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„Deutscher Automarkt vor Kipppunkt“: Dudenhöffer befürchtet einen „Käuferstreik“

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Von: Julian Baumann

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Ferdinand Dudenhöffer beim Car Symposium.
Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer warnt davor, dass der Angebotsknappheit in der Autobranche ein „Kundenmangel“ folgen wird. © Juergen Schwarz/Imago

Durch die extremen Preisanstiege in nahezu allen Bereichen ändern die Kunden ihr Konsumverhalten. Das könnte sich auch auf den Automarkt auswirken, befürchtet Experte Dudenhöffer.

Stuttgart/Duisburg - Autohersteller wie Mercedes-Benz oder BMW setzen zunehmend auf die Produktion von hochpreisigen Modellen und auch sonst sind die Preise für Neuwagen in den vergangenen Jahren stark gestiegen. Weil die Neuwagenpreise um bis zu 44 Prozent angestiegen sind, appelliert der ADAC bereits an die Hersteller. Zudem führen die extrem gestiegenen Energiepreise dazu, dass auch der Unterhalt für Autofahrer deutlich teurer wird. Die Preisexplosion macht das Autofahren vor allem für E-Auto-Fahrer teurer, da die Fahrer an den Ladestationen immer mehr Geld für die Kilowattstunde ausgegeben müssen.

Während Hersteller wie Mercedes-Benz mit dem Fokus auf den Luxus sogar der anhaltenden Chipkrise und den Lieferproblemen trotzen können, müssen die Kunden immer tiefer in die Tasche greifen. Das ist angesichts der stark gestiegenen Preise für Energie, Lebensmittel und Co. im Zuge des Ukraine-Krieges aber nicht mehr für alle Neuwagen-Interessierten möglich. Da zudem ab kommenden Jahr auch noch die staatlichen Förderungen beim Kauf eines E-Autos wegfallen sollen, schlagen Experten Alarm. Laut Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer steht „der deutsche Automarkt vor einem Kipppunkt“, wie er in einer neuen Analyse schreibt, die dem Handelsblatt vorliegt.

Autoexperte Dudenhöffer: Angebotsknappheit wird „Kundenmangel“ oder „Käuferstreik“ folgen

Seit Ende des Jahres 2020 hat die weltweite Autoindustrie mit deutlichen Einschränkungen zu kämpfen. Die Chipkrise, ausgelöst durch Lieferengpässen von wichtigen Halbleiterkomponenten, führte dazu, dass viele Modelle nicht fertiggestellt werden konnten. Ein Ende ist aktuell noch nicht in Sicht, die Chipkrise wird laut einer Studie noch bis mindestens 2025 andauern. Dadurch wird es auch weiterhin eine Angebotsknappheit geben, der laut Ferdinand Dudenhöffer ein „Kundenmangel“ beziehungsweise ein „Käuferstreik“ folgen dürfte. Während bislang die Nachfrage zwar konstant war, die Hersteller dieser aufgrund der mangelnden Chipkomponenten aber nur verzögert nachkommen konnten, sinkt angesichts der hohen Lebenshaltungskosten aktuell auch die Nachfrage nach neuen Autos.

Zahlreiche Neuwagen stehen am Automotive Logistics Center Bremen auf dem Gelände von DB Cargo auf mehreren Bahnwaggons.
Weil die Preise beständig steigen, befürchten die Autohändler, dass sich Kunden gegen den Kauf eines Neuwagens entscheiden. © Hauke-Christian Dittrich/dpa

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Aktuell sind die Auftragsbücher der Autohersteller noch gefüllt, Kunden von Mercedes, Porsche oder Tesla müssen aber lange auf die Auslieferung ihrer Autos warten. Dem Handelsblatt zufolge geht das Volumen an Bestellungen für Neuwagen in Deutschland aber stetig zurück. Laut Antje Woltermann, Geschäftsführerin des Zentralverbands Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK), ist die Lage auf dem Automarkt sogar noch schlimmer. „Es ist so, dass wir erste Stornierungen sehen“, sagte sie. Auch Ferdinand Dudenhöffer warnt in der Analyse davor, dass die Nachfrage weiter sinken könnte.

Neuwagenpreise und Lebenserhaltungskosten steigen: Autohäuser befürchten Wegfall der Kundschaft

Zusätzlich soll ab kommenden Jahr auch der staatliche Zuschuss beim Kauf eines E-Autos deutlich gedrosselt werden. Käufer bekommen dann nicht mehr für jedes Modell eine Prämie und auf lange Sicht soll der Zuschuss ganz entfallen. Ferdinand Dudenhöffer sagte bereits, die Verringerung der E-Auto-Prämie werde, „der E-Mobilität den Stecker“ ziehen und auch in seiner neuen Analyse warnt der Direktor des Center Automotive Research (CAR), dass sich die schwierige Situation dadurch noch weiter verschärfe. Es sei „bizarr“ dass die Industrie die Kaufanreize gedrosselt habe, statt sie angesichts der Konjunktur zu erhöhen, schreibt er.

Aufgrund der stark gestiegenen Preise in nahezu allen Bereichen müssen Kunden auch in Deutschland ihr Konsumverhalten ändern. Im Zuge des nahenden Winters gibt es eine ganze Reihe an Energiespartipps für Strom, Gas oder Wasser und auch beim Kauf von Lebensmitteln achten die Verbraucher wohl zunehmend auf die Preise. Dieses Verhalten auf den Automarkt bezogen fürchten die Kfz-Betriebe und Autohäuser, dass sich viele Kunden gegen den Kauf eines Neuwagens entscheiden könnten. Laut dem Handelsblatt hoffen einige aber darauf, dass die Bestellungen angesichts der Lage nur verschoben werden.

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