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Viele Autofahrer nutzen laut Umfrage Blitzer-Warn-Apps - obwohl sie verboten sind

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Von: Julian Baumann

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Ein Modell von Mercedes-Benz neben einer Blitzeranlage in der Kölner Innenstadt.
Viele Autofahrer nutzen Warn-Apps, um Radarfallen zu entkommen. Die sind in Deutschland aber nicht erlaubt (Symbolbild). © Friedrich Stark/Imago

Laut einer Umfrage verwendet viele Autofahrer in Deutschland sogenannte Blitzer-Warn-Apps. Die sind in der Bundesrepublik aber gar nicht erlaubt.

Stuttgart - Von einem Blitzer erwischt werden ist immer ärgerlich, vor allem, wenn ein paar Tage später der Bußgeldbescheid mit einem oftmals unvorteilhaften Bild des Fahrers ins Haus flattert. Ein unbelehrbarer Mercedes-Fahrer wurde in einem Monat gleich 85 Mal geblitzt und musste ordentlich blechen. Um nicht ahnungslos mit zu hoher Geschwindigkeit von einem Blitzer überrascht zu werden, hören viele Autofahrer aufmerksam die entsprechende Benachrichtigung der Radiosender. Laut einer Umfrage verwendet ein Großteil der deutschen Autofahrer allerdings auch sogenannte Blitzer-Warn-Apps, obwohl sie in Deutschland gar nicht erlaubt sind.

Auf den deutschen Straßen geht es mitunter sehr rasant und waghalsig zu, mobile Blitzer sollen den Rasern Einhalt gebieten. Auch in Baden-Württemberg nimmt die Polizei bei Blitzermarathons immer wieder Raser ins Visier. Dass Autofahrer mit deutlich zu hoher Geschwindigkeit erwischt werden, hat zumindest für den Staat aber auch einen Vorteil. Baden-Württemberg erzielte 2021 durch Blitzer und Abstandsmesser Rekord-Einnahmen in Millionenhöhe. Polizei und Ordnungsamt wollen sich bei der Radarkontrolle auch nicht hinters Licht führen lassen, weswegen die Warn-Apps nicht erlaubt sind.

Blitzer-Warn-Apps in Deutschland nicht erlaubt - „Polizei will sich nicht austricksen lassen“

Eine Umfrage mit über 780 Teilnehmern des Digitalverbands Bitkom ergab, dass 9 von 10 Autofahrer sich unterwegs über Radarfallen oder Blitzer informieren. Während Radio-Meldungen Informationen über Radarkontrollen mitteilen, warnen bestimmte Apps beispielsweise auch vor mobilen Blitzern. „Schneller fahren als die Polizei erlaubt – aber rechtzeitig vor einer Radarkontrolle runterbremsen. Das wünschen sich viele Autofahrerinnen und Autofahrer“, heißt es in einer Pressemitteilung zu der Studie. Demnach nutzen 49 Prozent der Befragten eine technische Möglichkeit, die frühzeitig vor Blitzern und Radarfallen warnt. 27 Prozent verwenden dafür eine Blitzer-Warn-App auf dem Smartphone, 14 Prozent ein spezielles Radarwarngerät und 13 Prozent eine Blitzer-Warnung auf dem Navigationsgerät.

Durch die Stadt rasen und kurz vor dem Blitzer runterbremsen ist allerdings nicht Sinn der Sache. Zudem sind die meisten technischen Warnsysteme laut der Straßenverkehrsordnung auch verboten. „Nicht alles, was technisch möglich ist, ist auch erlaubt“, erklärte Bitkom-Hauptgeschäftsführer Bernhard Rohleder laut der Mitteilung. „Polizei und Ordnungsamt wollen sich nun mal nicht austricksen lassen.“ Im Bußgeldkatalog wird der entsprechende Paragraf der Straßenverkehrsordnung wie folgt zitiert: „Wer ein Fahrzeug führt, darf ein technisches Gerät nicht betreiben oder betriebsbereit mitführen, das dafür bestimmt ist, Verkehrsüberwachungsmaßnahmen anzuzeigen oder zu stören. Das gilt insbesondere für Geräte zur Störung oder Anzeige von Geschwindigkeitsmessungen (Radarwarn- oder Laserstörgeräte).“

Apps bewahren Fahrer eventuell vor Blitzer - Kontrolle führt aber ebenfalls zu Bußgeld und Punkten

Wer dennoch mit einem solchen Gerät im Straßenverkehr erwischt wird, entgeht dadurch vielleicht der Radarfalle, macht sich aber trotzdem strafbar. Dem Bußgeldkatalog zufolge wird eine Geldstraße von 75 Euro und ein Punkt in Flensburg fällig. Allerdings ist es nicht üblich, dass die Polizei bei einer Verkehrskontrolle auch die Smartphones der Autofahrer nach bestimmten Warn-Apps durchsucht, weswegen die meisten wohl ungeschoren davonkommen. Insgesamt gilt jedoch anzumerken, dass optische oder visuelle Signale, wie sie Apps zur Warnung vor Radarfallen verwenden, den Fahrer ablenken und so gefährden können. Deshalb sind Blitzer-Apps und Radarwarner auch für Beifahrer verboten, berichtet der MDR.

Trotz der Verbote sind die Apps im Straßenverkehr laut der Umfrage aber sehr beliebt. Auch entsprechende Facebook-Seiten, wie beispielsweise „Polizeikontrollen Stuttgart“, können auf Radarfallen und Blitzer hinweisen, sollten aber wohl auch nicht unbedingt während der Fahrt gelesen werden. Der Umfrage zufolge ist ein Großteil der Befragten von der Wirkung der Apps aber gar nicht überzeugt. Demnach gaben nur 26 Prozent an, dass die Blitzer-Warnung zuverlässig funktioniert. 36 Prozent verwenden solche technischen Möglichkeiten dennoch bei jeder Fahrt. Seit dem 7. Juli ist in der EU allerdings eine Blackbox Pflicht, die das Fehlverhalten von Autofahrern überwacht.

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