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„Wenn man uns das Gas abstellt, wird kein Auto mehr gebaut“: Industrie droht Worst Case

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Von: Julian Baumann

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Mitarbeiter werden in einem Trainingsbereich für die Produktion von Elektroautos geschult.
Bei einem kompletten Gaslieferstopp könnten große Teile der Industrie nicht mehr produzieren (Symbolbild). © Sina Schuldt/dpa

Autohersteller und auch die Zulieferer sind bei ihrer Produktion noch immer von Gas abhängig. Ein Lieferstopp hätte demnach fatale Folgen für die Branche.

Stuttgart - Die Energiepreise steigen aktuell immer weiter an. Das macht nicht nur den Verbrauchern zu schaffen, sondern auch der Wirtschaft. Im Zuge des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine wurde lange über ein Gasembargo diskutiert. Das Gasembargo würde gerade Baden-Württemberg besonders betreffen, da im Südwesten mit Mercedes-Benz, Bosch oder auch Porsche mehrere wichtige Unternehmen der weltweiten Autoindustrie ihren Hauptsitz haben. Inzwischen hat die Regierung in Moskau aber selbst die Gaslieferungen über die Ostsee-Pipeline Nord Stream 1 nach Deutschland gedrosselt. Russland ist für den gesamten europäischen Kontinent der mit Abstand wichtigste Lieferant von Erdgas.

Für die Industrie wird die gedrosselte Gaslieferung aus Russland immer mehr zum Worst-Case-Szenario. Mercedes-Benz hatte verkündet, dass die Gasversorgung derzeit gesichert sei. Bei den Autozulieferern und den Herstellern von Aluminiumteilen für die Autoindustrie wird die Luft dagegen immer dünner. Wie die WirtschaftsWoche berichtet, werden die Schmelzöfen von rund 200 deutschen Gießereien, die Aluminiumteile für die Autoindustrie produzieren, mit Gas befeuert. Sollte dort der Gashahn abgedreht werden, können die Teile nicht mehr produziert werden, was letztendlich auch zu einem Stillstand bei den Autobauern führen würde.

Hersteller von Aluminium-Bauteilen für Porsche und Audi droht Worst Case

Wie fatal ein Stopp der Gaslieferungen für die deutsche Autoindustrie wäre, zeigte sich auch an den Reaktionen der Top-Manager auf ein drohendes Embargo. Sowohl Mercedes-Chef Ola Källenius, als auch Bosch-Chef Stefan Hartung warnten ausdrücklich vor einem Lieferstopp. Mit der Drosselung durch Russland hat Deutschland die Situation allerdings nicht mehr selbst in der Hand. „Wir sind in einer Gaskrise. Diese Belastung ist ein externer Schock“, sagte Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) bei der Verkündung der „Alarmstufe Gas“.

Ein Schock ist es auch für den vergleichsweise kleinen, aber systemrelevanten Zweig der Aluminium-Gießereien. Sie müssen ohnehin mit den extrem gestiegenen Gaspreisen kämpfen, der Worst Case wäre aber ein vollständiger Lieferstopp. „Wenn man uns das Gas abstellt, wird kein Auto mehr gebaut“, sagt Rolf Cramer, einer von zwei Geschäftsführern der Druckguss Westfalen in Geseke (Nordrhein-Westfalen) laut der WirtschaftsWoche. Das Unternehmen mit rund 320 Mitarbeitern produziert unter anderem Gehäuse für den elektrischen Sportwagen Taycan von Porsche und den elektrischen SUV E-tron von Audi. Sollte Druckguss Westfalen der Gashahn abgedreht werden, könnten die beiden Tochterunternehmen des VW-Konzerns keine Autos mehr produzieren.

Gaslieferstopp durch Russland droht laut Wirtschaftsminister bereits im Juli

Noch ist der Worst Case bei Druckguss Westfalen und auch bei allen anderen Unternehmen der Branche noch nicht eingetreten. Der WirtschaftsWoche zufolge profitiert das Unternehmen derzeit von einem im Jahr 2020 geschlossenen Vertrag mit dem Anbieter Enercity aus Hannover. Dieser Vertrag läuft allerdings demnächst aus. „Wenn der Vertrag endet, steigt der Preis um das Dreieinhalbfache“, so Cramer. Das könne das Unternehmen nicht mehr stemmen. „Wenn wir diese Preise bezahlen müssen und nicht an die Kunden weiter geben können, gehen wir pleite.“ Deshalb verhandelt Druckguss Westfalen derzeit hart mit den Endkunden aus der Autobranche und anderen Industrieunternehmen.

Die Drosselung der Gaslieferungen durch Russland setzen der deutschen Wirtschaft bereits jetzt zu, die nächste Stufe der „Alarmstufe Gas“ hätte aber noch drastischere Folgen. Der Gaslieferstopp hätte fatale Folgen für die Autoindustrie und auch die Gewerkschaft IG Metall erklärte bereits, dass ohne russisches Gas die Fabriken stillstehen werden. Schon jetzt fordert das Bundeswirtschaftsministerium, dass Industriebetriebe ihre Produktion vermindern und Verbraucher Energie sparen sollen. Laut Habeck droht ein kompletter Gasstopp durch Putin bereits im Juli, wie Merkur.de aktuell berichtet.

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