Mitte 2021 eine hochmoderne Chipfabrik in Dresden, die im Juli vergangenen Jahres mit der Produktion begann. Die Halbleiterkomponenten, die dort hergestellt werden, sollen letztlich als Mikrochips in der Autoindustrie eingesetzt werden, hatte eine Bosch-Pressesprecherin auf Anfrage von BW24 im Juni 2021 bestätigt. Zudem betreibt der Stuttgarter Konzern in Reutlingen bereits seit dem Jahr 1971 ein Halbleiter-Werk.

Auch interessant

Kommentare