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Ford-Chef warnt eindringlich: Westliche Autoindustrie verliert gegenüber China den Anschluss

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Von: Julian Baumann

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Jim Farley, CEO der Ford Motor Company, sitzt in einem Mustang Mach-E 4X .
Der Chef des US-Autobauers Ford, Jim Farley, warnt davor, dass europäische Hersteller zunehmend den Anschluss zur Konkurrenz aus China verlieren. © Ryan Garza/Imago

Die europäischen Autobauer könnten bei der Digitalisierung gegenüber der Konkurrenz aus China den Anschluss verlieren, warnt der Chef des US-Konzerns Ford.

Stuttgart/Dearborn - Der europäische Kontinent ist historisch gesehen der Ausgangspunkt für die gesamte Automobilindustrie. Der deutsche Konzern Mercedes-Benz geht auf die Erfinder des Automobils Gottlieb Daimler und Carl Benz zurück und die Marke des französischen Herstellers Peugeot gilt als älteste noch bestehende Automarke der Welt. In jüngerer Vergangenheit haben sich die Machtverhältnisse aber verschoben. Bei der Digitalisierung und der Transformation zur E-Mobilität fahren die europäischen Autokonzerne zunehmend US-Unternehmen wie Tesla und auch asiatischen Herstellern wie Toyota hinterher.

Der Chef des amerikanischen Autokonzerns Ford, Jim Farley, lobte im Interview mit dem Handelsblatt die Fortschritte der europäischen Hersteller in Bezug auf die Elektrifizierung der Fahrzeugflotten. Bei der Digitalisierung sieht Farley allerdings die Gefahr, dass die Autobauer zunehmend den Anschluss gegenüber der chinesischen Konkurrenz verlieren. Konzerne wie Mercedes-Benz oder BMW würden sich derzeit zu sehr auf die Reduzierung der CO2-Werte und zu wenig auf die tatsächliche Digitalisierung der Autos konzentrieren, so der Ford-Chef.

Autoindustrie im Westen bewegt sich laut Ford-Chef Farley immer weiter nach China

Dass der Chef des US-Herstellers Ford sich auch mit dem europäischen Automarkt auseinandersetzt, hat mehrere Gründe. Zum einen ist die Europa-Tochter Ford Europa für den gesamten Konzern sehr wichtig, zum anderen unterhält Ford auch enge Geschäftsbeziehungen mit Volkswagen. Die aktuelle Situation für die europäische Autobranche sieht Jim Farley aufgrund der steigenden Marktmacht Chinas aber kritisch. „Das Gravitationszentrum unserer Branche bewegt sich ostwärts, nach China“, sagte er dem Handelsblatt. „Das hängt einfach damit zusammen, dass das digitale Ökosystem für Autos dort stärker ist.“ Zudem sei auch die Software in China deutlich fortschrittlicher als im Westen.

Ford GT Performance
Ford setzt sich stark mit dem europäischen Automarkt auseinander. Unter anderem unterhält der US-Hersteller enge Geschäftsbeziehungen mit Volkswagen. © Boris Roessler/dpa

Die europäischen Autohersteller müssen sich bei der Transformation auch nach der EU-Kommission richten, die eine CO2-neutrale Produktion fordert. Mercedes-Benz will ab 2030 nur noch E-Autos bauen und auch der schwedische Autobauer Volvo hat diese Jahreszahl als Ende der Verbrenner-Produktion festgelegt. Der Fokus auf den Umweltaspekt ist laut dem Ford-Chef aber nicht genug. „Europa ist zu sehr auf die CO2-Reduzierung fokussiert und zu wenig auf die digitale Transformation der Autos“, machte Jim Farley deutlich. „Die Zukunft unserer Branche dreht sich darum, wer die meiste Software im Fahrzeug platzieren kann.“ In Europa wurde es derzeit aber noch immer zu sehr um die Mechanik, das Fahrgefühl und die Fahreigenschaften gehen.

Ford-Chef: „Der Erfolg von Tesla hat in den USA unsere Branche aufgeweckt“

Durch die fortschrittlichere Auto-Software in China müssen die europäischen Hersteller nachziehen, um nicht abgehängt zu werden. Dadurch steigt aber wiederum auch die Abhängigkeit von großen US-Softwareunternehmen. Mercedes-Benz will ab 2024 Nvidia-Komponenten in allen Modelle verbauen. Jim Farley sieht als entscheidenden Schritt bei der Digitalisierung die Kombination von Hardware und Betriebssystemen. „Die Autohersteller, Ford eingeschlossen, sind diesen entscheidenden Schritt noch nicht gegangen“, gesteht der Ford-Chef. Vor allem sehe er bei den Autos der europäischen Hersteller noch keine der notwendigen Softwareanwendungen.

Dass der US-amerikanische Automarkt in diesem Punkt möglicherweise weiter ist, als der europäische, hat vor allem einen Grund. „Der Erfolg von Tesla in den USA hat unsere Branche aufgeweckt“, sagte Jim Farley dem Handelsblatt. „Allein schon mit seinen neuen Vertriebswegen beweist Tesla, dass es einfacher und effizienter geht, weil man beispielsweise keine Lagerhaltung mehr braucht.“ Dort spiele eben auch die Software eine große Rolle. Am 25. März hat Tesla die Gigafactory in Grünheide (Brandenburg) bei Berlin eröffnet. Vom ersten deutschen Standort des US-Pioniers erhofft sich die Politik auch einen Schub in Bezug auf die E-Mobilität und die Digitalisierung der deutschen Branche.

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