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„Wir beginnen, wo Mercedes aufhört“: Bentley-Chef spürt keine Bedrohung aus Stuttgart

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Von: Julian Baumann

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Adrian Hallmark, CEO von Bentley Motors Limited, sitzt in einem Auto der britischen Marke.
Bentley-Chef Adrian Hallmark fühlt sich von der Luxus-Strategie von Mercedes-Benz nicht bedroht. © Bentley

Mercedes-Benz setzt mit der Luxus-Strategie auf hochpreisige Modelle. Der Chef des Luxusautobauers Bentley fühlt sich davon allerdings nicht bedroht. 

Stuttgart/Crewe - Mitte Mai verkündete Mercedes-Chef Ola Källenius und der Vorstand des Autokonzerns die erweiterte Luxus-Strategie. Demnach will sich Mercedes-Benz künftig noch stärker auf den Luxus konzentrieren und den Einstiegsbereich ausdünnen. Mit dieser Strategie fahren die Schwaben seitdem durchaus gut und konnten durch den Verkauf hochpreisiger Modelle sogar der Chipkrise und den Lieferproblemen trotzen. Durch den Fokus des Traditionskonzerns aus Stuttgart auf den Luxus rückt die Marke mit dem Stern in direkte Konkurrenz zum Nachbarn Porsche und auch zu anderen Luxusherstellern.

Mit dem Fokus auf die E-Mobilität und dem immensen Erfolg von US-Unternehmen Tesla rückt der Luxus in der Automobilbranche immer mehr ins Zentrum der Kundenaufmerksamkeit. Weltweit steigt die Zahl an Personen, die sich ein teures Luxusauto leisten können, immer weiter an. Davon profitieren inzwischen nicht mehr nur die klassischen Luxushersteller, sondern durch die Luxus-Strategie auch die großen Weltkonzerne Mercedes-Benz und BMW. Der Chef der VW-Tochter Bentley fühlt sich von der Neuausrichtung des ältesten Autoherstellers aber nicht bedroht, wie er im Interview mit dem Manager Magazin erklärte.

Mercedes-Benz setzt auf Luxus und hochpreisige Modelle - Bentley setzt Preise noch weiter oben an

Der britische Autohersteller Bentley gehört seit 1998 zum Volkswagen-Konzern und seit 2022 zur VW-Tochter Audi. Innerhalb des zweitgrößten Autokonzerns der Welt steht Bentley für komfortablen Luxus und ist damit eher mit der Mercedes-Marke Mercedes-Maybach zu vergleichen, als mit den sportlichen Konzernschwestern Porsche und Lamborghini. Dass Mercedes-Benz verstärkt in das Luxus-Segment vordringen will, bereitet Bentley-CEO Adrian Hallmark aber keine Sorgen. „Wir haben uns selbst weiter nach oben orientiert“, erklärte der dem Manager Magazin. „Unsere Preise starten bei 170.000 Euro. Wir beginnen, wo Mercedes aufhört.“ Ein gewisser Druck der großen Konzerne lässt sich in der Aussage dennoch erahnen, da die Briten ihre Preise mit Sicherheit nicht willkürlich noch weiter nach oben orientiert haben.

Die Preise für die neuen Modelle von Mercedes-Benz dürften im Rahmen der Luxus-Strategie ebenfalls deutlich höher angesetzt werden, als zuvor. „Die preisliche Positionierung bewegt sich im Bereich der S-Klasse, des EQS oder auch des EQS SUV“, erklärte Mercedes-Finanzvorstand Harald Wilhelm Ende Mai. „Erwarten Sie nicht weniger.“ Bentley setzt seine Preise aber demnach noch weiter oben an und zeigt sich auch sonst von dem großen Autokonzern nicht eingeschüchtert. „Wir respektieren den Wettbewerb. Und wir schauen uns die Modelle anderer Marken an, fahren sie auch regelmäßig“, sagte Adrian Hallmark. „Aber wir stellen sicher, dass wir sie in den Bereichen schlagen, in denen wir es müssen. Wir werden selbst angreifen.“

Bentley-Chef: „Die ‚Porscherisation‘ ist gut für Volkswagen“

Bentley konkurriert allerdings nicht nur im Luxus-Segment mit den Konzernschwestern Porsche und Audi und auch mit Mercedes-Benz oder BMW. Die britische Marke hat sich das engagierte Ziel gesetzt, bis 2030 vollständig auf E-Autos umzustellen. Bentley will ab 2030 keine Motoren mehr produzieren. Gerade für Hersteller von teuren Luxusautos, die auch über hohe Leistungen verfügen, ist dieser Schritt nicht ganz einfach. „Wir sind nicht Lamborghini oder Ferrari“, machte Bentley-Chef Hallmark deutlich. Man baue große Autos und wolle trotzdem ein gewisses Understatement ausstrahlen. „Es ist eine Herausforderung, Luxusprodukte zu entwickeln, die gesellschaftlich akzeptiert werden.“

Im Luxus-Segment hat Bentley auch in den eigenen Reihen sehr erfolgreiche Mitwerber. Die meisten Modelle der britischen Marke basieren auf der Plattform des Porsche Panamera, diese Plattform musste dafür aber entsprechend umgerüstet werden. Seit Anfang des Jahres gehört Bentley innerhalb des VW-Konzerns nicht mehr zu Porsche, sondern zu Audi. „Porsche baut Sportwagen, unsere Modelle sind denen von Audi ähnlicher“, erklärte Adrian Hallmark dem Manager Magazin.

Dass mit Oliver Blume der Porsche-Chef nun auch den VW-Konzern leitet, begrüßt der Manager jedoch. „Die ‚Porscherisation‘ ist gut für Volkswagen. Porsche steht für Teamgefühl und extreme Performance – auch bei den Entscheidungen. Genau das brauchen wir“, führte der Bentley-CEO aus. „Wir brauchen Tempo. Und Oliver Blume bringt genau dieses Mindset mit. Aber die Bentley-Modelle passen besser zur Marke Audi.“

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