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Ernüchternd: Qualität neuer Autos nimmt ab - auch deutsche Marken betroffen

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Von: Julian Baumann

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Die Mercedes-Benz C-Klasse 300e auf einer Testfahrt in Immendingen.
Deutsche Autos sind bei der Verarbeitung noch immer das Maß aller Dinge. Der ADAC war allerdings nicht von allen Modellen überzeugt. © Mercedes - Benz - Global Communications

Laut einem Bericht des Automobilclubs ADAC nimmt die Qualität von Neuwagen immer mehr ab. Sogar die deutschen Premiummarken werden nachlässig.

Stuttgart - Als der US-Autobauer Tesla im März die „Giga Berlin“ in Brandenburg eröffnete und die ersten E-Auto-Modelle „made in Germany“ an die Besteller auslieferte, wurden immer wieder Meldungen über Mängel bei der Verarbeitung bekannt. Auch Tesla-Doc Ove Kröger entdeckte bei der Prüfung eines E-Autos aus Grünheide gewisse Mängel. Laut einem aktuellen Test des Automobilclubs ADAC sind Mängel an Neuwagen ein allgemeines Problem. Die Qualität der neuen Autos nehme immer mehr ab, ist das Fazit eines Tests mit 580 Automodellen von verschiedenen Herstellern.

Die weltweite Autoindustrie befindet sich aktuell mitten in der Transformation zur E-Mobilität und muss nebenbei mit einer Vielzahl von Problemen kämpfen. Mercedes-Benz trotzt der anhaltenden Chipkrise und dem Rohstoffmangel mit der Luxus-Strategie und konzentriert sich auf die Produktion hochpreisiger Modelle. Die Oberklasse-Modelle von Mercedes-Benz, BMW, Audi oder auch Porsche kommen bei dem ADAC-Check auch durchaus gut davon. Im Mittelklasse-Segment schludern aber offenbar auch die deutschen Hersteller.

ADAC-Qualitätscheck: „Selbst teure Autos sind oft nicht sonderlich hochwertig“

Durch den starken Fokus auf die E-Mobilität hat sich in der Autoindustrie einiges gewandelt. Besonders wichtig ist inzwischen die elektrische Reichweite, die modernste Software und in vielen Fällen auch das Design der Modelle. An anderen, weniger offensichtlichen Stellen, wird aber offenbar zunehmend gespart. Zu dieser Einsicht kommen die Tester des ADAC, die 580 Automodelle aus der Ober- und der Mittelklasse auf ihre Verarbeitung hin untersucht haben. „Bei vielen Modellen wird die Qualität schlechter, bei manchen aber auch besser“, heißt es laut press-inform vom Automobilclub. „Selbst teure Autos sind oft nicht sonderlich hochwertig.“

In der Auswertung der Mittelklasse-Modelle schneiden Modelle wie der Honda CR-V oder auch das Tesla Model 3 bei der Verarbeitung nicht gerade gut ab. Tesla-Chef Elon Musk warnte jedoch bereits selbst vor den ersten Modellen einer neuen Produktionsreihe, die Qualität werde mit jeder neuen Charge zunehmen, so der Visionär. Bei den Top-Modellen im Mittelklasse-Segment finden sich mit dem Audi A4, dem Porsche Macan oder dem Mercedes EQC durchgehend deutsche Fabrikate. Doch selbst bei den Autos „made in Germany“ lässt die Qualität scheinbar nach.

Mittelklasse-Modelle im Verarbeitungs-Check des ADAC:

ModellSchulnote
Audi A4/A51,2
BMW 3er/4er1,3
Porsche Macan1,3
Mercedes-Benz EQC/GLC1,4
Volvo V601,4
Honda CR-V3,0
Tesla Model 32,8
Subaru Outback/Forester2,7
Toyota RAV42,7
Mitsubishi Outlander2,7

(Quelle: ADAC)

Der ADAC geht vor allem mit dem größten deutschen Autokonzern scharf ins Gericht. „Der Volkswagen-Konzern befindet sich aktuell auf dem absteigenden Ast“, lautet das Urteil. Dieser Meinung sind auch einige Branchenexperten. Porsche-Chef Oliver Blume, der am 1. September die Nachfolge von Herbert Diess an der VW-Spitze antreten wird, soll es nun richten. Da gerade die Sportwagen von Porsche weltweit für ihre außerordentliche Qualität geschätzt werden, könnte dies im besten Fall auch auf den Mutterkonzern abfärben. Aktuell entdeckten die ADAC-Tester allerdings einige Verarbeitungsmängel. Vor allem beim A3 der VW-Tochter Audi sei an allen Ecken und Enden gespart worden, heißt es im Test.

Mercedes, Porsche und Co. schneiden grundsätzlich gut ab - Tester aber von C-Klasse enttäuscht

Im Oberklassen-Segment, auf das sich vor allem Mercedes-Benz und BMW inzwischen wieder stark konzentrieren, können die deutschen Hersteller bei der Verarbeitung zwar durchaus punkten, mit dem VW T6.1 steht aber dennoch ein deutsches Fabrikat in der Flop-Liste. Bei den Top-Modellen findet sich dagegen die Modelle Panamera und Taycan von Porsche, die 5er- und 7er-Baureihen von BMW und auch die E-Klasse von Mercedes-Benz. Beim Autokonzern mit Stern konnte allerdings nicht jedes Modell die Tester überzeugen. Besonders enttäuscht waren die ADAC-Tester von der aktuellen C-Klasse“, heißt es vom Automobilclub.

Oberklasse-Modelle im Verarbeitungs-Check des ADAC:

ModellSchulnote
Porsche Panamera/Taycan1,0
BMW 5er/7er1,1
Mercedes-Benz E-Klasse1,1
Audi Q71,1
Volvo XC901,1
Toyota Highlander3,1
VW T6.13,1
Ford Mustang3,0
Chevrolet Camaro2,8
Toyota Camry2,6

(Quelle: ADAC)

Das Mittelklasse-Modell von Mercedes-Benz wurde im vergangenen Jahr vorgestellt. Im direkten Vergleich mit den Vorgängermodellen fiel den ADAC-Testern einige Schwachstellen auf. Demnach werde der obere Bereich des Interieurs, der besonders oft angefasst und angeschaut wird, stets mit hochwertigem Material versehen, während darunter meistens weniger wertiges Material zum Einsatz kommt. Auch von dem Türfächer aus hartem Kunststoff zeigten sich die Tester bei der aktuellen Generation der Mercedes-C-Klasse nicht überzeugt.

Obwohl dem ADAC-Test zufolge auch bei den deutschen Premiumherstellern bei der Verarbeitung gespart wird, ist die Qualität in Deutschland und Europa insgesamt noch immer sehr hoch. In den USA und auch im asiatischen Raum sieht das allerdings nicht so aus. Neben dem Tesla Model 3 kamen auch der Ford Mustang und der Chevrolet Camaro bei dem Test nicht gut weg. Der Toyota Aygo X belegte sogar den letzten Platz. Im Fazit des ADAC heißt es aber auch, dass die Hersteller auf die Resonanz der nachlassenden Qualität bereits reagieren und bei den Nachfolgern wieder mehr Wert auf Qualität legen.

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