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Wie eine Apotheke vor 134 Jahren zur „ersten Tankstelle der Welt“ wurde

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Von: Julian Baumann

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Schauspieler einer Laienspielgruppe fahren beim Nachstellen der Fahrt von Bertha Benz von 1888 in Wiesloch in einem Nachbau eines patentierten Motorenwagens von Carl Benz vor der alten Apotheke (erste Tankstelle der Welt) in Wiesloch vorbei.
Bei der ersten Autofahrt der Geschichte wurde die Stadt-Apotheke in Wiesloch bei Heidelberg die „erste Tankstelle der Welt“. © Ronald Wittek/dpa

Das erste Automobil der Geschichte musste auf seiner Jungfernfahrt in Wiesloch einen Stopp einlegen. Die dortige Stadt-Apotheke wurde zur „ersten Tankstelle der Welt“.

Wiesloch - Der heutige Autokonzern Mercedes-Benz geht bis auf die Erfindung des Automobils zurück. Während Gottlieb Daimler und Wilhelm Maybach den ersten schnell laufenden Ottomotor und das erste vierrädrige Kraftfahrzeug mit Verbrennungsmotor entwickelten, gilt der Benz Patent-Motorwagen Nummer 1 aus dem Jahr 1885 von Carl Benz als erstes praxistaugliches Automobil der Welt. Diese Praxistauglichkeit stellte allerdings nicht der Automobilpionier selbst, sondern seine Frau Bertha Benz unter Beweis, die mit ihren Söhnen Eugen und Richard die erste erfolgreiche automobile Fernfahrt unternahm.

Baden-Württemberg gilt als Geburtsort der Automobilpioniere Carl Benz (Mühlburg, heute ein Stadtteil von Karlsruhe), Gottlieb Daimler (Schorndorf) und Wilhelm Maybach (Heilbronn) unmissverständlich als Ursprungsland des Automobilbaus. Die erste Autofahrerin war allerdings Bertha Benz. Sie fuhr im August 1888 eine Strecke von über 100 Kilometern mit dem Benz Patent-Motorwagen Nummer 3, musste dabei aber einen Zwischenstopp in der Stadt Wiesloch bei Heidelberg einlegen.

Der steinige Weg zum ersten Automobil - Bertha Benz wollte Eignung des Fahrzeugs unter Beweis stellen

Mercedes-Benz hat seinen Hauptsitz seit vielen Generationen in der Landeshauptstadt Stuttgart, Carl Benz begann die Entwicklung des ersten Automobils allerdings in Mannheim. In der Großstadt fuhr der 1885 gebaute Benz Patent-Motorwagen Nummer 1 mit Viertaktmotor und elektrischer Zündung auch erstmals eine längere Strecke, wie Bertha Benz einige Jahre später schriftlich bestätigte. Der Pionier wurde anfangs allerdings für seine Entwicklung belächelt und der Benz-Patent-Motorwagen als „Wagen ohne Pferd“ verspottet. Die ersten Erprobungen des Automobils dauerten auch nur wenige Minuten, die Reichweite konnte jedoch beständig erweitert werden.

Bertha Benz sitzt auf dem Benz Patent-Motorwagen Nummer 3.
Bertha Benz unternahm im August 1888 die erste Fernfahrt mit dem Benz Patent-Motorwagen Nummer 3 (Archivbild). © Mercedes-Benz AG/Mercedes-Benz Museum

Im Januar 1886 wurde das Gefährt als „Fahrzeug mit Gasmotorenbetrieb“ beim Reichspatentamt zum Patent angemeldet. Bei einer ersten öffentlichen Fahrt in Mannheim lief Carl Benz‘ Sohn Eugen mit einer Flasche Benzin neben dem Fahrzeug her. Dennoch blieb der Benz Patent-Motorwagen Nummer 1, wie auch sein Nachfolger, der zum Vierradwagen umgebaut wurde, ein Einzelstück. Erst der stark verbesserte Benz Patent-Motorwagen Nummer 3 wurde zum Verkauf angeboten, fand aber zunächst wenig Anklang. Um die Eignung des Automobils unter Beweis zu stellen, unternahm Bertha Benz ohne Kenntnis ihres Mannes im August 1888 die erste Fernfahrt der Automobilgeschichte.

Erste Autofahrt der Geschichte - von Mannheim nach Pforzheim und zurück

Bertha Benz, geborene Ringer, wurde in der Stadt Pforzheim geboren. Die Großstadt im Nordwesten Baden-Württembergs war auch das Ziel der ersten Fernfahrt. Von Mannheim führte die insgesamt 106 Kilometer lange Strecke unter anderem durch den heutigen Rhein-Neckar-Kreis und den Landkreis Karlsruhe. Während der Fahrt hatten Bertha Benz und ihre Söhne Eugen und Richard mehrere Probleme mit dem jungfräulichen Fahrzeug und mussten das Gefährt auch mehrfach reparieren. Zudem ging dem Benz Patent-Motorwagen Nummer 3 das Benzin aus, sodass Bertha Benz in der Stadt-Apotheke in Wiesloch bei Heidelberg den Treibstoff Ligroin kaufte. Die Apotheke wurde dadurch zur „ersten Tankstelle der Welt“.

Durch die erste Fernreise der Automobilgeschichte wurde Bertha Benz nicht nur zur ersten Autofahrerin, sondern Apotheker Willi Ockel aus Wiesloch auch zum ersten Tankwart der Welt. Bei der Rückfahrt führte die Strecke durch den Kraichgau und die Oberrheinische Tiefebene den Rheinauen folgend zurück nach Mannheim. Der Benz Patent-Motorwagen Nummer 3 legte bei seiner Jungfernfahrt auf Hin- und Rückfahrt insgesamt 194 Kilometer zurück.

An diese erste Autofahrt der Geschichte erinnert heute die Bertha Benz Memorial Route, an die „erste Tankstelle der Welt“ ein Denkmal von Bertha Benz, das vor der Apotheke aufgestellt wurde. Die Stadt-Apotheke in Wiesloch besteht noch heute, angefahren werden kann sie aber nicht mehr, da die Hauptstraße der Stadt zur Fußgängerzone umgestaltet wurde.

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