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Schwäbisches Traditionsunternehmen künftig in chinesischer Hand - „wie verzweifelt muss man sein“

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Von: Julian Baumann

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Ein Mitarbeiter der Allgaier Werke GmbH montiert am 22.01.2008 in Uhingen (Kreis Göppingen) ein Karosserieseitenteil.
Ein chinesischer Investor soll den schwäbischen Autozulieferer Allgaier übernehmen (Archivbild). © Marijan Murat/dpa

Der schwäbische Autozulieferer Allgaier kann die Transformation nicht mehr aus eigener Kraft stemmen. Ein chinesischer Investor soll das Familienunternehmen übernehmen.

Stuttgart/Uhingen - Baden-Württemberg ist nicht nur die Heimat weltbekannter Autobauer wie Mercedes-Benz und Porsche, sondern auch die vieler namhafter Automobilzulieferer. Dazu zählt unter anderem Bosch mit Sitz in Stuttgart, die ZF Friedrichshafen und auch das Familienunternehmen Allgaier aus Uhingen (Kreis Göppingen). Das Unternehmen, das im Jahr 1906 in der Gemeinde Hattenhofen gegründet wurde, stellt vor allem Press- und Blechteile und deren Werkzeuge für die Automobilindustrie her. Nun wurde offenbar ein Verkauf in die Wege geleitet.

Im vergangenen Jahr hatte die Geschäftsführung von Allgaier öffentlich gemacht, dass der Autozulieferer aus Uhingen zum Verkauf steht. Ende des Jahres wurde eingeräumt, dass nur noch ein Interessent übrig geblieben sei. Wie das Handelsblatt aus Regierungskreisen erfuhr, läuft beim Bundeswirtschaftsministerium ein Investitionsverfahren, bei dem es um einen Verkauf von Allgaier an einen Investor außerhalb der Europäischen Union geht. Arbeitnehmerkreise bestätigten, dass es sich bei dem Investor um ein chinesisches Unternehmen handelt.

Autozulieferer aus Baden-Württemberg: Allgaier künftig wohl unter chinesischer Hand

Die anhaltende Corona-Pandemie hatte fatale Folgen für die Wirtschaft weltweit. Das ging auch am Autozulieferer Allgaier nicht vorbei. Das Unternehmen hatte aber schon zuvor erhebliche Probleme, die durch Corona nur noch verstärkt wurden. Schulden belasten das Traditionsunternehmen und im Jahr 2020 gab es deutliche Verluste, berichtet das Handelsblatt. Seit vier Jahren verzichten die Mitarbeiter zudem auf Urlaub- und Weihnachtsgeld. Im Dezember 2020 konnte Allgaier mit Mühe einen Sanierungsplan erstellen, der aber einen drastischen Stellenabbau umfasst.

Laut den Informationen gibt es für einen Verkauf des Autozulieferers Allgaier an einen chinesischen Investor positive Signale für eine Freigabe. Auch das Verteidigungsministerium hat keine Einwände erhoben. „Das Ministerium sieht aus verteidigungspolitischer Sicht keine Anhaltspunkte für eine Beeinträchtigung durch den vorliegenden Erwerb“, bestätigte eine Sprecherin am Donnerstag (17. Februar) dem Handelsblatt. Der potenzielle Käufer soll zudem bereits in Deutschland investiert sein. Der chinesische Einfluss auf die deutsche Autoindustrie wurde in den vergangenen Jahren immer größer. Auch Chinas Macht über Mercedes-Benz ist größer, als viele bisher dachten.

Transformation zur E-Mobilität für Allgaier nicht alleine möglich

In der Autoindustrie läuft noch immer die groß angelegte Transformation zur E-Mobilität. Bei den Autobauern entfallen damit viele Tätigkeiten, die bei der Produktion von Verbrenner-Modellen benötigt wurden. Für den Autozulieferer Allgaier, der ausschließlich Komponenten herstellt, die bei E-Autos deutlich weniger benötigt werden, ist die Transformation besonders schwer zu bewältigen. Zudem schätzen Experten das Familienunternehmen aus Baden-Württemberg im Metallverarbeitungsbereich ohnehin als zu klein ein, um dauerhaft allein überleben zu können, berichtet das Handelsblatt.

Durch den Verkauf müsste Allgaier die Transformation demnach nicht mehr allein stemmen. Eine Übernahme durch einen chinesischen Investor ist für das schwäbische Unternehmen auch nicht abwegig. Hauptgesellschafter Dieter Hundt pflegt seit langem gute Kontakte ins Reich der Mitte. In der chinesischen Stadt Jieyang setzte sich der in Esslingen geborene Hundt für die Entwicklung eines Industrieparks ein. Dort wurde sogar eine Straße nach ihm benannt.

In den sozialen Medien löste die Nachricht von einer Übernahme des schwäbischen Familienunternehmens durch einen chinesischen Investor eine Debatte aus. „Wie passt bitte Zukunftssicherung und China zusammen?“, fragt ein Nutzer auf Facebook. „Wie verzweifelt, kapitalistisch und verantwortungslos muss man sein, um ein traditionsreiches, gewachsenes Unternehmen an Kommunisten zu verkaufen?“ Vor allem die immer größer werdende Macht Chinas in der deutschen Wirtschaft wird stark kritisiert. „Alles schön ins Ausland verkaufen, damit wir noch abhängiger von diesen Ländern werden“, kommentiert eine Nutzerin. „Schön den deutschen Mittelstand und das Know-how an die verschachern“, schreibt ein anderer.

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