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China will mehr Benziner und Diesel verkaufen - und dies sogar aktiv fördern

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Von: Julian Baumann

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Die Niederlassung von Mercedes-Benz in Peking.
Auch für Mercedes-Benz ist China inzwischen der wichtigste Absatzmarkt. Von einer Steuersenkung für Verbrenner profitieren die deutschen Hersteller aber weniger. © Reiner Unkel/Imago

China hält von einem Verbrenner-Ende bislang eher wenig. Stattdessen will die Regierung den Verkauf von Benzinern und Diesel sogar aktiv fördern.

Stuttgart/Peking - Der geografisch-geologische Begriff „Eurasien“ fasst Europa und Asien zu einem Riesenkontinent zusammen. In Bezug auf die Mobilität der Zukunft gibt es auf den beiden Kontinenten allerdings sehr unterschiedliche Ansichten. Die 27 EU-Mitgliedsstaaten haben sich kürzlich darauf geeinigt, dass ab 2035 nur noch klimafreundliche Neuwagen verkauft werden dürfen. Das gilt sowohl für die Neuwagen der deutschen Autokonzerne Mercedes-Benz, BMW, VW und anderer europäischer Hersteller, als auch für Unternehmen aus Nicht-EU-Ländern, die ihre Fahrzeuge in Europa anbieten.

Der weltgrößte Autozulieferer, Toyota, will weiter Verbrennungsmotoren bauen. Dafür wurde der japanische Konzern bereits deutlich kritisiert. In China, das auch für die deutschen Traditionskonzerne der größte Absatzmarkt ist, ist man in diesem Punkt aber offenbar ähnlicher Meinung. China will noch bis mindestens 2060 Verbrenner erlauben und hat nun sogar eine Verkaufsförderung für Benzin- und Dieselmodelle auf den Weg gebracht. Der Automobilwoche zufolge profitieren die deutschen Hersteller davon allerdings nur wenig.

China will mit Steuersenkung für Verbrenner Automarkt ankurbeln

Auch in China gilt das E-Auto inzwischen als die Mobilitätslösung der Zukunft. In der Wirtschaftsmetropole Shanghai betreibt etwa Branchenprimus Tesla eine wichtige Produktionsanlage. Eine Befragung im Auftrag des deutschen Autozulieferers Continental ergab nun allerdings mehr als deutlich, dass der Benziner in China nach wie vor der meistgenutzte Antrieb ist. Zuletzt hatte der größte Automarkt der Welt allerdings mit erneuten Corona-Ausbrüchen zu kämpfen. Unter anderem stand auch die besagte Tesla-Fabrik in Shanghai temporär still. Die Mitarbeiter schliefen in der Fabrik, zur Freude von Tesla-Boss Elon Musk, der den Einsatz der chinesischen Mitarbeiter lobte.

Um den Autoverkauf in China wieder anzukurbeln, will die chinesische Zentralregierung und die lokale Regierung die Kfz-Kaufsteuer im Zeitraum Juni bis Dezember 2022 von derzeit zehn auf fünf Prozent senken. Laut Angaben der Automobilwoche gilt diese Regelung aber nur für Fahrzeuge, die einen Hubraum von maximal 2,0 Litern und einen Kaufpreis von maximal 300.000 Yuan (rund 45.000 Euro) haben. Aufgrund dieser Einschränkung werden die deutschen Autohersteller von der Senkung der Kaufsteuer wohl eher nicht profitieren können.

Mercedes, BMW und VW verkaufen in China vorrangig große SUV und Limousinen

Für Mercedes-Benz, BMW und VW ist China inzwischen der wichtigste Absatzmarkt. Das gilt auch für die VW-Tochter Porsche aus Stuttgart. Mercedes und Co. verlieren auf dem größten Markt aber immer mehr den Anschluss. Das soll laut einem Bericht aus dem Februar an der schlechteren Software der deutschen Hersteller liegen, die nicht die Bedürfnisse der chinesischen Kunden erfülle. Dass die Autohersteller nicht von der Kfz-Kaufsteuersenkung profitieren werden, hat allerdings einen anderen Grund. In China sind von Mercedes und Co. vor allem die großen SUVs und Limousinen gefragt, die einen Hubraum von 2,0 Litern und auch einen Kaufpreis von 45.000 Euro mitunter deutlich überschreiten.

Mercedes-Benz will zwar ab 2030 nur noch batteriebetriebene Autos herstellen, verweist diesbezüglich aber stets auf den Zusatz: „überall da, wo es die Marktbedingungen zulassen“. Demnach könnte der große Autokonzern aus Stuttgart auch nach 2035 und einem endgültigen Verbrenner-Aus weiterhin Benzin- und Dieselmodelle in China anbieten. Dasselbe gilt für die anderen europäischen Hersteller, da China noch bis mindestens 2060 Verbrenner erlauben will. Die Ratingagentur Fitch Ratings erwartet nach Angaben der Automobilwoche allerdings, dass E-Autos ein wichtiger Wachstumsmotor für Chinas Automarkt bleiben und im laufenden Jahr mehr als 20 Prozent des Absatzes ausmachen werden.

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