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„Das Atom-Automobil“: Konzeptauto von Ford sollte mit Kernkraft angetrieben werden

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Von: Julian Baumann

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Das Modell des Ford Nucleon, ein Automobil, das mit Kernenergie angetrieben werden sollte.
Das „Atom-Automobil“ von Ford sollte mit einem eigenen Minikernreaktor betrieben werden, kam aber nie über ein Modell hinaus. © Ford Motor Company

Ein Auto mit Atomkraft anzutreiben, klingt vom heutigen Standpunkt aus gesehen absurd. US-Hersteller Ford hatte eine solche Idee aber vor rund 70 Jahren vorgestellt.

Stuttgart/Dearborn - Nicht erst seit den verheerenden Reaktorunfällen in Tschernobyl (Ukraine) im Jahr 1986 und Fukushima (Japan) im Jahr 2011 werden Atomkraftwerke weltweit verteufelt. In Deutschland sind mit Isar 2 (Bayern), Emsland (Niedersachsen) und Neckarwestheim 2 (Baden-Württemberg) derzeit nur noch drei Atomkraftwerke im Betrieb. Während aktuell alles daran gesetzt wird, Alternativen zur Kernkraft zu finden, wollte der US-Autobauer Ford Ende der 50er Jahre ein Auto mit Atomkraft antreiben.

Vom heutigen Standpunkt aus gesehen, klingt ein atombetriebenes Auto regelrecht absurd. Die Autohersteller setzen ihren Fokus aktuell mit E-Autos auf erneuerbare Energien und wollen zunehmend weg vom fossilen Brennstoff. Im Jahr 1958 war die Kernenergie aber die vorherrschende Energieart, mit der in diesem Jahr auch erstmals Häuser von US-Bürgern versorgt wurden. Deshalb war es wohl nur eine Frage der Zeit, bis Ingenieure auch einen Einsatz im Automobilbereich ermöglichten.

Ford Nucleon sollte mit eigenem Kernreaktor angetrieben werden

In einem mit „Das Atom-Automobil“ betitelten Bericht über das Konzeptauto Nucleon von Ford heißt es, dass die Welt in den 1950er Jahren von den Möglichkeiten der Kernenergie regelrecht begeistert war. Im glorreichen Atom-Zeitalter habe es den Anschein gehabt, dass die Kernspaltung alle Energieprobleme für immer lösen könne. Der in Dearborn (Michigan) bei Detroit ansässige US-Autobauer Ford hatte mit dem Nucleon deshalb ein Konzeptfahrzeug vorgestellt, das mit Kernstoffbrennstoff - dem Material, in dem die Spaltreaktion eines Kernreaktors stattfindet - angetrieben werden sollte.

Zu diesem Zweck hatte das Konzept des Ford Nucleon einen zwischen den Hinterrädern aufgehängten Minikernreaktor verbaut, der Wärme erzeugen sollte, die wiederum die Dampfturbine des Autos antreibt. Dieser verbaute Kernreaktor sollte nach den damaligen Angaben von Ford Energie für rund 5.000 Meilen (circa 8.000 Kilometer) liefern, bevor er ausgetauscht werden müsse. Damit hätte der Ford Nucleon ein Vielfaches der Reichweite der leistungsstärksten E-Autos der Neuzeit aufgebracht, das Super E-Auto EQXX von Mercedes-Benz fuhr 1.200 Kilometer mit einer Batterieladung.

Von dem Konzeptauto Ford Nucleon mit Kernreaktor baute der US-Autohersteller lediglich ein kleines Modell. Dieses spiegelt allerdings mit der mehr als ungewöhnlichen und im Automobilbau auch seitdem nicht wirklich nachgeahmten Karosserieform die Vorstellung der Zukunft im Atom-Zeitalter der 1950er Jahre wider. Diese inspirierte auch die Form der Automobile in der dystopischen Videospielreihe „Fallout“. Obwohl die Kernenergie damals als Energiewunder angesehen wurden und die erheblichen Gefahren für die Umwelt noch nicht bekannt waren, ging das ungewöhnliche Projekt nie über den Stand des Modells hinaus.

„Atom-Automobil“ noch nicht vom Tisch? Unternehmen will radioaktives Material nutzbar machen

Das Hauptproblem beim Ford Nucleon war allerdings nicht die Unterbringung eines Kernreaktors in einem Auto, sondern die Weiterverwertung der freigesetzten Energie, wie ein Professor der University of Alabama dem Portal The Drive erklärte. Der Kernreaktor könnte theoretisch tatsächlich genug Energie erzeugen, um ein Auto anzutreiben, erklärte er. „Die Schwierigkeit liegt jedoch bei der Energieumwandlung.“ Nach den besagten Reaktorunfällen und dem Bewusstsein, wie schädlich das radioaktive Material für die Umwelt ist, wäre eine solche Entwicklung heute ohnehin undenkbar.

Modell des Ford Nucleon.
Die ungewöhnliche Form des Ford Nucleon-Modells beeinflusste das Aussehen der Autos in der Videospielreihe „Fallout“. © Ford Motor Company

Einige Forscher sprechen sich aber auch dafür aus, dass die Atomkraftwerke bei richtiger Funktion absolut sicher sind und die Kernkraft gerade in der aktuellen Energiekrise einen wertvollen Beitrag leisten könnte. Die deutschen Atomkraftwerke könnten laut einem Stuttgarter Forscher ohne Probleme weiterlaufen. Tesla-Boss Elon Musk hatte sich sogar dafür ausgesprochen, stillgelegte Kernkraftwerke wieder in den Betrieb zu nehmen. Zudem scheint der Gedanke, Autos mit Kernkraftbrennstoff anzutreiben, noch nicht ganz vom Tisch zu sein. Einem Bericht von Electrive zufolge wollte das Unternehmen Laser Power Systems im Jahr 2014 das radioaktive Material Thorium für den Fahrzeugbetrieb nutzbar machen.

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