1. bw24
  2. Auto

Bosch will „solange wie möglich“ noch Verbrenner-Komponenten produzieren 

Erstellt:

Von: Julian Baumann

Kommentare

Auch der weltgrößte Autozulieferer Bosch befindet sich mitten in der Transformation zur E-Mobilität. An den Komponenten für Verbrenner will man aber weiterhin festhalten.

Stuttgart - Der Wandel in der Autoindustrie ist nicht nur bei den Herstellern, sondern auch bei den Zulieferern in vollem Gange. Auch die großen schwäbischen Autozulieferer Bosch, ZF und Mahle rüsten sich für das E-Auto-Zeitalter. Bosch mit Hauptsitz in Stuttgart hat nach eigenen Angaben bereits mehr als fünf Milliarden Euro in die Transformation investiert. Ein Großteil der Arbeitsplätze beim größten Autozulieferer der Welt hängt aber nach wie vor am Verbrenner und diese Technologie wollen die Schwaben auch noch lange nicht aufgeben.

Bosch-Chef Stefan Hartung machte in Bezug auf die Zukunft der Mobilität bereits im vergangenen Jahr eine deutliche Ansage. „Autos mit Verbrenner wird es weiter geben“, sagte der Vorsitzende der Bosch-Geschäftsführung. Zwar setzt der Technologiekonzern seinen Fokus zunehmend auf E-Autos und die Brennstoffzelle, will das Kerngeschäft aber nicht aufgeben, wie Paul Thomas, Executive Vice President von Bosch North America, auf dem Automotive News Congress erklärte.

Bosch und die traditionellen Technologien: „Wollen solange wie möglich in allen Branchen bleiben“

Für die Autozulieferer ist die Transformation mitunter deutlich aufwändiger als für die Hersteller. Die ZF Friedrichshafen stellte bislang hauptsächlich Antriebs- und Fahrwerktechnik her und Mahle produzierte ebenfalls Systeme für den Verbrennungsmotor – wie Kolben, Zylinder und Ventilsteuerungen. Auch Bosch ist nach wie vor in großem Maße von den traditionellen Technologien abhängig und will diese, mit dem Ziel weiterhin als weltgrößter Autozulieferer zu fungieren, auch nicht vernachlässigen. „Wir wollen so lange wie möglich in allen Branchen bleiben“, sagte Paul Thomas. „Wir glauben, dass es eine Zukunft für den Verbrennungsmotor gibt.“

Beim Automobilzulieferer MDC Power in Kölleda (Thüringen) montiert oine Mitarbeiterin Vierzylinder-Benzinmotoren.
Obwohl Bosch ebenfalls auf die Zukunftstechnologien setzt, will der weltgrößte Autozulieferer auch weiterhin Verbrenner-Komponenten bauen. (Symbol- und Archivfoto) © Martin Schutt/dpa

Diese Aussage deckt sich mit einer von Bosch-Mobility-Chef Markus Heyn, der sagte, dass der Verbrenner weltweit noch lange gebraucht werde. Eben weil die Transformation und beispielsweise auch der Ausbau der Ladeinfrastruktur nicht überall gleich schnell vorangeht, wird ein kompletter Umstieg nicht so schnell stattfinden können. Auch der Executive Vice President von Bosch North America erklärte, dass jede Region der Welt sich auf unterschiedliche Weise einem Ende der Verbrenner-Produktion annähere. Zu den Komponenten, die Bosch auch in Zukunft nicht aufgeben will, zählen laut Thomas Kernprodukte der Verbrenner-Produktion wie Kraftstoffeinspritzdüsen und Brems- und Kraftstoffsysteme.

Bosch setzt neben E-Mobilität auch auf Wasserstoff – Porsche will Verbrenner retten

Gerade in Bezug auf die nach wie vor gigantische Anzahl an zugelassenen Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor weltweit ist ein schneller Umstieg wohl nicht ohne Weiteres möglich. Die EU-Staaten haben sich zwar darauf geeinigt, ab 2035 nur noch klimafreundliche Neuwagen zu erlauben, die Bestandsflotte muss dann allerdings noch immer angetrieben werden. Bosch setzt deshalb neben der klassischen E-Mobilität auch auf die Wasserstoff-basierte Brennstoffzelle. Dieser Antrieb habe das Potenzial, die Dieselmotoren in großen Lkw zu ersetzen, erklärte Paul Thomas auf dem Automotive News Congress.

Lkw-Hersteller Daimler Truck setzt bereits auf eine Doppelstrategie aus Elektro und Wasserstoff und Porsche will mit den E-Fuels auch Verbrennungsmotoren klimaneutral antreiben. Die synthetischen Kraftstoffe aus grünem Strom werden mit Solar- und Windenergien erzeugt und zu Testzwecken auch bereits in Baden-Württemberg eingesetzt. Porsche hat allerdings sehr viel größere Pläne und errichtete in Chile eine Pilotfabrik für E-Fuels. Zum Start der Produktion wurde ein Porsche 911 mit E-Fuels betankt.

Auch interessant

Kommentare